Freitag, 26. Juni 2020

Kleine Raupen, große Sorgen

Niedersächsische Landesforsten warnen vor dem Eichenprozessionsspinner im Bobenwald

Der Eichenprozessionsspinner breitet sich immer weiter aus. Das Insekt hat sich in den vergangenen 15 Jahren in vielen Bereichen in Niedersachsen stark in den Eichenwäldern vermehrt.
Der Eichenprozessionsspinner profitiert von den hohen Temperaturen der vergangenen Jahre und vermehrt sich weiter – auch, weil er kaum natürliche Gegenspieler hat. Insbesondere bei hohen Dichten und wenn die Raupen mehrere Jahre in Folge fressen, werden die Eichen stark geschwächt und können dann sogar absterben.

Die Raupen des Eichenprozessionsspinners leben gesellig. Auf Nahrungssuche wandern sie in Gruppen im "Gänsemarsch" oder wie bei einer Prozession hintereinander her. Die älteren Raupen ziehen sich tagsüber zur Häutung in Raupennester zurück. Diese sogenannten Gespinste können bis zu einem Meter lang werden. Sie sitzen am Stamm oder in Astgabelungen von Eichen. Foto: Niedersächsische Landesforsten
In den vergangenen Tagen sind auch im Bobenwald bei Ebstorf einige Nester dieser Raupen entdeckt worden. Das betroffene Waldstück Tannenworth wird von Waldbesuchern intensiv genutzt, auch viele Kinder spielen dort. Das Niedersächsische Forstamt Oerrel warnt jetzt vor den Raupen des Eichenprozessionsspinners,  da diese giftige Brennhaare besitzen, die bei empfindlichen Personen zu Hautrötungen und Atembeschwerden führen können. Auch Tiere (Hunde, Pferde) können stark betroffen sein, wenn sie mit Brennhaaren in Kontakt kommen.
 „Im Bobenwald ist der Eichenprozessionsspinner nun auch angekommen. Die jetzt erkannte Population ist allerdings noch sehr klein“ erklärt Forstamtsleiter Dr. Michael Habermann vom Niedersächsischen Forstamt Oerrel.
Der zuständige Förster Malte Dicke und das Forstamt wissen um die Vorkommen und bitten von weiteren Meldungen besorgter Bürger abzusehen. Auch Bürgermeister und Gemeinde sind bereits informiert. Im betroffenen Gebiet werden in Kürze entsprechende Warnschilder aufgestellt. Waldbesucher sollten den Kontakt mit den Raupen oder Nestern des Prozessionsspinners meiden, auf den Wegen bleiben und zu erkannten Nestern oder Raupenprozessionen unbedingt einen ausreichenden Sicherheitsabstand einhalten.
 „Anders als in Parks oder entlang von Straßen können wir die Nester und Raupen im Wald nicht vom Boden aus absaugen“ so Michael Habermann weiter. „Wir bitten alle Waldbesuchenden von den Raupen des Eichenprozessionsspinners respektvollen Abstand zu halten.“

Die feinen Brennhaare der Raupe enthalten ein Eiweißgift, das bei Menschen Hautrötungen und Atemnot auslösen kann. Foto: Niedersächsische Landesforsten 

Dienstag, 23. Juni 2020

Volksbegehren Artenvielfalt

Aktionsbündnis Celle sammelt ab sofort Unterschriften für mehr Artenschutz in Niedersachsen

„Ab sofort kann unterschreiben, wer Tier- und Pflanzenarten in Niedersachsen besser schützen will!“, sagt Andrea Pohlen von der Aktionsgruppe zum Volksbegehren aus dem Landkreis Celle. „Wir müssen jetzt handeln, um das Artensterben in Niedersachsen zu stoppen. Klimakrise und Artensterben machen keine Pause“, so Andrea Pohlen. „Die Hälfte von 11.000 Tier- und Pflanzenarten in Niedersachsen sind bedroht. Das Bienen- und Insektensterben ist dramatisch, es fehlt ihnen in unserer ausgeräumten Landschaft an ausreichend Lebensraum. Um die Artenvielfalt in Niedersachsen zu sichern, brauchen wir bessere gesetzliche Regelungen. Die legen wir mit dem Volksbegehren vor.“ Insgesamt braucht es rund 610.000 gültige Unterschriften für ein erfolgreiches Volksbegehren.

Der Kaisermantel (Argymnis paphia) ist noch recht häufig, aber die Artenvielfalt nicht nur bei den Schmetterlingen nimmt dramatisch ab.  Foto: W. Könecke / NABU
In den vergangenen Wochen seien bereits über 200.000 Unterschriftenbögen in Niedersachsen verschickt worden, und die Nachfrage sei ungebrochen groß.
Auch im Landkreis Celle gibt es einige feste Anlaufstellen, bei denen man unterschreiben und auch Listen erhalten kann. Hierzu zählen das "Kurzweil" in Hermannsburg, der Hofladen Hilke Kruse und der Schreibwarenladen Lüchau in Eschede, der Habighorster Saftladen in Habighorst, NABU Gut Sunder in Winsen/Meißendorf, das NABU Büro und das Grüne Büro in der Stadt Celle. Weitere Informationen hierzu sind auch unter Telefon 05141 2996284 erhältlich. Listen können auch direkt per Mail unter material@artenvielfalt-niedersachsen.jetzt bestellt werden, sie werden dann kostenlos zugeschickt.
Wichtig: Das Unterschreiben ist nur auf den Original-Unterschriftenbögen gültig. Online kann man nicht unterschreiben, auch Kopien sind nicht zugelassen. Pro Bogen sind nur Unterschriften aus der gleichen Gemeinde gültig. Das Abtrennen der Deckblätter macht die Unterschriften ungültig. 
Ausgefüllte Listen sind bei den jeweils zuständigen Einwohnermeldeämtern der Gemeinden abzugeben oder können direkt an das Volksbegehren geschickt werden (Volksbegehren Artenvielfalt.Jetzt!, Alleestr. 36, 30167 Hannover). Auch viele Ortsgruppen der Grünen oder des NABU nehmen die Listen entgegen.
Hintergrund: 
Als InitiatorInnen haben das Volksbegehren Artenvielfalt unterschrieben: Klaus Ahrens, Vizepräsident des Deutschen Berufs- und Erwerbs-Imkerbundes, Dr. Nick Büscher und Dr. Holger Buschmann vom NABU sowie Hans-Joachim Janßen und Anne Kura von den niedersächsischen GRÜNEN. Weitere über 130 Bündnispartner, darunter der BUND, der WWF, Die Linke, die ÖDP sowie Imkerverbände, Vereine und Unternehmen unterstützen das Volksbegehren. Aufgrund der coronabedingten Einschränkungen war der Start des Volksbegehrens im März zunächst verschoben worden. Unter Beachtung der coronabedingten Abstands- und Hygieneregeln sammelt das Bündnis jetzt seit Anfang Juni Unterschriften. Alle Informationen rund um das Volksbegehren gibt es auch online unter www.artenvielfalt-niedersachsen.jetzt

Freitag, 19. Juni 2020

Das neue Heft ist da

Pünktlich zum kalendarischen Sommeranfang erscheint am Sonnabend, 20. Juni, das neue Calluna-Heft. Alle Abonnentinnen und Abonnenten werden das Heft in den nächsten Tagen in ihren Briefkästen finden. Ebenfalls am Sonnabend beginnt die Verteilung der Hefte an die mehr als 350 Auslagestellen in der Südheide. Wenn Sie nicht warten möchten, können Sie hier das Heft direkt bestellen, gerne auch in größerer Stückzahl, um vielleicht Ihren Nachbarn damit eine kleine Freude zu machen. Der Versand erfolgt umgehend nach Bestelleingang per Post.

Möchten Sie das Südheide-Magazin ab dem aktuellen Heft regelmäßig alle drei Monate druckfrisch ins Haus geliefert bekommen? Schicken Sie uns einfach eine E-Mail mit der gewünschten Lieferadresse an abo(at)calluna-magazin.de. Das Abo kostet 10 Euro pro Jahr (4 Hefte). Die Mindestbezugsdauer beträgt ein Jahr. Danach können Sie das Abo jederzeit formlos zum Quartalsende kündigen. Sie haben schon ein Abo? Gut, aber vielleicht möchten Sie noch eins oder mehrere verschenken – als kleine Aufmerksamkeit zum Geburtstag oder einfach nur als Dankeschön.
Übrigens: Abonnentinnen und Abonnenten können bereits vor Erscheinen des gedruckten Heftes online über ihren Zugang zum CallunaPlus-Bereich darin blättern und lesen. 

Donnerstag, 18. Juni 2020

Jazz unter alten Eichen

Jahrmarkttheatersommer beginnt mit Konzert

Die Open Air-Theater Saison startet in Bostelwiebeck bei Altenmedingeng mit großer Musik im kleinen Dorf. Coronabedingt musste der Jahrmarkttheatersommers 2020 zwar etwas umgestaltet werden, dafür aber beginnt er früher als geplant. Am Freitag, 3. Juli, spielt von 19:30 Uhr an das Hans Anselm Quintetts aus Berlin auf dem Theaterhof. Die fünf Musiker*innen waren schon öfter beim Jahrmarkttheater zu Gast, aber vor dem abendlichen Himmel unter den alten Eichen haben Sie noch nie gespielt. Mit Klavier, Trompete, Schlagzeug, Bass und Gitarre präsentieren Sie ihren abwechslungsreichen Jazz, mal euphorisch energetisch, mal melancholisch dunkel oder zerbrechlich zart. Hochemotionale Musik mit Blick auf die langsam untergehende Sonne! Damit eröffnet das Jahrmarkttheater seinen ersten Theatersommer in Bostelwiebeck, bevor es dann mit den Proben zu “Das Gute-Jahrmarkttheater im Ausnahmezustand” weitergeht. Acht Schauspieler*innen und Musiker*innen feiern zusammen mit dem Publikum ab dem 30. Juli vier Abende lang das Gute in all seinen Erscheinungsformen.

Das Hans Anselm Quintett spielt in Bostelwiebeck. Foto: Bert Brüggemann
Der Eintritt für das Konzert ist frei, aber das Jahrmarkttheater stellt einen Hut für einen solidarischen Unterstützungsbeitrag für die Musiker*innen auf. Eine Anmeldung unter 05807 97 99 71 oder mit E-Mail an karten@jahrmarkttheater.de ist erforderlich.
 Selbstverständlich findet das Konzert unter den geltenden Hygiene- und Abstandsregeln statt. Bei schlechtem Wetter fällt es aus.

Mittwoch, 17. Juni 2020

Revitalisierung im Unterlauf der Wietze

Naturschutzmaßnahmen im Rahmen des Barben-Projektes
 
Die Aktion Fischotterschutz hat gemeinsam mit dem Unterhaltungsverband 46 Wietze (UHV Wietze), mit Unterstützung der Wintershall Dea Deutschland und des Zweckverbands Abfallwirtschaft Celle eine Maßnahme zur Erhöhung der Lebensraumvielfalt in der Wietze umgesetzt. Das geschah im Rahmen des Projektes Artenvielfalt in der Aller – Neue Lebensräume für die Barbe.

Es rauscht und strömt wieder an der Wietze. Der Einbau von Lenkbuhnen hat die Strömungs- und Tiefenvielfalt deutlich erhöht. Foto: Aktion Fischotterschutz e.V.

Einst floss die Wietze durch das produktivste Erdölfördergebiet Deutschlands. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte sich hier eine Industrie aus Bohrtürmen, Raffinerie, Bahnhof und Hafen, um das hier vorkommende Rohöl zu fördern, zu verarbeiten und abzutransportieren. Heute sind oberflächlich nur noch Spuren dieser Industrie zu finden. So ist es auch nicht verwunderlich, dass die Wietze in diesem Gebiet stark zu Gunsten der menschlichen Nutzung verändert wurde und sie sich in keinem natürlichen Zustand mehr befindet. Das stellenweise viel zu breite Profil des ausgebauten Gewässers führte dazu, dass die Wasserstände bei Niedrigwasser so gering waren, dass größere Fische die Wietze stellenweise nicht mehr passieren konnten. Hinzu kam, dass die Gewässersohle aus sehr feinem und mobilem Sand bestand. Dieser Treibsand überlagert wichtige Hartsubstrate wie Kies und Totholz, aber auch im Gewässer wachsende Pflanzen. Die Entstehung wichtiger Strukturen für Kleinlebewesen und Fische wurde dadurch stark reduziert.
Dennoch konnte im Unterlauf der Wietze in den vergangenen Jahren eine Vielzahl von Fischarten, darunter auch die anspruchsvolle Barbe, nachgewiesen werden. In Kooperation mit dem Unterhaltungsverband 46 „Wietze“ und in enger Zusammenarbeit mit der Wintershall Dea wurde mit Einwilligung der Gewässer- und Flächeneigentümer nun auf einer Gewässerstrecke von über 150 Metern die Lebensraumvielfalt und die für die Wanderung von Wasserorganismen so wichtige Durchgängigkeit im Unterlauf der Wietze verbessert.
Ziel der Maßnahme war es, durch den gezielten Einbau von Lenkbuhnen aus Stammhölzern, Kiesbänken und Wurzelstöcken das Gewässer stellenweise einzuengen, vertiefte Niedrigwasserrinnen zu schaffen und eine pendelnde Bewegung des Gewässers zu initiieren, welche zu der so wichtigen Strömungs- und Tiefenvielfalt eines natürlichen Flussverlaufes führt. Die so genannten Hartsubstrate, Kies und Totholz, dienen zusätzlich als Lebensraum für Kleinlebewesen und Jungfische. Eine etwa 50m² große Kiesbank bietet den aus der Aller aufsteigenden Kieslaichern wie Barbe, Bachforelle oder Neunauge ein gutes Laichhabitat. Durch die Genehmigung des Zweckverbands Abfallwirtschaft Celle konnte die Böschung durch Abtragungen an mehreren Stellen, leicht geöffnet werden. Der Fluss wurde an diesen Stellen quasi entfesselt und eine eigendynamische Entwicklung des Flussbettes ermöglicht. Insgesamt wurden 13 Baumstämme, 9 Wurzelstöcke, über 130 Tonnen Kies und elf Tonnen Stein in das Gewässer gebracht. Die Baumstämme wurden vom Niedersächsischen Forstamt Fuhrberg kostenlos zur Verfügung gestellt.
Um das gegenüberliegende Ufer vor Unterspülung zu schützen wurden aus den Kronen von Weiden sogenannte Faschinen gebunden, welche parallel zum Ufer mit Holzpfählen befestigt wurden. Das Geflecht aus Weidenzweigen vermindert nicht nur die Strömung am Ufer, sondern dient zusätzlich einer Vielzahl von aquatischen Organismen als Lebensraum. Eine Ölbarriere wurde vor Beginn der Baumaßnahme errichtet, um potenziell austretendes Öl aufzufangen. „Wir haben hier auf kleinem Raum eine Vielzahl von Habitaten geschaffen, die der Artenvielfalt in der Wietze zugutekommen werden. Die Flutrinnen, die jetzt auch bei Niedrigwasser gut durchströmt sein werden, sind für die Vernetzung der Aller mit ihrem Nebengewässer, der Wietze, unheimlich wichtig,“ merkte Sören Brose, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Aktion Fischotterschutz e.V., an.
Seitens Wintershall Dea Deutschland unterstützten Tim Müller, Anna Ruschitzka und Lutz Senning die Revitalisierungsmaßnahme: „Es freut uns, dass wir uns an dieser erfolgreichen Naturschutzmaßnahme beteiligen konnten. Damit haben wir einen natürlichen Lebensraum geschaffen, der hoffentlich schon bald von Flora und Fauna angenommen wird. Wir hoffen sehr, dass auch die Barbe wieder heimisch wird. Zum Schutz unserer Natur haben alle Beteiligten an einem Strang gezogen und ich möchte mich herzlich für die reibungslose ökologisch wertvolle Umgestaltung bedanken,“ so Senning.
Die Umsetzung eines etwa 50 Meter langen Teilstücks der Maßnahme wurde vom UHV Wietze finanziert.  Gerald Roloff, Geschäftsführer des UHV Wietze fügte hinzu: „Die Tatsache, dass das Maßnahmengebiet dem Bergrecht unterliegt und bei der Umsetzung tatsächlich mit der Freisetzung von Altlasten oder Rohöl gerechnet werden musste hat von allen Beteiligten auch viel Mut verlangt. Mit viel Engagement und guter Zusammenarbeit haben wir hier für die ökologische Entwicklung der Wietze und auch der Aller einen großen Schritt nach vorn gemacht.“

Trotz Maskenpflicht und Sicherheitsabstand konnten bei der Bauabnahme alle Beteiligten einen guten Eindruck von der gelungenen Maßnahme gewinnen. Foto: Aktion Fischotterschutz e.V.

Das Projekt Artenvielfalt in der Aller – Neue Lebensräume für die Barbe ist ein Naturschutzprojekt der Aktion Fischotterschutz e.V. Ziel des Projektes ist es, durch die Verbesserung der Gewässerstrukturen neue Lebensräume für die selten gewordene Fischart Barbe im Einzugsgebiet der Aller zu entwickeln und die biologische Vielfalt insgesamt im Gewässer zu fördern. Die Umsetzung der Naturschutzmaßnahmen erfolgt in Zusammenarbeit mit den lokalen Akteuren. Begleitet wird die Umsetzung der Naturschutzmaßnahmen durch Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung mit dem Fluss-Fisch-Mobil, das im gesamten Projektgebiet im Einsatz ist. Hiermit sollen Menschen für die heimischen Fischarten und für die Bedeutung naturnaher Fließgewässer sensibilisiert werden. Das Barben-Projekt wird über das Bundesamt für Naturschutz im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt mit Mitteln des Bundesumweltministeriums und des Landes Niedersachsen bis zum Jahr 2024 gefördert.

Dienstag, 16. Juni 2020

Eine Torflore als "stilles Örtchen"

Aus dem Schweimker Moor ins Museumsdorf Hösseringen


Das Museumsdorf Hösseringen würde gerne den Torfabbau thematisieren. "Doch bislang mangelt es an Sammlungsgegenständen“, bedauert der Dokumentar des Museumsdorfes Marten Thomsen. Nun ist die Sammlung zur Geschichte des Torfabbaus um ein stattliches Exponat bereichert worden: Eine alte Lore, stehengeblieben aus Zeiten des Torfabbaus im Schweimker Moor, wurde vor einigen Tagen in das Museumsdepot transportiert, dazu die originalen Schienen, auf denen der kleine Transportwagen einst mit seiner wertvollen Fracht unterwegs war. 

Die zuletzt als Toilettenhäuschen genutzte Torflore hängt am Haken, bereit für den Abtransport
vom stillgelegten Torfwerk ins Museumsdorf Hösseringen.
Der Torfabbau im Schweimker Moor und im Lüderbruch hat eine lange Tradition. Noch nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges stachen die Einwohner der umliegenden Dörfer an den Randbereichen des Moores in Handarbeit Soden ab, die sie trockneten und auf den Höfen als Brennmaterial verwendeten. Im Jahr 1966 begann der industrielle Abbau in größerem Stil. Zunächst wurde der maschinell gestochene Torf zur Bodenverbesserung an Privatgärten geliefert, später entwickelte sich die Herstellung von gemischten Erden als Düngemittel für den gewerblichen Gartenbau.
In den 1980er-Jahren erwarben das Land Niedersachsen und der Landkreis Uelzen die Hochmoorregion, die seither renaturiert, also wieder vernässt, wird und seit 1989 unter Naturschutz steht.
Heute erinnert nur noch das 1993 stillgelegte Torfwerk an die Zeit des Torfabbaus. Eine Schautafel am Weg zum Aussichtsturm informiert über seine Geschichte. Nun wurden die letzten beiden Loren vom Gelände des Torfwerks geholt. Eine von beiden wird in der Gemeinde Lüder bleiben und an die Zeit der Torfabbau erinnern. Die andere Lore, die ins Museumsdorf gebracht worden ist, war in den letzten Jahren des Torfabbaus nicht mehr zum Torftransport genutzt worden, sondern war von den Torfarbeitern zum mobilen Toilettenhäuschen umfunktioniert worden. „Auch das Herzchen an der Tür fehlt nicht“, schmunzelt der Restaurator des Museumsdorfes, Philipp Ramünke.
Die Lore soll vorerst nicht ausgestellt werden, sondern im Museumsdepot aufbewahrt werden. "Wie es damit weitergeht, werden wir in Zukunft entscheiden“, so Marten Thomsen.

Mittwoch, 6. Mai 2020

Verspäteter Saisonstart

Museumsdorf Hösseringen ab 9. Mai geöffnet

Ab Sonnabend, 9. Mai wird das Museumsdorf Hösseringen wieder für Besucher geöffnet sein. „Wir freuen uns, dass wir auch in dieser schwierigen Zeit wieder für unsere Gäste da sein dürfen“, sagte Museumsleiter Dr. Ulrich Brohm. Man habe Vorkehrungen getroffen, um die Besucher vor der Ansteckungsgefahr durch das Corona-Virus zu schützen. So wird das Begehen von drei kleinen Gebäuden nicht erlaubt sein. Aus diesem Grund wird der Eintrittspreis während dieser Zeit auf drei Euro reduziert. In den großen Gebäuden werden Rundgänge für die Besucher vorgegeben. Hier ist Mund-Nasen-Schutz Pflicht. Im Freigelände ist das Tragen von Mund-Nasen-Masken freigestellt, auf ausreichenden Abstand ist von jedem Besucher selbstständig zu achten.
Der für den 17. Mai geplante „Tag der Tiere“, der in diesem Jahr mit einem Markttag kombiniert werden sollte, fällt aus. „Großveranstaltungen sind nach wie vor nicht erlaubt und daran halten wir uns. Es ist für eine Kultureinrichtung wie das Museumsdorf eine schwere Entscheidung, den Besucherverkehr so stark einzugrenzen. Aber die Gesundheit ist selbstverständlich wichtiger“, so Brohm. Man richte sich auf eine reduzierte Saison ein, wolle jedoch das Beste daraus machen. „Wir richten unseren Blick nach vorne, die Arbeiten an den Gebäuden und im Freigelände gehen weiter. Auch die Sonderausstellung „Genug Wasser für die Landwirtschaft“ ist noch zu besichtigen.

Dienstag, 5. Mai 2020

Neuer Name, neues Konzept und dennoch der Tradition verpflichtet

Der Gifhorner Kreiskalender erscheint künftig im Calluna-Verlag


Um den Kreiskalender, das jährlich erscheinendes Heimatbuch, noch attraktiver zu machen und den Kreis der interessierten Leserinnen und Leser zu vergrößern, hat sich der Landkreis Gifhorn  entschlossen, künftig mit einem professionellen Partner zusammenzuarbeiten. Von der nächsten Ausgabe an wird der Kreiskalender unter dem Titel "1885" im Calluna-Verlag erscheinen. Der Landkreis Gifhorn bleibt Herausgeber.
Der Untertitel "Geschichten aus der Geschichte des Landkreises Gifhorn" macht deutlich, wohin die (Zeit-)Reise geht: Das Historische wird künftig den Themenschwerpunkt bilden.
Nachdem der ursprüngliche Zweck des Kreiskalenders, amtliche Bekanntmachungen, statistische Daten und Markttermine zu veröffentlichen und nebenbei mit Beiträgen zu gemischten Themen die Heimatliebe zu stärken und die Volksbildung zu heben, im Laufe der Zeit weitgehend weggefallen war, wurde der bisherige Titel bei Teilen des potenziellen Publikums missverstanden, sodass er seit 2017 den erklärenden Zusatz „Das Heimatbuch der Region“ trug. "Jetzt ist die Zeit reif, das Profil des Jahrbuchs weiter zu schärfen und eine solide Grundlage zu schaffen für eine gute Entwicklung in der Zukunft, ohne dabei mit der Tradition zu brechen", erklärte heute Inka Lykka Korth, die bei Calluna den Verlagsbereich betreut.
Der neue Titel „1885“ steht für das Jahr der Gründung der Landkreise Gifhorn und Isenhagen. Eine Zeitleiste auf dem Buchtitel weist weiter zurück in die Vergangenheit, reicht auf der anderen Seite aber auch bis in die Gegenwart. Der vertraute Name Kreiskalender rückt nach unten in den Fuß des Buchtitels, wo er deutlich macht, dass 2021 lückenlos an die bald 100-jährige Tradition der Heimatbücher angeknüpft wird.
Erhalten bleiben auch das Format und vorerst der für ein gebundenes Buch sehr günstige Preis von 10,90 Euro. Die Seitenzahl wird der neuen, gestrafften Konzeption entsprechend angepasst.
Wichtigste Voraussetzung für den Erfolg auch des neuen „Kreiskalenders“  bleibt die ehrenamtliche Tätigkeit der Autorinnen und Autoren. Die einzelnen Beiträge sollen großzügiger dargestellt werden, Bilder mehr Raum erhalten. Beiträge, die über die Tagespresse kommuniziert werden können, entfallen zugunsten der Fokussierung auf geschichtliche Themen, die aber gerne auch einen aktuellen Bezug haben dürfen.
Alle Autorinnen und Autoren, die sich in der Heimatforschung engagieren, sind aufgerufen,  ihre lesenswerten „Geschichten aus der Geschichte des Landkreises Gifhorn“ einzureichen, allerdings nicht mehr beim Landkreis, sondern direkt beim Calluna-Verlag,
Weitere Informationen gibt es auf der neuen Internetseite Gifhorn 1885.

Mittwoch, 15. April 2020

„Soodwippe“ auf dem Brümmerhof rekonstruiert

Vorrichtung erleichterte einst die tägliche Versorgung von Mensch und Vieh mit Brunnenwasser

Für den neuen Wipparm der "Soodwippe" wurde ein Baum vom Gelände des Museumsdorfes verwendet.
Foto: Museumsdorf Hösseringen
Direkt neben dem 1644 errichteten Haupthaus des Brümmerhofes steht ein Brunnen, der mit seinem langen „Wipparm“ immer wieder die Aufmerksamkeit der Museumsgäste erregt. „Brunnen heißt auf niederdeutsch ‚Sood‘, deshalb wird diese Vorrichtung auch ‚Soodwippe‘ genannt“, erläutert der Restaurator des Museumsdorfes Hösseringen, Philipp Ramünke. Der Brunnen führt kein Wasser, sondern dient der Veranschaulichung, welchen Stellenwert die schnelle Erreichbarkeit von Wasser früher für einen Haushalt hatte. Täglich wurden viele Eimer zur Versorgung des Viehs und für die Hauswirtschaft aus Brunnen dieser Art gehoben – eine schwere Arbeit. Als Arbeitserleichterung erfand man vor Jahrhunderten die „Brunnenwippe“: In der Gabelung eines senkrechten Pfostens dreht sich der Wippbalken aus einem behauenen Eichenstamm. An seinem dünneren Ende ist mittels eiserner Beschläge eine etwa drei Meter lange Stange befestigt, an der der Eimer in den Brunnen geführt und untergetaucht wird. Das dicke Ende des Wippbalkens dient als Gegengewicht beim Heraufziehen des vollen Eimers. Diese hilfreiche Vorrichtung wurde nun von Restaurator Philipp Ramünke wiederhergestellt. „Verwendet wurde ein Baum hier vom Museumsgelände“, so Ramünke. Dieser sei an Ort und Stelle geschält und geglättet worden.
Der freistehende obere Brunnenring diente als Schutz vor dem Hereinfallen (1639 ertrank der Hösseringer Bauer Karsten Wönnecken in seinem Brunnen).
Der Brunnenschacht des Brümmerhofes ist aus Obernkirchner Sandstein gehauen, dieses Baumaterial war teuer und gelangte m 17. und 18. Jahrhundert nur auf die Höfe größerer Bauern – oft als Hochzeitsgeschenk. Die üblichere Konstruktion des Brunnenschachtes bestand aus Feldsteinen, den oberen Schutz gewährleistete ein hölzerner Verschlag.
Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die Brunnen auch aus Backsteinen oder Betonröhren errichtet, in dieser Zeit kamen auch Pumpen auf, die das Wasser ins Haus transportierten und das „Wasserschleppen“ der Frauen reduzierten. Die „Soodwippe“ wurde überflüssig.

Diese alte Fotografie zeigt einen Ziehbrunnen in Benutzung, vermutlich in Schmarbeck.
Quelle: Andreas Vonderach: "Landleben in der Heide, Volkskundliche Fotografien von Wilhelm Carl-Mardorf", Boyens Verlag 2005

Dienstag, 14. April 2020

Neues Trittsteinbiotop an der Fuhse in Altencelle

Naturschutzmaßnahmen im Rahmen des Barben-Projektes der Aktion Fischotterschutz

Im Rahmen des Projektes „Artenvielfalt in der Aller – Neue Lebensräume für die Barbe“ hat die Aktion Fischotterschutz in der Fuhse im Süden der Stadt Celle mit Kies, Totholz und Baumpflanzungen neue Lebensräume für eine Vielzahl von Tierarten und Laichplätze für kiesliebende Fischarten wie zum Beispiel die Barbe geschaffen.

Der Einbau von Stammholz, Kies und Totholz schafft auf kleinem Raum eine Vielzahl wichtiger Lebensräume und erhöht die Tiefen- und Strömungsvielfalt. Fotos: Aktion Fischotterschutz e.V.
Wie so viele Fließgewässer im Einzugsgebiet der Aller wurde auch die Fuhse zu Gunsten der menschlichen Nutzung ausgebaut sowie begradigt und wird heute als erheblich verändertes Gewässer eingestuft. Seit einiger Zeit findet jedoch ein Umdenken statt, und an einigen Stellen werden natürliche Prozesse und die Ausbildung kleinräumiger, naturnaher Strukturen zugelassen. Bei Fischbestandserhebungen in der Fuhse konnten bereits junge Individuen der anspruchsvollen Fischart Barbe nachgewiesen werden. Trotz dieser positiven Nachweise wurde jedoch bei einer Gewässerkartierung festgestellt, dass der für die Fortpflanzung und das Überleben vieler Fischarten so wichtige Kiesanteil in der Gewässersohle und die Menge an Totholz im Gewässer unnatürlich gering sind. In enger Zusammenarbeit mit dem Unterhaltungsverband Fuhse-Aue-Erse und der Stadt Celle sowie mit Einwilligung der Gewässer- und Flächeneigentümer konnte nun auf einer Gewässerstrecke von über 120 Metern die Lebensraumvielfalt im und am Gewässer wieder verbessert und Kieslaichplätze für die Barbe und weitere in Niedersachsen gefährdete Fischarten geschaffen werden.
 An der Maßnahmenstrecke waren am westlichen Ufer große Teile alter Weiden abgebrochen. Sie lagen stellenweise im Gewässer und sollten entfernt werden. Wichtige Unterstände für die Fischfauna und Lebensräume für Gewässerlebewesen drohten verloren zu gehen. Nach Absprach mit der Stadt Celle und dem Unterhaltungsverbandes Fuhse-Aue-Erse war es möglich, Teile dieser Weiden als Raubaum im Gewässer zu verankern. Lenkbuhnen aus Stammholz helfen die weitere Entwicklung der entstandenen Strukturen wie Kolke und durchspülte Unterstände zu unterstützen. Mit insgesamt 117 Tonnen Kies wurden zusätzlich mehrere Kiesbänke angelegt. Fünf in der Böschung verankerte Stammhölzer lenken nun die Strömung auf die eingebauten Kiesbänke und verhindern zum einen, dass sich feine Sedimente auf den Kiesbetten ablegen, und zum anderen unterstützen sie eine natürliche PendeIbewegung des Gewässers. Natürliche Bedingungen eines mäandernden Flusses, wie Strömungs- und Tiefenvielfalt, werden dadurch nachgeahmt und es entsteht eine Vielzahl kleiner Lebensräume, die von Fischen, aber auch von Kleinlebewesen genutzt werden können. Die aus dem Weidenrückschnitt gewonnenen Raubäume wurden parallel zum Ufer verankert und bieten mit ihrem verzweigten Geäst Unterschlupf für Jung- und Kleinfische.   Um die Beschattung des Gewässers zu verbessern, wurde an mehreren Uferstellen die Grasnarbe entfernt, um eine natürliche Verbreitung von Gehölzen zu fördern. Ergänzt wurde die Gehölzentwicklung mit einer Initialpflanzung von neun Schwarzerlen. Der Einbau der Strukturen im Gewässer erfolgte im Niedrigwasserbereich und hat keinen Einfluss auf den ordnungsgemäßen Hochwasserabfluss.
 „Ursprünglich war die Umsetzung dieser Maßnahme bereits für den November 2019 geplant. Die andauernd hohen Wasserstände haben uns allerdings einen Strich durch diese Rechnung gemacht. Wir sind sehr froh, dass wir diese Maßnahme noch umsetzen konnten bevor im Frühjahr die laichenden Fischarten aus der Aller in die Nebengewässer aufsteigen“, berichtete Sören Brose, Fischereibiologe der Aktion Fischotterschutz. Auch Steffen Hipp, Verbandsingenieur des Unterhaltungsverbands Fuhse-Aue-Erse, zeigte sich zufrieden mit der abgeschlossenen Maßnahme: „Die Umsetzung dieser Revitalisierungsmaßnahme und die enge Kooperation mit der Aktion Fischotterschutz zeigen ganz deutlich, dass sich Gewässerunterhaltung und Naturschutz nicht ausschließen müssen. Mit einer vertrauensvollen Zusammenarbeit kann gemeinsam eine positive ökologische Gewässerentwicklung gefördert werden“.

Bei der Bauabnahme zeigten sich alle Beteiligten sehr zufrieden mit dem Ergebnis (von links):  Steffen Hipp vom Unterhaltungsverband Fuhse-Aue-Erse, Norman Rohrpasser und Markus Poensgen (beide von der Stadt Celle).
Ziel des Projekts „Artenvielfalt in der Aller – Neue Lebensräume für die Barbe“ ist es, durch die Verbesserung der Gewässerstrukturen neue Lebensräume für die selten gewordene Fischart Barbe im Einzugsgebiet der Aller zu entwickeln und die biologische Vielfalt insgesamt im Gewässer zu fördern. Die Naturschutzmaßnahmen erfolgen in Zusammenarbeit mit den lokalen Akteuren. Begleitet werden die Naturschutzmaßnahmen durch Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung mit dem Fluss-Fisch-Mobil, das im gesamten Projektgebiet im Einsatz ist. Hiermit sollen Menschen für die heimischen Fischarten und für die Bedeutung naturnaher Fließgewässer sensibilisiert werden. Das Barben-Projekt wird über das Bundesamt für Naturschutz im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt mit Mitteln des Bundesumweltministeriums und über das Land Niedersachsen bis zum Jahr 2024 gefördert.

Mittwoch, 25. März 2020

Bäume pflanzen mit dem Bagger

Forstamt Unterlüß bringt neue Waldgeneration in die Erde


In der diesjährigen Pflanzsaison erprobt das Forstamt Unterlüß ein neues Pflanzverfahren. Ein Bagger mit speziellem Pflanzspaten unterstützt die Pflanzung der schon recht großen Jungpflanzen. Gepflanzt werden hier Stieleichen mit 0,8 bis 1,2 Meter Größe.

Mit Hilfe eines Baggers werden junge Stieleichen gepflanzt.                                                                      Foto: Niedersäschische Landesforsten
Diese sogenannte Eichenbagger-Pflanzung erfolgte jetzt im Forstort Papenberg im Bereich der Revierförsterei Dalle. Auf einer Fläche von 0,5 Hektar wurden 2.700 Eichen mit Hilfe eines Sechs-Tonnen-Baggers gepflanzt.  Dieses Verfahren bietet sich für Jungpflanzen mit üppigem Wurzelsystem und ab einer Größe von 80 Zentimeter an. Der Bagger sticht mit dem speziellen Anbau-Pflanzspaten in den Boden ein, öffnet damit das Pflanzloch und ein Pflanzer schwingt die Pflanze in das geöffnete Loch, welches der Bagger dann sofort durch leichtes Andrücken schließt. Entscheidend für die Wahl dieses Pflanzverfahrens ist, dass die Wurzeln nicht beschnitten werden müssen, was bei diesen Pflanzen bei einer Handpflanzung nötig gewesen wäre. Die Pfahlwurzel der Stieleiche bleibt so erhalten. Dadurch wachsen die Pflanzen besser an, können sich schneller entwickeln und das Wurzelsystem sorgt für eine dauerhafte Standfestigkeit der Bäume. Der stabile Wald von Morgen entsteht.
Insgesamt entwickelten die Landesforsten in den vergangenen Jahren im Forstort Papenberg den Wald auf einer Fläche von 6 Hektar Größe von einem Nadelmisch- zu einem Laubmischwald – die Försterinnen und Förster sprechen hierbei vom „Waldumbau“. Dazu ernteten sie in den vergangenen Jahren Kiefern und Fichten schufen so Platz für die Pflanzung von etwa 48.000 Eichen. Einige Waldinnenränder sind mit der heimischen Eibe und Wildobstgehölzen bepflanzt worden. Dadurch entstehen künftig wichtige Lebensräume für viele Tier- und Pflanzenarten. Neben der Stieleiche, dem Wildapfel und der Eibe werden sich künftig noch weitere Baumarten auf diesen Flächen natürlich ansamen und so die Artenvielfalt weiter erhöhen. Einige alte Kiefern verbleiben als Schattenspender für die jungen Pflanzen und als sogenannte Habitatbäume, damit zahlreiche Tierarten in diesen alten Bäumen noch dauerhaft Unterschlupf finden.


Pflanzer und Baggerfahrer müssen eng zusammenarbeiten.                                                                                Foto: Jonas Haber

Aus der Historie des Waldortes Papenberg geht hervor, dass es sich hier früher um einen geschlossenen Eichenwald handelte. Dieser erfreute sich großer Beliebtheit bei den Bauern der angrenzenden Dörfer. Die Bauern trieben ihre Schweine in die Waldungen des Papenberges, damit diese die fettreichen und günstigen Eicheln fressen konnten. Da aber alle umliegenden Dörfer die Eichelmast für sich haben wollten, gab es zum Teil schwere Auseinandersetzungen unter den Bauern, aus Überlieferung sogar mit tödlichem Ausgang.
Vor etwa 140 Jahren wurden die Eichen genutzt und durch Kiefern und Fichten abgelöst. Diese Bäume, besonders die Fichte, konnten aber auf dem nassen und steinigen Boden nicht ideal wachsen. Hinzu kam der Klimawandel, häufige Stürme und die Problematik mit dem Borkenkäfer. Durch diese Ereignisse war der Wald zunehmend verlichtet und nicht mehr stabil. Die Umwandlung zurück in standort- und klimaangepasste Eichenmischwälder ist daher heute eine logische Konsequenz.
Aufgrund des Klimawandels und der daraus resultierenden Schäden am Wald sind landesweit viele Freiflächen in den Wäldern entstanden. Besonders der Harz und der Solling sind davon betroffen. Die Niedersächsischen Landesforsten haben Schwerpunkte gebildet um die besonders vom Borkenkäfer und Windwurf betroffenen Gebiete schnell wieder aufzuforsten. Im Forstamt Unterlüß werden daher in diesem Jahr nur 110.000 junge Bäume gepflanzt. In normalen Jahren werden hier durchschnittlich 320.000 Pflanzen in die Erde gebracht.
In den Niedersächsischen Landesforsten werden insgesamt bis Ostern circa 4,5 Mio. Bäume gepflanzt, damit auf den geschädigten Waldflächen ein stabiler, standort- und klimaangepasster Wald von morgen heranwachsen kann.

Bepflanzte Eichenfläche im Forstort Papenberg.                                                                         Foto: Niedersächsische Landesforsten

Oma Sanne schnackt am Fenster

Die Corona-Krise hat alle Bereiche unserer Gesellschaft fest im Griff. Auch das kulturelle Leben ist betroffen: Konzerte, Feiern und Theatervorstellungen müssen abgesagt werden. Kultur findet in diesen Zeiten nur noch digital statt. Auch das Jahrmarkttheater in Bostelwiebeck bei Altenmedingen hat sich etwas ausgedacht und seine Kultfigur, die hundertjährige Oma Sanne aus Torfbostel, gebeten, den Kontakt mit dem Publikum aufrecht zu halten. So schnackt Oma Sanne seit einigen Tagen jeden Morgen nach dem Frühstück in kurzen Videos gleichzeitig unterhaltsam und nachdenklich zu Themen, die uns alle betreffen. Warum braucht man gerade jetzt Disziplin? Wie macht man frische Nudeln? Was macht man mit der vielen Zeit Zuhause? Warum hilft Stricken bei sozialer Isolation?

Oma Sanne schnackt während der Coronakrise nicht auf der Bühne, sondern am Fenster. Foto: Anja Imig
„Fenster – Oma Sanne macht auf“ gibt es immer morgens nach dem Frühstück auf Facebook, Instagram, und der Website des Jahrmarkttheaters unter www.jahrmarkttheater.de/Stücke/Aktuell.
Nichtsdestotrotz hat das Ensemble des Jahrmarkttheaters Sehnsucht nach dem realen Publikum, nach dem direkten Austausch, dem Geschichtenerzählen und dem Spielen! Theater ist live und unmittelbar, einen dauerhaften Umzug in den digitalen Raum können und wollen sich Anja Imig, Andrea Hingst und Thomas Matschoß nicht vorstellen. Also bereiten sie sich auf eine – wann auch immer beginnende – „Nach-Corona-Zeit“ vor. Die realen Türen des Jahrmarkttheaters werden sich wieder öffnen! Nach der aktuzellen Planung feiert „Das Haus“ am 30. Juli Premiere und eröffnet damit zum ersten Mal die Open Air-Theatersaison in Bostelwiebeck. Dafür können unter Telefon 05807 979971 oder E-Mail karten@jahrmarkttheater.de Gutscheine erworben werden, die für den Fall der Fälle auch über den Sommer 2020 hinaus ihre Gültigkeit behalten.

Donnerstag, 19. März 2020

Das neue Heft ist da

Pünktlich zum Frühlinganfang erscheint am Freitag, 20. März, das neue Calluna-Heft. Alle Abonnentinnen und Abonnenten werden das Heft in den nächsten Tagen in ihren Briefkästen finden.
Ebenfalls am Freitag beginnt die Verteilung der Hefte an die mehr als 350 Auslagestellen in der Südheide.
Da allerdings aufgrund der Verordnung zum Schutz vor dem Coronavirus viele Geschäfte, Gaststätten und touristische Einrichtungen vorübergehend geschlossen sind, wird das Heft vielerorts leider erst dann zum Mitnehmen ausliegen, wenn die Auslagestellen wieder geöffnet sind, also voraussichtlich erst in der Woche nach Ostern.
Wenn Sie nicht so lange warten möchten, können Sie hier das Heft direkt bestellen, gerne auch in größerer Stückzahl, um vielleicht Ihren Nachbarn damit eine kleine Freude zu machen. Der Versand erfolgt ab Freitag, 20. März, umgehend nach Bestelleingang per Post.
Wenn Sie das Südheide-Magazin ab dem aktuellen Heft regelmäßig alle drei Monate druckfrisch ins Haus geliefert bekommen möchten, schicken Sie uns einfach eine E-Mail mit  der gewünschten Lieferadresse an abo(at)calluna-magazin.de. Das Abo kostet 10 Euro pro Jahr (4 Hefte). Die Mindestbezugsdauer beträgt ein Jahr. Danach können Sie das Abo jederzeit formlos zum Quartalsende kündigen. Sie haben schon ein Abo? Gut, aber vielleicht möchten Sie noch eins oder mehrere verschenken – als kleine Aufmerksamkeit zum Geburtstag oder einfach nur als Dankeschön.
Übrigens: Abonnentinnen und Abonnenten können bereits vor Erscheinen des gedruckten Heftes online über ihren Zugang zum CallunaPlus-Bereich darin blättern und lesen. 



Mittwoch, 18. März 2020

Band Contest "Plattsounds" – jetzt bewerben!

Besondere Klänge zu einem besonderen Jubiläum: Bereits zum zehnten Mal findet am 21. November 2020 der von den Landschaften und Landschaftsverbänden in Niedersachsen organisierte plattdeutsche Band Contest "Plattsounds" statt, für den sich Bands und Einzelmusiker ab jetzt bewerben können. Gesucht werden junge Musiker aus Niedersachsen, die Songs aus Genres wie Rock, Pop, Hip Hop, Urban, Electro, Punk, Reggae, Metal oder SingerSongwriter in der beliebten Sprache Platt performen wollen. Beim Finale im Kulturzentrum "Alte Polizei" in Stadthagen treten zehn Finalisten auf und zeigen, wie gut Plattdeutsch und moderne Musik zusammenpassen. „Wir freuen uns auf viele Bewerbungen für die Jubiläumsausgabe von Plattsounds aus unserer Region“, sagt Anne Denecke, Geschäftsführerin des Lüneburgischen Landschaftsverbandes.


„Der Plattsounds Bandcontest ist eine unglaubliche Erfolgsgeschichte“, meint Stefan Meyer, Plattdeutsch-Referent bei der Oldenburgischen Landschaft. „Zum Projektstart wussten wir nicht, ob Jugendliche Lust haben, Musik auf Platt zu machen – zehn Jahre später sind fast 200 neue und moderne Songs in der Sprache entstanden. Das ist eine große Bereicherung für die plattdeutsche Kulturszene und zeigt, wie beliebt Plattdeutsch bei Jugendlichen ist.“
Von Aurich bis Wolfenbüttel, von Celle bis Vechta – seit dem Start von Plattsounds im Jahr 2011 standen rund 90 junge Bands aus 40 kleinen und großen Orten in ganz Niedersachsen an den Final-Abenden auf der Bühne, Hunderte wollten mitmachen und haben sich beworben. Teenager und Twens aus plattdeutschen Hochburgen wie Ostfriesland oder Oldenburg, aber auch aus Regionen, in denen gar kein Platt gesprochen wird, wollten sich an der Spra- che versuchen. „Auf Plattdeutsch zu singen ist einfach genial – wir werden den Song in Zu- kunft wohl weiterhin auf Platt performen!“, sagen die Punk-Rocker von Captain Karacho aus Hannover. Selbst die Jüngsten sind begeistert vom Contest – und streben eine Wiederholung an: „Die anderen Bands und die Stimmung waren wirklich toll, wir würden uns also freuen, wieder dabei zu sein!“, sagt die 15-jährige Julia Giampietro, die 2019 mit ihrer Schwester Gina auf den dritten Platz kam.
Wer teilnehmen will, muss nicht unbedingt Plattdeutsch können. Das Plattsounds-Team fertigt, wenn gewünscht, Übersetzungen für die Bewerber an und unterstützt auch mit der Aussprache. Bis zum 30. September können sich Bands und Solokünstler im Alter zwischen 15 und 30 Jahren auf www.plattsounds.de bewerben. Die Bewerbung kann zunächst auch mit einem anderssprachigen Lied erfolgen. Im Finale kann jedoch nur auftreten, wer einen Song mit plattdeutschem Text auf die Bühne bringt. Etwa zehn Finalisten werden am 21. November im Stadthagener Kulturzentrum "Alte Polizei" mit jeweils einem plattdeutschen Song antreten und um Preisgelder in Höhe von 1000, 600 und 300 Euro spielen. Moderiert wird die Show von der Sängerin und Schauspielerin Annie Heger.
Plattsounds ist ein Kooperationsprojekt von acht Landschaften und Landschaftsverbänden aus Niedersachsen, die den Wettbewerb im Rahmen der Kampagne „Platt is cool“ umsetzen.      

Freitag, 21. Februar 2020

Wintervergnügen vor der Klimakrise

Als die kalte Jahreszeit noch zuverlässig mit Eis und Schnee daherkam – Sammlung im Museumsdorf Hösseringen gibt Einblicke

Aus dem Klassenzimmer hinaus in den Schnee: Schulklasse mit Schlitten. Foto: Sammlung Bohlsen
Eine ganze Sammlung von Schlittschuhen hat Marten Thomsen auf den großen Holztisch im Magazin des Museumsdorfes Hösseringen ausgebreitet. Vorsichtig hebt der Dokumentar ein paar hölzerne Sohlen und weist auf einen Dorn am hinteren Ende. „Dieser wurde in die Schuhsohle gedrückt, so dass der Schuh nicht verrutschen konnte. Mit Lederriemen wurde er zusätzlich festgebunden und dann konnte es losgehen.“ Marten Thomsen hat auch gleich einen alten Lederschuh bei der Hand, mit dem er die Handhabung vorführt. Die Metallkufen der Schlittschuhe sind von einer Rostschicht überzogen – kein Wunder, denn sie wurden schon seit Jahren nicht mehr getragen. Sie stammen aus der Sammlung von Axel Beeker in Uelzen und wurden dem Museumsdorf vor einigen Jahren übergeben. Nun ist es Zeit, die Sammlung einmal durchzusehen und die Stücke zu reinigen. Sie sind Zeugnisse vom winterlichen Vergnügen oder auch dem einfach nur dem Umgang mit der kalten Jahreszeit in der Lüneburger Heide zu Zeiten, als Eis und Schnee noch zuverlässig jedes Jahr zum Winter gehörten.

Marten Thomsen zeigt ein Paar alter Schlittschuhe mit hölzernen Sohlen.

 „Schlittschuhe mit hölzernen Sohlen waren mindestens seit dem 19. Jahrhundert hier in der Gegend in Gebrauch, vermutlich auch schon früher“, weiß der Sammlungsleiter des Museumsdorfes und greift nach einem Paar, das bereits ganz aus Metall besteht. Es stammt aus den 1930er-Jahren und wuchs mit dem Eigentümer mit. „Hier kann man mit einem Schlüssel die Größe verstellen.“ Wobei von „Schlittschuhen“ eigentlich noch gar keine Rede sein kann, denn es handelt sich um einfache Kufen, die unter das Schuhwerk geschnallt wurden. In diesem Fall muss es allerdings wenig Gelegenheit dazu gegeben haben, denn die Kufen sind noch ungeschliffen, wurden also wohl noch kein einziges Mal benutzt, ebenso wie das Paar „Hudora Schlittschuhe“, das sogar mitsamt der Originalverpackung ins Museum gegeben wurde. „Dieses Paar haben wir 1995 von einer Familie aus Suderburg erhalten“, so Thomsen, der die Beschäftigung mit den winterlichen Exponaten zum Anlass nimmt, sich ein wenig mit den alten Gebräuchen der Region zu beschäftigen. Viel gebe die Quellenlage nicht her, meint er. Heimatforscher Eduard Kück beschreibt in seinem 1906 erschienenen „Bauernleben der Lüneburger Heide“ als Wintervergnügen der Kinder lediglich das „Glittschen“, also Rutschen oder Schlittern, das Schneeballwerfen und Schlittenfahren. Auch dazu hat das Museumsdorf einige schöne Stücke zu bieten, zum Beispiel einen liebevoll gebauten Kinderschlitten, der dem Museum 2015 gespendet wurde. Und wie der hölzerne Kinderschlitten, der fast wie ein gemütlicher Sessel gearbeitet ist, wohl gezogen wurde? „Weite Strecken legte man damit wohl nicht zurück, hierfür wurden größere von Pferden gezogene Kutschenschlitten verwendet“, weiß Marten Thomsen und zieht ein Paar dicker Kutscherstiefel hervor, die mit ihren hölzernen Sohlen und dem dicken Futter davon erzählen, dass es auf längeren Fahrten schon ungemütlich kalt auf dem Kutschbock werden konnte. 

Die Schlittschuhe wurden unter solche halbhohen Schnürstiefel geschnallt.

Skier wurden übrigens früher gerne aus Fassdauben gebaut und mit Lederriemen an den Schuhen befestigt. Die Stöcker holte man einfach aus dem nächsten Gehölz. Solche Exemplare sind nicht in der Museumssammlung, wohl, weil sie ganz einfach nicht aufgehoben worden sind, wohl aber ein Paar hölzerne Skier mit Bambusstöcken. Diese stammen aus Bad Bevensen und wurden dem Museum 1999 übergeben. Angesichts er milden Winter der vergangenen Jahre werden Zuwächse aus jüngerer Zeit in der winterlichen Sammlung des Museumsdorfes wohl kaum zu erwarten sein. Und so sind die Sammlungsstücke nicht nur Zeugnisse früherer Lebensumstände, sondern auch von klimatischen Veränderungen, die sich auf das Leben in unserer Region auswirken.

Auf so einem Schlitten, der über Schnee und Eis geschoben wurde, konnten sowohl Personen als auch Einkäufe transportiert werden. In Skandinavien werden moderne Varianten dieses Schlittens in Leichtbauweise von älteren Menschen im Winter als Rollator-Ersatz genutzt. 


Mittwoch, 19. Februar 2020

Fridolin und Mai wiedervereint

Storchenpaar ist deutlich früher als üblich zurückgekehrt


Mai und Fridolin bei der Paarung in ihrem Nest auf dem Schornstein des NABU-Artenschutzzentrums in Leiferde.
  Foto: NABU/Bärbel Rogoschik

Bei stürmischem Wetter mit vereinzelten Schneeregenschauern, landete am Dienstag gegen 15 Uhr Mai, die Partnerin von Fridolin, auf dem Schornstein des NABU-Artenschutzzentrums in Leiferde bei Gifhorn. 
Fridolin, der es sich auf dem Boden des Nestes gemütlich gemacht hatte, um dem Westwind so wenig Angriffsfläche wie möglich zu bieten, schien sie erwartet zu haben. Zunächst blieb er sogar sitzen und wurde von Mai am Halsgefieder gekrault. Dann stand er auf und beide klapperten synchron zur Begrüßung. Nach 30 Minuten gab es schon die ersten Paarungen und beide Störche fingen eifrig an Äste im Nest zurecht zu rücken.
„So früh hatten wir hatten wir eigentlich noch nicht mit Mai gerechnet“, berichtet Bärbel Rogoschik vom NABU-Artenschutzzentrum. „Im letzten Jahr kam Mai am 8. März und davor am 23. März in Leiferde an. Da in diesem Jahr aber zahlreiche Vogelarten früher als sonst üblich da sind, ist es nicht so verwunderlich“.
Damit hat die Storchensaison in Leiferde begonnen und das Storchenpaar kann nun das Nest herrichten und dies gemeinsam gegen zahlreiche Störche verteidigen.

Das NABU-Artenschutzzentrum Leiferde bietet eine Live-Webcam an, mit der das Leben von Fridolin und Mai von zu Hause aus verfolgt werden kann.

Donnerstag, 6. Februar 2020

Vogelkundliche Wanderungen

Auch in diesem Jahr besteht wieder die Möglichkeit, kostenlos auf einem morgendlichen Spaziergang rund um Müden (Örtze) die Balzgesänge heimischer Vögel kennenzulernen oder vorhandene Kenntnisse aufzufrischen. Am
Die vogelkundlichen Wanderung finden jeweils sonnabends statt. Die Termine: 21. März, 25. April und 16. Mai. Geleitet werden die Wanderungen von Joachim Webel, einem pensionierten Biologielehrer und Mitarbeiter im Regionalen Umweltbildungszentrum NABU Gut Sunder. Teilnehmer können ihr Wissen über die heimische Vogelwelt selbstverständlich ebenfalls weitergeben.


Der Rundgang beginnt jeweils um 7:30 Uhr am Winkelhof vor dem Hofcafé, Alte Dorfstraße 12, und endet dort gegen 9 Uhr. Alle, die Freude an der singenden Natur haben, sind willkommen, Groß und Klein, Jung und Alt! Festes Schuhwerk wird empfohlen, vorhandene Ferngläser können mitgebracht werden. Wer Lust hat, kann anschließend im Hofcafe zum Preis von 11 Euro frühstücken,
Anmeldungen zum Frühstück (Zahl der Plätze begrenzt) bis zum 17. März (bzw. bis zum  14. April bzw. 11. Mai für den zweiten und dritten Termin) per E-Mail an kontakt@winkelhof-mueden.de oder unter Telefon  05053 94077 erfolgen.

Dienstag, 4. Februar 2020

Barben-Projekt der Aktion Fischotterschutz ausgezeichnet

Das Projekt „Artenvielfalt in der Aller – Neue Lebensräume für die Barbe“, kurz Barben-Projekt, der Aktion Fischotterschutz ist als offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet worden. Der Neujahrsempfang im Otter-Zentrum bot den Rahmen für die Würdigung. Bernd Neukirchen, Leiter des Fachgebietes „Binnengewässer, Auenökosysteme und Wasserhaushalt“ im Bundesamt für Naturschutz lobte das Projekt. Die Auszeichnung wird an vorbildliche Projekte verliehen, die sich in besonderer Weise für die Erhaltung der biologischen Vielfalt in Deutschland einsetzen.

Beim Neujahrsempfang im Otter-Zentrum nahmen die Aktion Fischotterschutz und die Projektpartner im Barben-Projekt die Auszeichnung entgegen (von links): Dr. Oskar Kölsch (Vorstandsvorsitzender der Aktion Fischotterschutz), Walter Wimmer (Leiter der NLWKN Betriebsstelle Süd), Bernd Neukirchen (Leiter des Fachgebietes „Binnengewässer, Auenökosysteme und Wasserhaushalt“ im BfN), Anke Willharms (Projektleiterin) und Sören Brose (wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt). Foto: Aktion Fischotterschutz e.V. 

Die Barbe ist eine anspruchsvolle Fischart, die im südöstlichen Niedersachsen selten geworden ist. Sie zählt zu den Fischarten, für die Deutschland eine besondere Verantwortung besitzt. Mit dem Barben-Projekt verfolgt die Aktion Fischotterschutz das Ziel, im niedersächsischen Einzugsgebiet der Aller wieder Lebensräume für die Barbe zu entwickeln und insgesamt zum Erhalt der biologischen Vielfalt in den Gewässern beizutragen. Hierfür werden verschiedene Projektbausteine umgesetzt. Durch die Umsetzung abgestimmter Naturschutzmaßnahmen sollen wieder strukturreiche Gewässerabschnitte entstehen. Durch Zusammenarbeit mit Unterhaltungsverbänden und Angelvereinen soll diese Entwicklung ergänzt werden. Begleitet wird dieses Vorhaben durch Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung mit einem Fluss-Fisch-Mobil, das im gesamten Projektgebiet im Einsatz ist. Hiermit sollen den Menschen die heimischen Fischarten nähergebracht und für die Bedeutung naturnaher Fließgewässer sensibilisiert werden. Das Barben-Projekt wird über das Bundesamt für Naturschutz im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt mit Mitteln des Bundesumweltministeriums und vom Land Niedersachsen bis zum Jahr 2024 gefördert.
„Dies ist eine schöne Anerkennung für unsere Arbeit im Rahmen des Barben-Projektes, über die wir uns sehr freuen. In den kommenden Jahren möchten wir den Blick weiter auf die heimischen Fischarten lenken, die Menschen für die Bedeutung naturnaher Fließgewässer sensibilisieren und sie für das faszinierende Ökosystem vor der Haustür begeistern“, so der Vorstandsvorsitzende der Aktion Fischotterschutz, Dr. Oskar Kölsch.
Diese Aktivitäten haben die UN-Dekade-Fachjury nachhaltig beeindruckt. Mit diesem vorbildlichen Projekt wird ein deutliches Zeichen für das Engagement zur Erhaltung biologischer Vielfalt in Deutschland gesetzt. Neben der offiziellen Urkunde und einem Auszeichnungsschild wurde der Aktion Fischotterschutz ein „Vielfalt-Baum“, der symbolisch für die Naturvielfalt steht, überreicht. Ab sofort wird das Projekt auf der Webseite der UN-Dekade in Deutschland unter www.undekade-biologischevielfalt.de vorgestellt.
 Die Vereinten Nationen haben den Zeitraum von 2011 bis 2020 als UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgerufen, um dem weltweiten Rückgang der Naturvielfalt entgegenzuwirken. Ein breit verankertes Bewusstsein in unserer Gesellschaft für den großen Wert der Biodiversität ist eine wichtige Voraussetzung. Die UN-Dekade Biologische Vielfalt in Deutschland lenkt mit der Auszeichnung vorbildlicher Projekte den Blick auf den Wert der Naturvielfalt und die Chancen, die sie uns bietet. Über die Auszeichnung von Projekten entscheidet eine unabhängige Fachjury, an der Vertreter/innen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen beteiligt sind.


Bilduntertitel:

Montag, 13. Januar 2020

Mit dem NABU Kopfweiden schneiteln

Der NABU Wathlingen lädt zum gemeinsamen Kopfweidenschneiteln ein. Treffpunkt ist am Sonnabend, 18. Januar, um 8:45 Uhr in Wathlingen, Sandberg 2, oder um 9:00 Uhr beim Bauhof Nienhagen, Am Bahnhof 13.
Die zu schneitelnden Weiden stehen auf einem Damm und würden, wenn sie zu hoch werden, die Stabilität des Damms beeinträchtigen.
Helferinnen und Helfer sollten wetterfeste Kleidung, Arbeitshandschuhe und bei Bedarf persönlichen Gehörschutz mitbringen.

Die abgeschnittenen Weidenzweige können bei feuchtem Untergrund einfach in den Boden gesteckt werden, wo sie bald Wurzeln schlagen.                                                                                                                                                                 Foto: NABU/Andrea Pohlen     
Weiden eigenen sich hervorragend für eine preisgünstige Bepflanzung, weil abgeschnittene Zweige einfach in den Boden gesteckt wieder anwachsen. Auf diese Art sind viele Kopfweidenanpflanzungen in feuchten Niederungsgebieten entstanden.
Weidenflechtgut und Stecklinge werden an jeden Interessenten kostenlos abgegeben.
Anregungen zur Verwendung von Weidenschnittgut kann man sich auf dem Gelände der Naturkontaktstation der Samtgemeinde Wathlingen holen.
Ein zweiter Kopfweiden- Arbeitseinsatz ist für den 15. Februar geplant.
INFO www.nabu-kv-celle.de, Telefon 05141 6668

Dienstag, 7. Januar 2020

Freitag startet die zehnte "Stunde der Wintervögel"

Wer sich für das neue Jahr vorgenommen hat, etwas für den Artenschutz zu tun, kann damit am kommenden Wochenende, 10. bis 12. Januar, beginnen: Bei Deutschlands größter wissenschaftlicher Mitmachaktion „Stunde der Wintervögel“ kann jeder die Vögel zählen, die in den Garten, den Park oder ans Futterhäuschen auf dem Balkon kommen. „Die dabei gesammelten Daten sind für Vogelschützer äußerst wertvoll, weil sie Aufschluss über den Zustand der heimischen Vogelwelt geben“, so Andrea Pohlen, Leiterin der NABU-Regionalgeschäftsstelle Heide-Wendland. „Je mehr Menschen uns ihre Beobachtungen melden, desto genauer werden die Schlussfolgerungen.“
Bei der letzten großen Vogelzählung im Januar 2019 beteiligten sich im Heide-Wendland über 1200 Menschen. Insgesamt gingen Meldungen aus über 850 Gärten ein. Der Haussperling ergatterte damals den Spitzenplatz als häufigster Wintervogel in den Gärten der Region, Kohlmeise und Feldsperling folgten auf Platz zwei und drei. Deutschlandweit beteiligten sich über 138.000 Menschen an der Aktion. Auch hier war der Haussperling häufigster Wintervogel, gefolgt von Kohlmeise und Feldsperling.
Mit Spannung erwarten die Naturschützer bei der Wintervogelerfassung in diesem Jahr Meldungen von Eichelhähern. „Diese Art dürfte derzeit besonders häufig zu sehen sein, da wir im Herbst einen außergewöhnlich starken Einflug von Eichelhähern aus dem Norden und Osten Europas hatten“, so Pohlen.
Zurzeit werden in den Gärten besonders viele Eichelhäher gesichtet.                                                        Foto: NABU/Rolf Köhler
Aufgrund der bisher sehr milden Winterwitterung erwarten die Experten des NABU einen insgesamt eher geringen Vogelbestand in den Gärten. Denn ohne Schnee und Eis finden die Vögel auch in den Wäldern und in der freien Landschaft noch Futter oder sind gleich in ihren nördlicheren Brutgebieten geblieben. Pohlen: „Aber jede Vogelart reagiert anders. Die Zahl in Deutschland überwinternder Stare und Ringeltauben dürfte zum Beispiel eher steigen.“ Die Zahl der gemeldeten Amseln wiederum wird zeigen, ob sich die Bestände der auch „Schwarzdrossel“ genannten Art nach der großen Usutu-Epidemie des Sommers 2018 wieder erholen.
Die „Stunde der Wintervögel“ ist Deutschlands größte wissenschaftliche Mitmachaktion und findet bereits zum zehnten Mal statt. Wer mitmachen will, beobachtet eine Stunde lang die Vögel am Futterhäuschen, im Garten, auf dem Balkon oder im Park und meldet die Ergebnisse dem NABU. Von einem ruhigen Beobachtungsplatz aus wird von jeder Art die höchste Anzahl notiert, die im Laufe einer Stunde gleichzeitig zu sehen ist. Die Beobachtungen können unter www.stundederwintervoegel.de bis zum 20. Januar gemeldet werden. Zudem ist für telefonische Meldungen am 11. und 12. Januar jeweils von 10 bis 18 Uhr die kostenlose Rufnummer 0800 1157-115 geschaltet.