Donnerstag, 7. Januar 2016

Arbeit für die nächsten Jahrhunderte

Marten Thomsen ist neuer Dokumentar im Museumsdorf Hösseringen

VON CHRISTINE KOHNKE-LÖBERT / Text / Foto

Die erste Arbeit war ein Puppenhaus. „Das stand hier im Weg und da habe ich es mir als erstes geschnappt“, erzählt Marten Thomsen. Zwei Monate hatte der neue Dokumentar des Museumsdorfes Hösseringen nun Zeit, seinen Arbeitsplatz in den Magazinen kennenzulernen. Archiv und Restaurierungswerkstatt sind hier untergebracht sowie ein großer Teil der Sammlungsbestände. Und das Büro des Dokumentars, das in Anbetracht der rund 50.000 Objekte, die das Museumsdorf im Laufe der vergangenen Jahrzehnte zusammen getragen hat, ziemlich klein anmutet. Aber die Objekte, die Marten Thomsen bearbeitet, bleiben ja nur vorübergehend am Arbeitsplatz Dokumentation, bevor sie – sicher verpackt und katalogisiert – ihren Standort in einer der hohen Regalwände des Magazins finden. So wie das Puppenhaus, ein selbst gebautes Spielzeug hier aus der Region, das in den 1960er Jahren entstanden ist.

Aus Kiel in die Südheide: Marten Thomsen kümmert sich jetzt um die Magazine des Museumsdorfes Hösseringen.
Marten Thomsen ist froh, die Stelle im Museumsdorf gefunden zu haben. Rund 100 Bewerbungen hat der Historiker und Volkskundler aus Kiel nach seinem Studienabschluss geschrieben. Die Aussicht, seinen Lebensunterhalt als „akademischer Taxifahrer“ bestreiten zu müssen, ließ ihn am Ball bleiben und erste berufliche Erfahrungen sammeln. Dem Studium schlossen sich zunächst Praktika im Nordseemuseum Husum und im Landesarchiv Schleswig an, ein zweijähriges Volontariat an der Museumsinsel Lüttenheid in Schleswig-Holstein folgte.
"Ich stehe total auf historischen Kram"
Dass sich in seinem Leben ganz viel um Geschichte drehen sollte, war dem heute 33-Jährigen schon früh klar. „Ich stehe total auf historischen Kram“, lacht er, „Da bin ich wohl ein bisschen spleenig.“ Die Loireschlösser in Frankreich und die Burgen und Ruinen an der Mosel waren seine Urlaubsziele schon in jungen Jahren. Als Kind habe er sich immer gefragt, warum die Legoritter heute nicht mehr auf Burgen leben. Eine Erklärung musste her - und damit war er schon eingetaucht in die Geschichte von Schloss und Burg.
Ein besonderes Faible hegt Marten Thomsen für die Geschichte Roms, auch, „weil das Römische Reich in vielen Bereichen ein wegweisendes System war, das unserer heutigen Welt Vorbilder vermittelte – vor 2000 Jahren. In Sachen Justiz und Verwaltung ist Rom, im Vergleich zum Mittelalter, ein modernerer Staat gewesen – und dann bricht das weg“. Marten Thomsen weiß, dass es nicht immer die großen Relikte sind, die Geschichte erzählen. Auch anhand kleiner Details – wie etwa Darstellungen auf römischen Münzen – könne viel über die Entwicklung dieses Staates abgelesen werden.
"Die Geschichte der Lüneburger Heide ist in vieler Hinsicht spannend" 
Da mutet die Geschichte der Lüneburger Heide ja fast unspektakulär an, möchte man meinen. Klar, Münzen gibt es hier auch – aber ob diese ebenso auskunftsfreudig sind? „Die Geschichte der Lüneburger Heide ist in vieler Hinsicht spannend. Die Veränderungen in der Landwirtschaft, in der Kulturlandschaft und der Dorfentwicklung, die Entwicklung des Handwerks sind nur einige Fragen, mit denen wir uns hier beschäftigen.“ Wie man sieht, hat die Heide den jungen Mann schon gepackt.
Eingearbeitet wurde der Dokumentar durch seinen Amtsvorgänger Manfred Völker, der auch heute noch regelmäßig vorbei schaut und ehrenamtlich das Bildarchiv betreut. Neben den interessanten Arbeitsaufgaben gefällt Marten Thomsen auch das Team des Museums. „Ich bin sehr gut aufgenommen worden“, erzählt er - und so hat er nicht lange gezögert, Suderburg auch sonst zu seinem Lebensmittelpunkt zu machen. „Ich bin hierher gezogen, weil ich ein Freund von kurzen Dienstwegen bin und in Suderburg eine sehr gute Infrastruktur vorhanden ist“, schätzt er seinen neuen Wohnort. Besonders die Gegend um die Kirche sei sehr schön, für das kommende Frühjahr habe er sich schon einige Entdeckertouren vorgenommen.
Im Museum wird es in den kommenden Jahren insbesondere darum gehen, die Ordnung der Sammlungsbestände so zu komplettieren, dass in Zukunft auch wirklich jedes Objekt bei Bedarf leicht gefunden wird. Gleichzeitig müsse aber auch Platz geschaffen werden, denn die Sammlung wird ja ständig erweitert. „Die Magazine sind gut strukturiert“, fasst Marten Thomsen zusammen. „Es gibt aber auch Verbesserungsmöglichkeiten, etwa bei den Textilien. Unsere Objekte sollen ja schließlich die nächsten Jahrhunderte überdauern. Daran arbeiten wir.“
Spannend findet der Dokumentar die Geschichten, die sich hinter den Gegenständen verbergen - ob es sich nun um ein Puppenhaus, eine Münze oder ein Hochzeitskleid handelt. Oder einen alten Muff aus der Sammlung von Axel Beeker aus Holdenstedt. Der wurde auf der Weltausstellung 1873 in Wien verkauft – und nun muss herausgefunden werden, auf welchen verschlungenen Wegen das gute Stück ausgerechnet in der Lüneburger Heide gelandet ist.

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