Dienstag, 16. Juni 2020

Eine Torflore als "stilles Örtchen"

Aus dem Schweimker Moor ins Museumsdorf Hösseringen


Das Museumsdorf Hösseringen würde gerne den Torfabbau thematisieren. "Doch bislang mangelt es an Sammlungsgegenständen“, bedauert der Dokumentar des Museumsdorfes Marten Thomsen. Nun ist die Sammlung zur Geschichte des Torfabbaus um ein stattliches Exponat bereichert worden: Eine alte Lore, stehengeblieben aus Zeiten des Torfabbaus im Schweimker Moor, wurde vor einigen Tagen in das Museumsdepot transportiert, dazu die originalen Schienen, auf denen der kleine Transportwagen einst mit seiner wertvollen Fracht unterwegs war. 

Die zuletzt als Toilettenhäuschen genutzte Torflore hängt am Haken, bereit für den Abtransport
vom stillgelegten Torfwerk ins Museumsdorf Hösseringen.
Der Torfabbau im Schweimker Moor und im Lüderbruch hat eine lange Tradition. Noch nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges stachen die Einwohner der umliegenden Dörfer an den Randbereichen des Moores in Handarbeit Soden ab, die sie trockneten und auf den Höfen als Brennmaterial verwendeten. Im Jahr 1966 begann der industrielle Abbau in größerem Stil. Zunächst wurde der maschinell gestochene Torf zur Bodenverbesserung an Privatgärten geliefert, später entwickelte sich die Herstellung von gemischten Erden als Düngemittel für den gewerblichen Gartenbau.
In den 1980er-Jahren erwarben das Land Niedersachsen und der Landkreis Uelzen die Hochmoorregion, die seither renaturiert, also wieder vernässt, wird und seit 1989 unter Naturschutz steht.
Heute erinnert nur noch das 1993 stillgelegte Torfwerk an die Zeit des Torfabbaus. Eine Schautafel am Weg zum Aussichtsturm informiert über seine Geschichte. Nun wurden die letzten beiden Loren vom Gelände des Torfwerks geholt. Eine von beiden wird in der Gemeinde Lüder bleiben und an die Zeit der Torfabbau erinnern. Die andere Lore, die ins Museumsdorf gebracht worden ist, war in den letzten Jahren des Torfabbaus nicht mehr zum Torftransport genutzt worden, sondern war von den Torfarbeitern zum mobilen Toilettenhäuschen umfunktioniert worden. „Auch das Herzchen an der Tür fehlt nicht“, schmunzelt der Restaurator des Museumsdorfes, Philipp Ramünke.
Die Lore soll vorerst nicht ausgestellt werden, sondern im Museumsdepot aufbewahrt werden. "Wie es damit weitergeht, werden wir in Zukunft entscheiden“, so Marten Thomsen.

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