Donnerstag, 13. April 2017

Wo Hirsch und Wolf sich gute Nacht sagen

Schüler erleben mit Forstleuten eine spannende Woche im Lüßwald
REINER BAUMGART / Text //  MALTE ROGOSINSKI / Fotos
Schülerin Lyn Jensen (15) und ihre 21 Mitschülerinnen und Mitschüler waren etwas verwundert, als sie von Klassenlehrerin Anna Schwarz erfuhren, dass sie im April eine Woche mitten im Wald verbringen würden. Die Achtklässler der IGS Nienburg hatten sich mit ihren Lehrkräften für einen Jugendwaldeinsatz im Waldpädagogikzentrum (WPZ) Ostheide entschieden. „Für unsere Schule war das völlig neu, wir waren zuvor noch nie in einem WPZ der Niedersächsischen Landesforsten“, verrät die Klassenlehrerin. Förster Welf Einhorn (29) und sein Team begrüßten die Nienburger unter den alten Eichen am zweihundert Jahre alten Siedenholzhaus, einem ehemaligen Forsthaus inmitten des Lüßwaldes.

Forstanwärter André Olschewski erkundet mit den Schülerinnen und Schülern den Lüßwald.
Bereits am nächsten Morgen zogen Schüler und Lehrer mit Hammer, Säge und Saatflaschen bewaffnet zur Arbeit in den Wald. Angeleitet von erfahrenen Forstwirten zimmerten sie in kleinen Gruppen Hochsitze und streuten Waldsamen aus Flaschen auf den Waldboden, um junge Bäume zu säen. Forstanwärter Andre Olschewski (26) vom Forstamt Unterlüß erklärte den eifrigen Helfern, wie sie unter dem Schirm der alten Kiefern gemeinsam einen zukünftigen Mischwald aus Buchen und Douglasien begründen werden. „Weitere Baumarten wie Birken, Ebereschen und Weiden finden sich auf den Saatstreifen natürlich ein“, ergänzte der junge Förster.
„Uns Lehrer hat beeindruckt, wie die Klasse bei der praktischen Arbeit im Wald zusammengewachsen ist. Gerade unsere Schülerinnen und Schüler, die das städtische Umfeld gewohnt sind, konnten sich richtig ‚erden‘ – im idyllischen Umfeld des schönen Hauses und mit dem netten Team“ sagt Anna Schwarz. Auch das Verhältnis zwischen Lehrern und den Schülern wurde gestärkt. „Unsere Schüler haben gesehen, dass selbst ich mal einen Nagel krumm haue“, schmunzelt die Klassenlehrerin, „wir würden jederzeit wieder eine Klassenfahrt nach Siedenholz zu den Landesforsten machen.“
An einem Nachmittag ging es mit GPS-Empfängern zu einer modernen Schatzsuche in den Wald. An ungewöhnlichen Plätzen hatten die Forstleute zuvor sogenannte ‚Caches‘ versteckt, die verknüpft mit Waldwissen, Fitness und den richtigen Koordinaten zum Schatz führten. In der Abenddämmerung, wenn sich im Lüßwald Wolf und Hirsch gute Nacht sagen, führte Förster Einhorn die Klasse über dunkle Pfade, um den Rufen des Sperlingskauzes zu lauschen. Nach der Waldwoche sind sich die Nienburger einig, dass sie nächstes Mal gerne zwei Wochen bleiben würden. „Ganz besonders war für uns die Erfahrung, unseren eigenen Wald zu säen“, freut sich Schülerin Lyn Jensen, „wenn man bedenkt, dass wir damit im Lüßwald Spuren für über hundert Jahre hinterlassen haben.“

Schülerinnen schütteln Waldsamen aus Saatflaschen. 

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