Montag, 6. Mai 2019

Storch verunglückt – Gelege geborgen

Am Sonntagabend erreichte den Bereitschaftshabenden des NABU-Artenschutzzentrums, Joachim Neumann, ein Anruf der Polizei Peine, die wiederum von einem Bürger aus Wendeburg eine Meldung über einen schwer verletzten Weißstorch erhalten hatte. Nach telefonischer Rücksprache mit dem Finder machte sich der NABU-Mitarbeiter sofort auf den Weg, um dem verletzten Tier zur Hilfe zu kommen. Vor Ort bot sich jedoch ein erschreckendes Bild und schnell war klar, dass dem Storch nicht mehr geholfen werden konnte. Beide Beine waren offen gebrochen, zudem wies der Storch eine stark blutende Wunde am rechten Oberschenkel auf.

Dem schwer verletzten Storch konnte nicht mehr geholfen werden. Foto: Joachim Neumann
Für Joachim Neumann kommen aufgrund der Schwere der Verletzungen und dem Fundort des Tieres nicht viele Ursachen in Betracht: „Beinbrüche ziehen sich Störche hin und wieder bei Leitungsanflügen zu. In diesem Fall lag der Storch aber mitten im Ort in einer Grundstückseinfahrt abseits jeglicher Überlandleitungen, so dass davon auszugehen ist, dass der Storch auf der vorbeilaufenden Straße angefahren wurde“. Besonders verärgert ist Neumann über die Fundumstände: „Solche Unfälle sind natürlich immer tragisch. Fast ebenso schlimm finde ich aber, dass sich kein Unfallverursacher gemeldet hat und das schwer verletzte Tier sich selbst überlassen wurde“.
Da das Tier beringt war, wurde sofort der Weißstorchbetreuer für den Landkreis Peine informiert, um zu überprüfen, ob das verunglückte Tier einem besetzten Horst in der näheren Umgebung zugeordnet werden konnte. Dieses standardisierte Vorgehen erwies sich einmal mehr als vermutlich lebensrettend, denn anhand der Ringnummer konnte der Storch als Männchen des in Duttenstedt brütenden Paares identifiziert werden. Da ein Altvogel allein nicht in der Lage ist das Brut- und Aufzuchtgeschäft erfolgreich zu meistern, wurden die Eier folglich dem Nest entnommen und befinden sich nun im Brutkasten des NABU-Artenschutzzentrums in Leiferde. Für Joachim Neumann ist dies die beste Möglichkeit, die Situation noch halbwegs zu retten: „Das Ganze ist natürlich eine traurige Geschichte, aber wenn von nun an alles gut läuft, können wir etwa Mitte Mai mit Nachwuchs rechnen, der dann von uns aufgezogen und später ausgewildert wird“.

Die Storcheneier wurden in den Brutkasten des NABU-Artenschutzzentrums in Leiferde gebracht. Foto: Joachim Neumann

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