Montag, 10. Juli 2017

„ … in jenem Winkel und Ende der Erde“

Ausstellungeröffnung im Museum Schloss Holdenstedt
FOLKERT FRELS / Text / Fotos
Die Station "Luther in der Kiste" erzählt die wechselvolle
Geschichte des Lutherdenkmals in Uelzen.
In einem Schreiben Martin Luthers an Heino von Gottschalk, den seinerzeitigen Abt des Klosters in Oldenstadt, soll der Satz gestanden haben, der zum Titel der am Sonntag eröffneten Ausstellung im Museum Schloss Holdenstedt wurde. Hier, am „Ende der Erde“, ging die Reformation – im Vergleich zu Lüneburg und anderen Städten – relativ unproblematisch vonstatten. 1527 – zehn Jahre nach der „Zeitenwende“ infolge der Veröffentlichung der 95 Thesen, mit denen Luther die Kirche reformieren wollte, wurde Probst Herbert von Have abgesetzt und zwei Jahre später erfolgte die Einsetzung des ersten Probstes des neuen Glaubens.
Wie aber lebten die Menschen im Zeitalter der Reformation? Um dies exemplarisch am Beispiel Uelzen aufzuzeigen, wird noch bis zum 31. Oktober im Schloss Holdenstedt die Ausstellung „ … in jenem Winkel und Ende der Erde“ gezeigt. Und womit hätte Erika Iwanow die Feierstunde zur Eröffnung besser einleiten können als mit dem Lied des Protestantismus „Ein feste Burg ist unser Gott“? Martin Luther selbst hat den Text dazu geschrieben und soll – da sind sich die Gelehrten nicht ganz einig – auch die Melodie dazu komponiert haben. Dass diese Veranstaltung im Rahmen „500 Jahre Reformation“ überhaupt stattfinden kann – so Museumsleiter Dr. Ulrich Brohm in seiner Begrüßung der geladenen Gäste im fast vollbesetzten Ovalen Saal des Schlosses – sei Anfang des Jahres noch nicht gesichert gewesen. Letztlich hätten sich jedoch genügend Institutionen, Sponsoren und private Leihgeber gefunden, die diese Ausstellung ermöglichten. Für die finanzielle Unterstützung dankte er besonders dem Lüneburgischen Landschaftsverband, der VGH-Stiftung, dem Ev.-Luth. Kirchenkreis Uelzen und der Hansestadt Uelzen.
Florian Moitje, Pastor an Uelzens Hauptkirche St. Marien, überbrachte die Grüße des Kirchenkreises Uelzen und betonte, wie immer man auch zu Luther stehe – seine Leistung, aber auch seine Schattenseiten seien nur im Verständnis der Zeit damals zu sehen. Diesem Verständnis für die Zeit damals dient diese Ausstellung in vier Räumen des Museums Schloss Holdenstedt. Brohm erläuterte, nach welchem Plan die einzelnen Exponate zusammengestellt und gezeigt werden. Ausdrücklich dankte er neben anderen den leihgebenden Archiven und Stadtarchäologien der Städte Uelzen und Lüneburg sowie einer Vielzahl an Museen und Privatpersonen, die Ausstellungsstücke zur Verfügung stellten.

Gebet- und Gesangbücher sowie Bilder zeugen von der Frömmigkeit der Zeit.
Einer Sommergrippe wegen fiel die Rede des Stadtarchäologen der Hansestadt Uelzen, Dr. Fred Mahler, recht kurz aus. Das Anliegen der Archäologie sei, den Blick von außen auf Ereignisse früherer Jahre zu richten - unter dem Aspekt der Reformation sei dies hier gelungen. Gegenstände des täglichen Lebens im 16. Jahrhundert änderten sich durch den Wechsel des Glaubens zwar nicht grundsätzlich, erführen jedoch teilweise eine Erweiterung.
Ausführliche Text-Tafeln geben den geschichtlichen Hintergrund der gezeigten Exponate wider und sind somit einer Erweiterung des Wissens darüber, wie sich die Reformation in Uelzen auswirkte gewiss dienlich, Es ist eine liebevoll gestaltete Reise in eine 500 Jahre zurück liegende Zeit, in der Herzog Ernst – später bekam er den Zusatz „der Bekenner“ - die Reformation in seinem Herrschaftsbereich nicht zuletzt auch aus wirtschaftlichem Interesse durchsetzte. Viele Schau-Stücke vermitteln einen Eindruck davon, wie der Einzelne, die Familie, die Bevölkerung in Stadt und Land damals lebten und arbeiteten. Speziell für Schulen bietet Dr. Ulrich Brohm daher auch museumspädagogische Führungen an.

Besucher der Ausstellungseröffnung beim Rundgang.

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