Dienstag, 11. August 2020

Neuzugang im Handwerksmuseum

 Alte Buchdruckmaschine aus Uelzen zieht nach Suhlendorf um

Am 1. August 1926 gründete der Buchdruckermeister Hermann Meyer in Uelzen in der Rademacherstraße 9 eine Druckerei. Am 10. Februar 1995 sah sich Enkel Folkert Frels als Betreiber der Druckerei in dritter Generation gezwungen, den Handwerksbetrieb aufzugeben. Die kleine Druckerei war, wie so viele andere, von der technischen Entwicklung überholt worden. „Jeder hatte seinen eigenen Drucker auf dem Schreibtisch und brauchte nicht mehr den Drucker nebenan“, erinnert er sich mit Wehmut an den Tag der Betriebsaufgabe. Nun, ein Vierteljahrhundert später, zeichnet sich ab, dass es für eine der einst vier Heidelberger Buchdrucktiegel im Betrieb eine Zukunft geben wird. 

Die unter Druckern "Windmühle" genannte Druckmaschine. Auf der Plakette "110 Jahre Heidelberger Druckmaschinen" (rechts im Bild) ist "Gott gruss' die Kunst" zu lesen – so grüßten sich die Buchdrucker.
  Foto: Folkert Frels 

Unter den 24 Werk- und Arbeitsstätten auf dem Gelände des Handwerksmuseums Suhlendorf, in denen zahlreiche Handwerksberufe und ihre Entwicklung in den vergangenen hundert Jahren gezeigt und dokumentiert werden, befindet sich seit einiger Zeit auch eine Buchdruckerwerkstatt. Diese erhält nun von Folkert Frels den einen aus Nostalgie-Gründen behaltenen Heidelberger Tiegel, der irgendwann um 1963/64 als Neuteil in der Druckerei Meyer aufgestellt worden war, als Dauer-Leihgabe. Dazu ein komplettes, mit Schriften in unterschiedlichen Größen gefülltes Schriftregal und eine Papier-Schneidemaschine. 

Das Farbwerk der alten Druckmaschine. Foto: Folkert Frels

Das Museum wurde 1974 gegründet mit dem Schwerpunkt „Mühlenhandwerk“. So ganz weit weg ist der Bezug zu den Mühlen nicht – verdankt der Original Heidelberger Tiegel (OHT) seinen propellerförmigen Greifern doch den Spitznamen „Windmühle“. 1921 ging der Tiegel bei der damaligen Schnellpressenfabrik AG Heidelberg in Serie, wurde ab 1926 am Fließband gefertigt. Keine andere Druckmaschine hat den industriellen Buchdruck des 20. Jahrhunderts so geprägt wie dieser Tiegeldruckautomat. Ein besonderes Merkmal der Maschine ist das charakteristische Schnaufen der pneumatischen Sauger, mit denen der Bogen im Anleger angehoben wird, an die windmühlenartigen Greifer übergeben und nach dem Druckvorgang wieder abgelegt wird. Interessierte Besucherinnen und Besucher werden nach dem Wieder-Aufbau der Maschinen im Handwerksmuseum den Drucker Norbert Knoblauch daran arbeiten sehen können. Derzeit allerdings ist er noch damit beschäftigt, zusammen mit Sven Frels, dem Urenkel des einstigen Druckereigründers, den Tiegel und die Schneidemaschine zu zerlegen und für den Transport aufzubereiten.

Druckmaschine
Am Zerlegen der Druckmaschine für den Transport ins Handwerksmuseum beteiligten sich (von links): Norbert Knoblauch, Klaus Friedrich, Tiedeke Heilmann und (hockend) Sven Frels. Foto: Folkert Frels

Mit Folkert Frels, dem daran gelegen ist, die Tradition des Buchdrucks zu bewahren, freut sich Tiedeke Heilmann vom Museumsverein Suhlendorf darüber, dass das Handwerksmuseum mit dem rund 55 Jahre alten Buchdrucktiegel demnächst einen weiteren Anziehungspunkt haben wird – auch wenn diese Maschine vom Alter her nicht mit der über 200 Jahre alten Bockwindmühle "Auguste" mithalten kann, die, für ihr Alter erstaunlich munter, nach wie vor Korn zu Mehl verarbeitet. 

Montag, 10. August 2020

Kultur auf Rädern

Mit Chanson, Märchen und Tanz: Künstler machen auf dem Weg von München nach Sylt Station in Müden an der Örtze 

Not macht erfinderisch: Wenn das Publikum aufgrund der Coronavirus-Pandemie nicht – oder nur mit Beschränkungen – in die Theater, Konzertsäle und Kleinkunstbühnen kommen kann, dann kommen die Künstlerinnen und Künstler zum Publikum. Vom 4. August an fahren drei Künstlerinnen und Künstler und ein Kameramann mit dem Fahrrad in Süd-Nord-Richtung von München nach Sylt durch Deutschland und zeigen unterwegs auf verschiedenen Bühnen ein spannendes Programm voller Märchen, Musik und Tanz.

Am Freitag, 28. August, machen die Kulturreisenden um Kim Mira Meyer gegen 17 Uhr mit ihrem rund einstündigen Programm Station auf dem Winkelhof in Müden an der Örtze. Die Tänzer und Schauspieler möchten sich der allgemein spürbaren Unsicherheit mit Liedern, Texten, Tanz und viel Lebensfreude entgegenstellen. Im Zentrum der Aufführungen stehen Chansons der Sängerin Mira, deren neues Album „Fernweh“ im August erscheint. Die Lieder erzählen von Erlebnissen und Begegnungen auf ihrer Reise durch ferne Länder im vergangenen Jahr. Im Winkelhof in Müden wird das Programm von Thomas Matschoss, Schauspieler aus der Lüneburger Region, gelesen und unterstützt. Außerdem gibt es Tanz, Musik und hoffentlich viele spannende Begegnungen mit kulturhungrigen Menschen jeden Alters.


Die Aufführung steht ganz im Sinne von Spontanität und ungewöhnlichen Momenten: Wie und wo die Aufführung auf dem Winkelhof realisiert wird, hängt ganz vom Wetter und der Anzahl der Zuschauer ab. Um die Hygieneauflagen zu Zeiten von Corona erfüllen zu können, ist es zwingend erforderlich, unter Angabe von Namen, Adresse und Telefonnummer einen Platz vorab zu reservieren. Bei schönem Wetter oder leichtem Regen (Regenschirme mitbringen) wird draußen gespielt. Bei Dauerregen können nur die ersten 40 Personen eingelassen werden, da dann die Aufführung im Hofcafé stattfinden wird, ansonsten warten 60 Stühle auf Kulturhungrige.


Der Eintritt ist frei, jedoch freut sich das junge Schauspielerteam auf einen prall gefüllten Hut am Ende der Aufführung, Flaschengetränke können erworben werden. Parkplätze für Autos stehen im Dorf zur Verfügung, Radfahrende können auf dem Hof parken. Platzreservierungen (zwingend erforderlich) sind ab sofort unter Telefon 0176 36582430 oder mit E-Mail an kimmirameyer@icloud.de möglich. Weitere Informationen unter www.momentbuehne.com 



Donnerstag, 6. August 2020

Blühende Blumen, dicke Bohnen und Altmärker Braunkohl

Blick in den Hausgarten des Brümmerhofes

Jarek Kosiello kümmert sich seit vielen Jahren um den Garten des Brümmerhofes. Er könnte noch Helfer gebrauchen.
Foto: Christine Kohnke-Löbert
Gelb und orange leuchtende Ringelblumen setzen fröhliche Farbtupfer. Verspielt ranken sich die Blüten der Kapuzinerkresse aus dem Beet heraus und die zartlila Rose hat einen Ehrenplatz: Sie ist in der Mitte eines kleinen, zentral gelegenen Rondells gepflanzt und nimmt damit im Hausgarten des Brümmerhofes im Museumsdorf Hösseringen einen besonderen Platz ein. Doch Museumsmitarbeiter Jarek Kosiello, der sich seit vielen Jahren um die Gärten und Außenanlagen des Freilichtmuseums kümmert, hat eine andere, weit weniger spektakulär aussehende Pflanze im Blick: „Diesen Braunkohl ziehen wir schon seit mehr als 30 Jahren im Museumsgarten“, erzählt er und weist auf die großblättrigen, jetzt aber ein wenig zerrupft wirkenden Pflanzen. Und dieser Kohl ist tatsächlich etwas ganz Besonderes, denn es handelt sich um eine alte Sorte aus der Altmark, die mit ihrem Anbau im Museumsdorf bewahrt und ansonsten kaum noch kultiviert wird. Deshalb muss der Museumswart den Samen auch selbst ziehen. „Der Braunkohl, in der Lüneburger Heide auch Grünkohl genannt, ist zweijährig“, erzählt er. Erst im zweiten Jahr nach der Aussaat können die Samenkörner geerntet werden, was in diesem Jahr bereits geschehen sei. „Der Altmärker Braunkohl wird bis zu zwei Meter hoch“, erklärt Jarek Kosiello, heutige Sorten kämen da bei weitem nicht mit.

Nicht nur die Besucherinnen und Besucher des Museumsdorfes, sondern auch die Schmetterlinge freuen sich über die Blütenpracht im Garten des Brümmerhofes. Foto: Christine Kohnke-Löbert
Der Hausgarten des Brümmerhofes ist nach Vorbildern aus der Zeit um 1900 angelegt, damals wurden mit dem Aufkommen des Jugendstils auch in ländlichen Gärten symmetrische Formen modern. So ist er in einzelne Areale gegliedert, die von Buchsbaumhecken begrenzt werden. Doch diese machen dem Gärtner Sorgen, denn auch sie bleiben von der grassierenden Pilzkrankheit nicht verschont. Jarek Kosiello hat es durch starkes Zurückschneiden versucht und hier und da schlagen tatsächlich frische grüne Triebe aus. Nun muss abgewartet werden.

Die Kapuzinerkresse wuchert üppig, während die vom Pilz befallenen Buchsbaumhecken kümmern. 
Foto: Christine Kohnke-Löbert
Vorn im Garten sind die Kräuterbeete angelegt, denn auf ihre Küchenkräuter musste die Hausfrau ja schnell Zugriff haben. Basilikum, Thymian, Kresse und Koriander wechseln sich mit Bohnenkraut und Dill ab, bei den Mehrjährigen punkten Lavendel und Rosmarin. Poree, Sellerie, Spinat und Mangold werden ebenfalls angebaut, und hinter Radieschen und Steckzwiebeln leuchten Studentenblumen. Besonders interessant aber sind die „Dicken Bohnen“, denn diese können durch Knöllchenbakterien Stickstoff aus der Luft binden und damit den Boden aufwerten. „Bohnen gehören zu den Leguminosen und wurden wegen ihres hohen Proteingehaltes früher viel angebaut. Heute sieht man die Dicken Bohnen in der Heide nicht mehr oft“, weiß der Museumswart, der von Besucherinnen und Besuchern oft gefragt wird, was denn mit der Ernte passiere. Abgeerntet wird der Garten niemals ganz, denn es ist ja ein Schaugarten für die Museumsgäste. Doch den einen oder anderen Kohlkopf nehmen sich die Gartenhelfer mit. Einen solchen könnte Jarek Kosiello als Unterstützung gerade gut gebrauchen. „Ein lebendiger Garten muss täglich bewirtschaftet werden“, erzählt er, „da sind helfende Hände immer willkommen.“

Bohnen ranken zwischen den Blumenbeeten. Foto: Christine Kohnke-Löbert
Der Besitzer des Brümmerhofs war ein Heidebauer. Mehr über die Heide können die Besucherinnen und Besucher des Museumsdorfes nicht nur in der Dauerausstellung zu dem Thema erfahren, sondern auch bei der Heideführung am Freitag, 21. August. 
Das Museumsdorf Hösseringen hat dienstags bis sonntags von 10:30 Uhr bis 17:30 Uhr geöffnet. Das aktuelle Veranstaltungsprogramm ist auf der Internetseite www.museumsdorf-hoesseringen.de zu finden.

Dienstag, 28. Juli 2020

Raus in den Wald!

Ferienprogramm für Kinder im August

Raus in den Wald! Das ist das Motto der diesjährigen Waldtage im Waldpädagogikzentrum Ostheide im ehemaligen Forsthaus Siedenholz bei Unterlüß. Für interessierte Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren bietet Waldpädagogin Katrin Blumenbach an fünf Tagen im August ein halbtägiges Waldentdeckerprogramm an.

Im Wald gibt es viel zu entdecken.                                                               Foto: Niedersächsische Landesforsten

„Die Idee ist, Grundzüge der Ökologie des Waldes am Beispiel beliebter Tiere zu erforschen“, so Blumenbach zu ihrem Ferienprogramm. „Dabei kommen aber auch Bewegung im Wald, Spielen und gemeinsames Bauen von Waldhütten oder Fledermauskästen oder Schnitzen und Basteln nicht zu kurz.“ Die Waldentdeckertouren beginnen am 6. August mit dem Thema Fledermäuse, am 10. August geht es um Greifvögel und Eulen und am 14. August wird die Lebensweise von Dachs und Fuchs erforscht. Auf die Pirsch nach Reh und Hirsch kann man am 18. August gehen und am 25. August geht es um Insekten im Lebensraum Wald. Die Veranstaltungen finden in Zusammenarbeit mit dem Waldpädagogikzentrum Ostheide der Niedersächsischen Landesforsten statt. 

Katrin Blumenbach.
Foto: privat

Katrin Blumenbach ist zertifizierte Waldpädagogin aus Hermannsburg und seit neun Jahren für die Landesforsten aktiv. Sie wird bei den Veranstaltungen von Ralf Frommhagen unterstützt, der als Waldpädagoge seit zwei Jahren mit dem Waldpädagogikzentrum zusammenarbeitet.
„Wir können die Veranstaltungen in diesem Jahr kostenfrei anbieten, dank eines Förderprogrammes aus dem Kultusministeriums“, freut sich Katrin Blumenbach, die darauf hinweist, dass auch mehre Themen gebucht werden können.

INFO
Treffpunkt Waldpädagogikzentrum Ostheide, Siedenholz 1, 29345 Unterlüß
Dauer: von 9 bis 13 Uhr
Zielgruppe: Kinder der Klassenstufen 1–6 (6 bis 12 Jahre)
Teilnahme kostenlos. Trinkflasche und Frühstück sind mitzubringen
Notwendig ist zweckmäßige dem Wetter angepasste Kleidung und festes Schuhwerk
Anmeldung: Katrin Blumenbach, Telefon 05052/5429411 oder per Mail: info@wald-events.de

Mehr Forstpersonal gefordert

13 Millionen Kubikmeter Schadholz in Niedersachsens Wäldern 

Klimanotstand im Wald: Immer mehr heimische Bäume könnten Dürren, Stürmen und Schädlingen zum Opfer fallen – wenn nicht deutlich mehr für den klimagerechten Umbau der Wälder getan wird. Davor warnt die Gewerkschaft IG BAU und fordert zusätzliches Forstpersonal – besonders auch für die waldreiche Südheide. „Seit Jahren erleben wir einen besorgniserregenden Personalabbau im Forst. Zur Borkenkäferbekämpfung haben die niedersächsischen Landesforsten bislang lediglich einige befristete Förster eingesetzt. Qualifizierte Forstwirtstellen wollen sie weiterhin abbauen. Dem Ausmaß der Schäden wird mit diesen personalpolitischen Maßnahmen in keiner Weise Rechnung getragen“, kritisiert der Bezirksvorsitzende der IG BAU Nord-Ost-Niedersachsen, Dieter Großmann.

Dürre, Hitze und Stürme setzen dem Wald zu. Besonders stark geschädigt sind die nicht mehr zeitgemäßen Monokulturen. Die IG BAU fordert mehr Forstpersonal, um den klimagerechten Umbau heimischer Wälder voranzubringen. Foto: IG BAU

Nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums dürften in Niedersachsen 2018 bis 2020 insgesamt rund 13 Millionen Kubikmeter Schadholz anfallen. Extreme Wetterlagen und Schädlinge wie der Borkenkäfer werden demnach bis Jahresende eine Waldfläche von 26.300 Hektar vernichtet haben.
„Auch wenn zuletzt mehr Regen fiel als in den Vorjahren, bleibt die Lage für die Bäume dramatisch. Neben den besonders anfälligen Reinbeständen aus Fichten und Kiefern trifft es mittlerweile sogar die Buche“, so Großmann. Diese seit Jahrtausenden in Deutschland heimische Art leide zunehmend unter ausgetrockneten Böden und Pilzbefall. Um die Wälder für den Klimawandel zu wappnen, müssten weiter Mischwälder angelegt und klimabeständige Baumarten angepflanzt werden.
Bei solchen klimastabilen Wäldern gehe es darum, weiterhin den heimischen Rohstoff Holz zu produzieren, an dessen Pflege, Nutzung und Weiterverarbeitung viele Arbeitsplätze in der Region hängen „Der Waldumbau ist jedoch eine Mammutaufgabe, für die es viel mehr Förster und Forstwirte braucht als bislang. Betriebe sollten deshalb auch mehr ausbilden und Azubis übernehmen“, betont der Gewerkschafter.

Donnerstag, 16. Juli 2020

Traumjob für Arne Sengpiel

Der 45-jährige Lüneburger ist neuer Leiter des Forstamtes Unterlüß

Der bisherige Leiter des Forstamtes Unterlüß, Hans-Martin Hauskeller, ist als Abteilungsleiter für Wald und Umwelt in die Betriebsleitung der Niedersächsischen Landesforsten nach Braunschweig gewechselt. Zum 1. Juli hat sein Nachfolger, Arne Sengpiel (45) die Leitung des Forstamtes Unterlüß übernommen. Auch die beiden anderen Stellen in der Forstamtsleitung sind neu besetzt:
Georg Deeken (61), bisher Verwaltungsdezernent im Forstamt Unterlüß, wechselt auf den Posten des Betriebsdezernenten, den die bisherige Inhaberin Lena Maack mit ihrem Wechsel als neue Leiterin des Forstamtes Rotenburg freigemacht hat. Christina Wolgast (55) ist die Nachfolgerin von Georg Deeken als neue Verwaltungsdezernentin.

Das neue Leitungsteam im Forstam Unterlüß (von rechts): Arne Sengpiel, Georg Deeken und Christina Wolgast.
Foto: Knut Sierk / Niedersächsische Landesforsten
Arne Sengpiel wechselte aus der Betriebsleitung der Niedersächsischen Landesforsten in Braunschweig, wo er Controlling und Rechnungswesen verantwortete, ins Forstamt Unterlüß. Arne Sengpiel stammt aus einer Försterfamilie. Geboren in Südniedersachsen, wuchs er in Lüneburg auf, wo er bis heute mit seiner Familie lebt. Er studierte Forstwissenschaften in Göttingen und Schweden und beendete sein Studium mit dem Diplom in Freiburg. Nach seinem Referendariat bei den Niedersächsischen Landesforsten arbeitete er zunächst als freiberuflicher Forsteinrichter, als Holzeinkäufer für den japanischen Markt sowie als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Göttinger Institut für forstliche Arbeitswissenschaften. Seit 2010 ist er bei den Niedersächsischen Landesforsten angestellt. Nach Stationen in Wolfenbüttel und Braunschweig freut er sich jetzt auf seine neue Aufgabe als Forstamtsleiter im Forstamt Unterlüß: „Ich hatte bereits durch die berufliche Tätigkeit meines Vaters schon früh erste Kontakte ins Forstamt Unterlüß, später als Forsteinrichter war ich unter anderem für die Inventur und Planung der heute zum Forstamt gehörenden Revierförsterei Ringelah zuständig. Dass ich jetzt dieses mir schon in Teilen vertraute Forstamt leiten darf, ist ein Traum. Kaum ein anderes Forstamt der Niedersächsischen Landesforsten verfügt über eine solche waldbauliche Vielfalt und Mannigfaltigkeit an Aufgaben wie das Forstamt Unterlüß.“

Die Waldflächen des Forstamtes Unterlüß umfassen 18.500 Hektar, davon sind 7.250 Hektar Naturschutz- und Natura-2000-Gebiete. Sie verteilen sich auf acht Revierförstereien in den Landkreisen Celle, Gifhorn und Uelzen. Zudem betreibt das Forstamt einen modernen Maschinenbetrieb und ist als ein Standort des Waldpädagogikzentrums Ostheide ein wichtiger Ort für praktisch erlebbare Umweltbildung.  

Georg Deeken wechselt innerhalb des Forstamtes lediglich seinen Dienstposten; seit 2005 war er Büroleiter des Forstamtes Unterlüß, jetzt übernimmt er Aufgaben als Betriebsdezernent und stellvertretender Forstamtsleiter. Georg Deeken ist in Hankensbüttel aufgewachsen. Nach seinem Forstwirtschaftsstudium in Göttingen hat er verschiedene berufliche Stationen und Funktionen in unterschiedlichen Dienststellen u. a. in Knesebeck sowie dem Elm durchlaufen. Sein Interesse an der Forstpolitik und seine hohe soziale Kompetenz haben dazu geführt, dass er 15 Jahre lang dem Gesamtpersonalrat der Niedersächsischen Landesforsten angehörte. In dieser Funktion setzte er sich sehr für die Belange seiner Berufskollegen ein. Georg Deeken resümiert: „Durch die verschiedenen Funktionen konnte ich vielfältige Erfahrungen in den unterschiedlichsten Aufgabenbereichen bekommen, das hilft mir jetzt. Ich bin in Unterlüß nun schwerpunktmäßig für den Forst- und Jagdbetrieb zuständig. Das sind zwei Kernaufgaben, die im Wald zusammengehören. Ein standort- und klimaangepasster Waldumbau funktioniert nur, wenn wir auch angepasste Wildbestände im Blick haben“.

Christina Wolgast hat seit dem 1. Juni dieses Jahres die Aufgaben der Verwaltungsdezernentin im Forstamt Unterlüß inne. Die in Gartow beheimatete Expertin bringt für ihre neue Aufgabe viel Erfahrung mit. Nach ihrem Forstwirtschaftsstudium in Göttingen und dem anschließenden Vorbereitungsdienst war sie von 1991 bis 2004 in den ehemaligen Forstämtern Bleckede und Dannenberg tätig. Seit Gründung der Niedersächsischen Landesforsten im Jahr 2005 war sie in der Betriebsleitung in Braunschweig zunächst als Sachbearbeiterin im Controlling tätig, übernahm dann die Leitung der Internen Revision und leitete zuletzt das Sachgebiet Finanzmanagement. Christina Wolgast fasst zusammen: „Die Arbeit in der Betriebsleitung hat mir immer sehr viel Freude gemacht, aber ich wollte gerne zurück ins operative Geschäft eines Forstamtes. Ich freue mich über die besonderen Herausforderungen dieser neuen Aufgabe und über die Themenvielfalt. Mit der erfolgreichen Bewerbung bot sich mir außerdem die Gelegenheit einen etwas heimatnäheren Arbeitsplatz zu übernehmen. Zurzeit ist jeder Tag neu und spannend. Die größte Herausforderung werden die zahlreichen Grundstücksangelegenheiten sein. Aber erst einmal möchte ich das Forstamt kennenlernen, dazu möchte ich die jetzt anstehenden Planbereisungen nutzen, um mir einen Überblick über die Reviere zu verschaffen“. 

Freitag, 26. Juni 2020

Kleine Raupen, große Sorgen

Niedersächsische Landesforsten warnen vor dem Eichenprozessionsspinner im Bobenwald

Der Eichenprozessionsspinner breitet sich immer weiter aus. Das Insekt hat sich in den vergangenen 15 Jahren in vielen Bereichen in Niedersachsen stark in den Eichenwäldern vermehrt.
Der Eichenprozessionsspinner profitiert von den hohen Temperaturen der vergangenen Jahre und vermehrt sich weiter – auch, weil er kaum natürliche Gegenspieler hat. Insbesondere bei hohen Dichten und wenn die Raupen mehrere Jahre in Folge fressen, werden die Eichen stark geschwächt und können dann sogar absterben.

Die Raupen des Eichenprozessionsspinners leben gesellig. Auf Nahrungssuche wandern sie in Gruppen im "Gänsemarsch" oder wie bei einer Prozession hintereinander her. Die älteren Raupen ziehen sich tagsüber zur Häutung in Raupennester zurück. Diese sogenannten Gespinste können bis zu einem Meter lang werden. Sie sitzen am Stamm oder in Astgabelungen von Eichen. Foto: Niedersächsische Landesforsten
In den vergangenen Tagen sind auch im Bobenwald bei Ebstorf einige Nester dieser Raupen entdeckt worden. Das betroffene Waldstück Tannenworth wird von Waldbesuchern intensiv genutzt, auch viele Kinder spielen dort. Das Niedersächsische Forstamt Oerrel warnt jetzt vor den Raupen des Eichenprozessionsspinners,  da diese giftige Brennhaare besitzen, die bei empfindlichen Personen zu Hautrötungen und Atembeschwerden führen können. Auch Tiere (Hunde, Pferde) können stark betroffen sein, wenn sie mit Brennhaaren in Kontakt kommen.
 „Im Bobenwald ist der Eichenprozessionsspinner nun auch angekommen. Die jetzt erkannte Population ist allerdings noch sehr klein“ erklärt Forstamtsleiter Dr. Michael Habermann vom Niedersächsischen Forstamt Oerrel.
Der zuständige Förster Malte Dicke und das Forstamt wissen um die Vorkommen und bitten von weiteren Meldungen besorgter Bürger abzusehen. Auch Bürgermeister und Gemeinde sind bereits informiert. Im betroffenen Gebiet werden in Kürze entsprechende Warnschilder aufgestellt. Waldbesucher sollten den Kontakt mit den Raupen oder Nestern des Prozessionsspinners meiden, auf den Wegen bleiben und zu erkannten Nestern oder Raupenprozessionen unbedingt einen ausreichenden Sicherheitsabstand einhalten.
 „Anders als in Parks oder entlang von Straßen können wir die Nester und Raupen im Wald nicht vom Boden aus absaugen“ so Michael Habermann weiter. „Wir bitten alle Waldbesuchenden von den Raupen des Eichenprozessionsspinners respektvollen Abstand zu halten.“

Die feinen Brennhaare der Raupe enthalten ein Eiweißgift, das bei Menschen Hautrötungen und Atemnot auslösen kann. Foto: Niedersächsische Landesforsten