Donnerstag, 1. November 2018

Der Zeit weit voraus

Veronika Kranich stellt beim Montagstreff des Kunstvereins Uelzen die Malerin Paula Modersohn-Becker vor

FOLKERT FRELS
Beim nächsten Montagstreff des Kunstvereins Uelzen am Montag, 5. November, im Theaterkeller des Theaters an der Ilmenau spricht die Hamburger Kunstinterpretin Veronika Kranich über die norddeutsche Ausnahmekünstlerin Paula Modersohn-Becker, die nicht nur untrennbar mit der Künstlerkolonie in Worpswede verbunden ist, sondern auch zu den wenigen deutschen Künstlerinnen zählt, die es international zu großem Ansehen brachten. Dies noch dazu in einer Zeit, in der es für Frauen noch schwer war, überhaupt malen zu dürfen. Ihr Vater bestimmte für sie den Beruf der Lehrerin. Widerwillig absolvierte sie die Ausbildung als Preis dafür, sich nebenbei aktiv der Malerei widmen zu dürfen.
Paula Modersohn-Becker in einem Selbstbildnis vor grünem 
Hintergrund mit blauer Iris, um 1905, Öl auf Leinwand.
Foto: Wikipedia, gemeinfrei
1876  in Dresden in eine weltoffene, kulturell sehr interessierte und wohlhabende Familie hineingeboren, zog Paula Becker in jungen Jahren mit ihrer Familie nach Bremen und lernte die norddeutsche Landschaft kennen, die so prägend für die Worpsweder Kolonie werden sollte. Sie begann in Bremen mit dem Malen; ein längerer Aufenthalt in England im Alter von 16 Jahren ermöglichte ihr, dort ausführlichen Unterricht im Zeichnen zu erhalten.
1893 kam Paula anlässlich einer Ausstellung in Bremen das erste Mal mit den Werken der Worpsweder Künstler in Kontakt. 1896 zog sie nach Berlin zu Verwandten und widmete sich hier ausführlich ihrer künstlerischen Ausbildung an verschiedenen Malschulen. 1897 lernte sie Worpswede persönlich kennen und beschloss, dorthin zu ziehen. Eine Erbschaft brachte ihr die dafür nötige Unabhängigkeit. Die Künstler in Worpswede lehnten die Malerei der großen Akademien ab, die Paula aufgrund ihres Geschlechtes sowieso verwehrt geblieben waren. Sie wollten eine unverfälschte Darstellung der Natur erreichen und strebten einen ursprünglichen Zustand an. Paula erhielt Unterricht bei Fritz Mackensen und lernte ihren späteren Ehemann Otto Modersohn kennen. Ihre ersten ausgestellten Bilder fanden keinen Beifall. Zu Beginn des Jahres 1900 ging sie nach Paris, dem damaligen Sehnsuchtsort aller Maler. 1901 heiratete sie den verwitweten Otto Modersohn, der ihr Talent schon früh erkannt hatte, ihre künstlerische Laufbahn nach Kräften unterstützte und förderte, jedoch das verschlafene Worpswede pulsierenden Orten wie Paris vorzog. Paula aber fühlte sich in Worpswede bald eingeengt und ging 1903 wieder nach Paris. 1906 erwog sie sogar, sich von ihrem Mann zu trennen, kehrte jedoch ein Jahr später wieder zu ihm zurück. Nach der Geburt ihres einzigen Kindes im November 1907 starb sie mit nur 31 Jahren. Neben ihrem Mann war es der Künstlerkollege Heinrich Vogeler, der ihr Werk bewahrte und einem breiteren Publikum bekannt machte.
Mit ihren Werken war sie der Zeit weit voraus. Sie hinterließ Porträts, Selbstportraits, Landschaften, Bilder von Kindern und einer ungeschönten bäuerlichen Lebenswelt. Ihre roh erscheinende Pinselführung und der dicke Farbauftrag mit Öl-und Temperafarben waren ungewöhnlich für eine Frau. Zu Beginn war in Paulas Werk noch ein impressionistischer Einfluss zu erkennen, der aber immer mehr vom Expressionismus abgelöst wurde, von dem sie die Reduzierung der Gegenstände auf einfache Formen und die Festlegung der Formen durch dunkle Linien übernahm.
Die Werke Paula Modersohn-Beckers scheinen den Betrachter persönlich anzusprechen, vielleicht sind sie deshalb heute noch so beliebt. Zu Lebzeiten verkaufte sie nur fünf Bilder, heute, über 100 Jahre nach ihrem Tod, ist sie eine geachtete Künstlerin, die richtungsweisend war und der auch heute noch große Ausstellungen gewidmet werden.
Der Kunstverein und die Referentin würden sich über einen regen Besuch freuen. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr. Der Eintritt ist wie immer frei. Spenden für die Arbeit des Montagstreffs werden gern genommen.

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