Dienstag, 14. April 2020

Neues Trittsteinbiotop an der Fuhse in Altencelle

Naturschutzmaßnahmen im Rahmen des Barben-Projektes der Aktion Fischotterschutz

Im Rahmen des Projektes „Artenvielfalt in der Aller – Neue Lebensräume für die Barbe“ hat die Aktion Fischotterschutz in der Fuhse im Süden der Stadt Celle mit Kies, Totholz und Baumpflanzungen neue Lebensräume für eine Vielzahl von Tierarten und Laichplätze für kiesliebende Fischarten wie zum Beispiel die Barbe geschaffen.

Der Einbau von Stammholz, Kies und Totholz schafft auf kleinem Raum eine Vielzahl wichtiger Lebensräume und erhöht die Tiefen- und Strömungsvielfalt. Fotos: Aktion Fischotterschutz e.V.
Wie so viele Fließgewässer im Einzugsgebiet der Aller wurde auch die Fuhse zu Gunsten der menschlichen Nutzung ausgebaut sowie begradigt und wird heute als erheblich verändertes Gewässer eingestuft. Seit einiger Zeit findet jedoch ein Umdenken statt, und an einigen Stellen werden natürliche Prozesse und die Ausbildung kleinräumiger, naturnaher Strukturen zugelassen. Bei Fischbestandserhebungen in der Fuhse konnten bereits junge Individuen der anspruchsvollen Fischart Barbe nachgewiesen werden. Trotz dieser positiven Nachweise wurde jedoch bei einer Gewässerkartierung festgestellt, dass der für die Fortpflanzung und das Überleben vieler Fischarten so wichtige Kiesanteil in der Gewässersohle und die Menge an Totholz im Gewässer unnatürlich gering sind. In enger Zusammenarbeit mit dem Unterhaltungsverband Fuhse-Aue-Erse und der Stadt Celle sowie mit Einwilligung der Gewässer- und Flächeneigentümer konnte nun auf einer Gewässerstrecke von über 120 Metern die Lebensraumvielfalt im und am Gewässer wieder verbessert und Kieslaichplätze für die Barbe und weitere in Niedersachsen gefährdete Fischarten geschaffen werden.
 An der Maßnahmenstrecke waren am westlichen Ufer große Teile alter Weiden abgebrochen. Sie lagen stellenweise im Gewässer und sollten entfernt werden. Wichtige Unterstände für die Fischfauna und Lebensräume für Gewässerlebewesen drohten verloren zu gehen. Nach Absprach mit der Stadt Celle und dem Unterhaltungsverbandes Fuhse-Aue-Erse war es möglich, Teile dieser Weiden als Raubaum im Gewässer zu verankern. Lenkbuhnen aus Stammholz helfen die weitere Entwicklung der entstandenen Strukturen wie Kolke und durchspülte Unterstände zu unterstützen. Mit insgesamt 117 Tonnen Kies wurden zusätzlich mehrere Kiesbänke angelegt. Fünf in der Böschung verankerte Stammhölzer lenken nun die Strömung auf die eingebauten Kiesbänke und verhindern zum einen, dass sich feine Sedimente auf den Kiesbetten ablegen, und zum anderen unterstützen sie eine natürliche PendeIbewegung des Gewässers. Natürliche Bedingungen eines mäandernden Flusses, wie Strömungs- und Tiefenvielfalt, werden dadurch nachgeahmt und es entsteht eine Vielzahl kleiner Lebensräume, die von Fischen, aber auch von Kleinlebewesen genutzt werden können. Die aus dem Weidenrückschnitt gewonnenen Raubäume wurden parallel zum Ufer verankert und bieten mit ihrem verzweigten Geäst Unterschlupf für Jung- und Kleinfische.   Um die Beschattung des Gewässers zu verbessern, wurde an mehreren Uferstellen die Grasnarbe entfernt, um eine natürliche Verbreitung von Gehölzen zu fördern. Ergänzt wurde die Gehölzentwicklung mit einer Initialpflanzung von neun Schwarzerlen. Der Einbau der Strukturen im Gewässer erfolgte im Niedrigwasserbereich und hat keinen Einfluss auf den ordnungsgemäßen Hochwasserabfluss.
 „Ursprünglich war die Umsetzung dieser Maßnahme bereits für den November 2019 geplant. Die andauernd hohen Wasserstände haben uns allerdings einen Strich durch diese Rechnung gemacht. Wir sind sehr froh, dass wir diese Maßnahme noch umsetzen konnten bevor im Frühjahr die laichenden Fischarten aus der Aller in die Nebengewässer aufsteigen“, berichtete Sören Brose, Fischereibiologe der Aktion Fischotterschutz. Auch Steffen Hipp, Verbandsingenieur des Unterhaltungsverbands Fuhse-Aue-Erse, zeigte sich zufrieden mit der abgeschlossenen Maßnahme: „Die Umsetzung dieser Revitalisierungsmaßnahme und die enge Kooperation mit der Aktion Fischotterschutz zeigen ganz deutlich, dass sich Gewässerunterhaltung und Naturschutz nicht ausschließen müssen. Mit einer vertrauensvollen Zusammenarbeit kann gemeinsam eine positive ökologische Gewässerentwicklung gefördert werden“.

Bei der Bauabnahme zeigten sich alle Beteiligten sehr zufrieden mit dem Ergebnis (von links):  Steffen Hipp vom Unterhaltungsverband Fuhse-Aue-Erse, Norman Rohrpasser und Markus Poensgen (beide von der Stadt Celle).
Ziel des Projekts „Artenvielfalt in der Aller – Neue Lebensräume für die Barbe“ ist es, durch die Verbesserung der Gewässerstrukturen neue Lebensräume für die selten gewordene Fischart Barbe im Einzugsgebiet der Aller zu entwickeln und die biologische Vielfalt insgesamt im Gewässer zu fördern. Die Naturschutzmaßnahmen erfolgen in Zusammenarbeit mit den lokalen Akteuren. Begleitet werden die Naturschutzmaßnahmen durch Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung mit dem Fluss-Fisch-Mobil, das im gesamten Projektgebiet im Einsatz ist. Hiermit sollen Menschen für die heimischen Fischarten und für die Bedeutung naturnaher Fließgewässer sensibilisiert werden. Das Barben-Projekt wird über das Bundesamt für Naturschutz im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt mit Mitteln des Bundesumweltministeriums und über das Land Niedersachsen bis zum Jahr 2024 gefördert.

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