Montag, 5. September 2016

Mit heißer Kohle gehandelt

Kohlemeiler im Museumsdorf geöffnet und Köhlerfest gefeiert

CHRISTINE KOHNKE-LÖBERT / Text / Fotos

Der Kohlemeiler im Museumsdorf lockte zahlreiche Besucher an.
Julius trägt die Verantwortung. Aufmerksam blickt er über die noch leicht qualmende Holzkohle, den Wasserschlauch bei der Hand, um bei Bedarf zu löschen. „Ich sorge heute dafür, dass die fertige Kohle nicht anfängt, zu brennen. Wenn es brennt, dann ist die ganze Kohle weg und das Feuer kann sich verbreiten. Wenn wir großes Pech haben, dann brennt ganz Hösseringen ab“, weiß der Sechsjährige. Das passiert dank des tüchtigen kleinen Helfers glücklicherweise nicht und das Köhlerfest im Museumsdorf Hösseringen kann seinen Lauf nehmen. Eine Woche lang haben Archäologe Arne Paysen und sein Team den Kohlemeiler im Freigelände des Museumsdorfes überwacht und nun war es an der Zeit, die Holzkohle zu entnehmen. Bevor die Kohle weiterverarbeitet oder transportiert werden kann, muss sie zunächst 24 Stunden abkühlen und trocknen. „Es gibt das Sprichwort ‚mit heißer Kohle handeln’“, erzählt Arne Paysen, während er die Kohle in ein großes Sieb schippt, um den Sand herauszufiltern. „Früher ist es mitunter dazu gekommen, dass ganze Wagenladungen in Brand gerieten oder schlimmer noch Schiffe sanken, weil die Kohle zu früh verladen wurde und sich unterwegs entzündete.“ Erfahrungen mit der Köhlerei konnte Arne Paysen in den vergangenen Jahren bereits mehrfach im Museumsdorf sammeln. „Uns wächst das Material ja quasi in den Meiler“, fügt Museumsmitarbeiter Michael Schulz hinzu. Verköhlert wird nämlich Holz, das eigens dazu auf dem Gelände des Museums geschlagen wird. Auch Tom aus Hohenbünstorf ist fasziniert. Eine ganze Stunde lang beobachtet der Sechsjährige das Geschehen. „Mit der Kohle kann man auch grillen“, meint er – und das bringt ihn dann doch auf eine Idee: Erst einmal etwas essen am großen Grillstand.

Die Kohlen sind aus dem Feuer geholt, und das nicht nur sprichwörtlich. Jetzt werden sie von Julius mit kaltem Wasser besprüht, das es dampft und zischt.
Auch Familie Dünkel aus Thüringen nutzt ihren Heideurlaub für einen Besuch. „Ich hätte nie gedacht, dass ich so etwas einmal sehen könnte“, freut sich Barbara Dünkel. „Köhler gab es früher überall“, erläutert Arne Paysen, nur in der Heide haben sich die Stellen nicht so gut erhalten, weil sie in der flachen Landschaft überall angelegt werden konnten und nur wenige Spuren hinterließen. Besser nachweisbar sind zum Beispiel die Köhlerstellen im Harz.
Geköhlert haben Menschen schon seit Jahrtausenden. Bereits in der Altsteinzeit war die Technik bekannt, um Holzteer oder Birkenpech zu gewinnen. „Die Kohle war damals ein Nebenprodukt“, weiß der Archäologe. Stark voran getrieben wurde die Technik dann mit der Verarbeitung von Metallen. Gut dokumentierte Köhlerstellen lassen anhand der Holzreste eine Datierung mit der C14-Mathode oder sogar per Dendrochronologie zu.
Und während die Männer „Kohle machen“ und die Gäste dabei zuschauen, hat Nachwuchsrestaurator Julius wieder eine brand-gefährliche Stelle entdeckt. „Dort, wo blauer Rauch kommt, muss ich gleich sprühen“, weiß er. Eigentlich möchte Julius ja Handballer oder Fußballer werden, aber „Handwerk finde ich auch gut“, meint er und lässt den Schlauch über die heißen Kohlenstücke wandern.

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