Mittwoch, 4. Oktober 2017

Kleine Schirmkiefern suchen neue Standorte

Thomas Dorschner möchte Schirmkiefern wie diese im Hardautal erhalten und vermehren.
CHRISTINE KOHNKE-LÖBERT / Text / Foto
Schon in jungen Jahren wunderte sich Thomas Dorschner über eine alte knorrige Kiefer, die versteckt im Hardautal zwischen Suderburg und Holxen steht. „Es ist ein besonderer Baum“, berichtete ihm eine Frau, die 1913 geboren wurde und die Gegend seit ihrer Jugendzeit bestens kennt. Ihr war es ein Herzensanliegen, dass diese schöne Schirmkiefer erhalten bleibt.
Viele Jahre später wurde der Wunsch dieser Frau zu einem kleinen Projekt. Befragungen in der Bevölkerung ergaben Hinweise, dass in der Vergangenheit viele Schirmkiefern zwischen den Feldern als „Schattenbäume“ genutzt wurden. Im Schatten der Schirmkiefer wurden an sonnigen Tagen die Arbeitspausen abgehalten und die mitgebrachten Getränke und Speisen kühl gelagert.
Im 19. Jahrhundert war die Lüneburger Heide eine offene, karge Landschaft, ein Mosaik aus Mooren, Gras- und Heideflächen sowie lichten Waldarealen. Aufgrund der Nutzung der Schirmkiefern als Regen- und Sonnenschutz sind einige der formenreichen Nadelbäume erhalten geblieben. Mitte der 1960er Jahre wurden wenige Bäume als Naturdenkmal unter Schutz gestellt. Heute stehen die „letzten ihrer Art“ in den Feldern und werden von großen Landmaschinen bedrängt. Dies war Grund genug für Thomas Dorschner, von zwei Schirmkiefern Zapfen zu ernten, um kleine Bäume nachzuziehen. Diese Kiefern sind die Nachkommen der Nadelbäume, die nach der Eiszeit das Norddeutsche Tiefland besiedelt haben und dann von Laubbäumen und noch später von den großen Heideflächen verdrängt wurden. Um die verödete Landschaft in der Lüneburger Heide aufzuforsten, wurde im 19. Jahrhundert überwiegend selektiertes Saatgut von forstgerechten Kiefern aus Osteuropa verwendet.
Für dem Ausbau und die Weiterentwicklung von trockenen Feldbiotopen möchte der NABU Uelzen neue Standorte für Schirmkiefern anlegen, die auch Biotop für Feldvögel, Insekten und Reptilien sind.
Gleichzeitig besteht die Möglichkeit,  private und betriebliche Grünflächen als neue Standorte zu nutzen. Im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit haben Thomas Dorschner, Bernhard Witte und Friederike Kohnke nun ein Informationsblatt erarbeitet, in dem der geschichtliche Hintergrund erklärt und für neue Standorte geworben wird.
In Zusammenarbeit mit dem Martinshof in Klein Bollensen und der Gärtnerei Kathrin Busse in Böddenstedt wurden aus den geernteten Kienäpfeln „Schattenbäume“ herangezogen, die einen neuen Standort suchen. „Bei der Recherche über die Kiefernbäume berichtete mir jemand, dass die Ackerflächen im Umfeld des heutigen Gewerbeparks Suderburg sehr trocken und sandig waren“, berichtet Thomas Dorschner. Deshalb hatte die Feldflur die Ortsbezeichnung „In den Föhren“. Dorschner möchte unter diesem Projekttitel nun neue Habitate für Schirmkiefern errichten.

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