Mittwoch, 30. September 2020

Leise rieselt der Kalk ...

Am Montag, 5. Oktober, beginnen die Niedersächsischen Landesforsten eine großflächige Kalkungsaktion im Bereich der Revierförsterei Schafstall bei Unterlüß. 

So sieht es aus, wenn der Wald vom Hubschrauber aus gekalkt wird. Foto: Niedersächsische Landesforsten

Rund zwei Wochen lang wird ein Hubschrauber von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, also von etwa 8 bis 20 Uhr, 2500 Tonnen Kalk auf einer Waldfläche von 1000 Hektar ausbringen. „Wir beginnen im südlichen Revierbereich nahe Queloh und kalken dann im Hauptrevier rund um das Waldpädagogikzentrum Haus Siedenholz und die Revierförsterei“, erläutert Einsatzleiter Jobst Böttger das Vorgehen. „Wir bitten alle Waldbesucher und besonders die zurzeit zahlreichen Pilzsucher diese Waldbereiche zu meiden, es wird zeitweise auch zu Wegesperrungen kommen. Nur am Wochenende wird nicht geflogen.“ Der verwendete kohlensaure Magnesiumkalk wird als staubähnliches Material aus der Luft ausgebracht. „Um die Beeinträchtigungen für die Tier- und Pflanzenwelt möglichst gering zu halten, wird erst jetzt zum Ende der Vegetationszeit gekalkt“, so Förster Jobst Böttger. „Die für den Naturschutz relevanten Bereiche, vor allem Feuchtbiotope werden in Abstimmung mit unseren Naturschutzfachleuten von der Kalkung ausgenommen.“ Auch Ortschaften sind von der Maßnahme nicht betroffen „Wir bleiben weit genug von den Ortsrändern entfernt, so dass man allenfalls die Hubschraubergeräusche vernimmt“, erläutert Jobst Böttger weiter.

Eine erste Bodenschutzkalkung fand bereits in den 1980er Jahren als Reaktion auf das damalige Waldsterben statt. Die Kalkung vom Hubschrauber ist den Landesforsten zufolge die preiswerteste und genaueste Ausbringungs-Methode. Außerdem werden durch den Hubschraubereinsatz Beeinträchtigungen beim Befahren der Wälder mit schweren Lastwagen vermieden.

Apfelfest beim NABU auf Gut Sunder

Lange war unklar, ob das traditionelle und beliebte Apfelfest auf dem NABU-Gut Sunder an den Meißendorfer Teichen bei Winsen (Aller) wegen der Coronakrise überhaupt stattfinden kann. Nun steht fest: Es darf stattfinden – selbstverständlich unter Einhaltung aller Corona-Hygieneregeln. Eine weitere Besonderheit in diesem Jahr: Das NABU-Gut Sunder als eine der bedeutendsten Umweltbildungseinrichtungen in Niedersachsen feiert sein 40-jähriges Bestehen.

Beim Apfelfest wird viel Interessantes über die Tier- und Pflanzenwelt vermittelt. Foto: Monika Heinen

Am Sonnabend, 3. Oktober, von 13 bis 17 Uhr wird sich allen Naturinteressierten, ob Groß oder Klein, ein buntes Potpourri rund um das über 350 Jahre alte Teichgut mit seiner vielfältigen Natur und den historischen Gebäuden bieten. Von Erkundungen und Führungen über das Gelände, Keschern für Kinder und Glücksraddrehen sowie vielen interessanten Informationen rund um die Natur bis hin zu kulinarischen Genüssen bei Kaffee und Kuchen, einer heißen Suppe und Brot aus dem Holzbackofen ist für die ganze Familie etwas dabei. Zudem wird das Programm der NABU-geführten Reisen für das kommende Jahr vorgestellt. Ein Höhepunkt wird sicher – wie jedes Jahr – die beliebte Sunder-Rallye sein, die tiefe Einblicke in die dortigen spannenden Lebensräume rund um Dachsbau und Fledermausbunker, Ringelnatterteich und die historischen Großteiche, an denen nicht selten auch Eisvogel und Fischadler zu beobachten sind, bieten wird.


Da die Parkplätze begrenzt sind, wird ein Besuch per Fahrrad besonders begrüßt. Außerdem ist auf Teilen des Geländes und in den Gebäuden das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes verpflichtend.

 

Dienstag, 29. September 2020

Ferienprogramm für kleine Waldentdecker

 In den Herbstferien bieten die zertifizierten Waldpädagoginnen Katrin Blumenbach und Ulrike Witte-Spohr im Lüßwald wieder ein Ferienprogramm für Grundschulkinder an. 

Spielerisch den Wald entdecken können Grundschulkinder in den Herbstferien. Foto: Veranstalter

Vom 12. bis 14. Oktober finden in Breitenhees in Zusammenarbeit mit den niedersächsischen Landesforsten jeweils von 9 bis 13 Uhr Waldentdeckertage statt. Die Kinder legen Kugelbahnen an, bauen Waldhütten, balancieren auf dem Niedrigseil und lernen nebenbei viel Interessantes über den Wald und seine Bewohner. Anmeldungen nimmt Ulrike Witte-Spohr unter der E-Mail-Adresse Uspohr@gmx.de oder Telefon 05837 140103 entgegen. Treffpunkt ist der Parkplatz an der B4 in Breitenhees.

Eine Woche später, vom 19. bis 21. Oktober, besteht jeweils von 9 bis 13 Uhr im Waldpädagogikzentrum Ostheide im ehemaligen Forsthaus Siedenholz im Franzosengrund bei Unterlüß Gelegenheit, den Wald spielerisch zu entdecken. Auch dort planen die Waldpädagoginnen verschiedene Aktivitäten wie Waldparcours installieren, Fledermauskästen zusammensetzen, Mooshüttenbau und andere schöne Dinge. Anmeldungen nimmt Katrin Blumenbach unter der E-Mail-Adresse info@wald-events.de oder Telefon 05052 5429411 entgegen. Treffpunkt ist am Waldpädagogikzentrum Siedenholz, Siedenholz 1.

Freitag, 18. September 2020

Ein Ort der Lebenden

Friedhof St. Nicolai in Gifhorn ist jetzt Teil des Netzwerks "Immaterielles Erbe Friedhofskultur"

Der Friedhof St. Nicolai in Gifhorn weist jetzt Besuchende darauf hin, dass die Friedhofskultur zum immateriellen Kulturerbe zählt und als solche unter dem besonderen Schutz der Vereinten Nationen steht. Johann Harms und Karsten Wolpers von der Friedhofsleitung brachten am Freitagmorgen ein entsprechendes Schild am Haupteingang des Friedhofes am Wilscher Weg an, um so auf die wichtige Bedeutung der Friedhofskultur für die Stadt aufmerksam zu machen. Gifhorn ist damit Teil eines bundesweiten Netzwerkes von über 100 Städten, die den diesjährigen Tag des Friedhofes an diesem Sonntag der Ernennung der Friedhofskultur in Deutschland zum immateriellen Kulturerbe widmen.

Friedhofsleiter Johann Harms (links) und sein Stellvertreter Karsten Wolpers brachten am Freitag das Schild an, das auf den Stellenwert der Friedhofskultur als immaterielles Kulturerbe hinweist. Foto: Friedhof St. Nicolai

Bereits im März 2020 hatte die Kultusministerkonferenz auf Empfehlung der Deutschen UNESCO-Kommission diese Ernennung zum immateriellen Kulturerbe beschlossen. Allerdings ging die Auszeichnung im Corona-Lockdown völlig unter, weshalb man jetzt mit der Aktion „Friedhöfe auszeichnen“ auch in Gifhorn auf dieses vielschichtige Kulturerbe aufmerksam macht. „Es sind nicht die Friedhöfe an sich zum immateriellen Kulturerbe ernannt worden“, erläuterte Günter Koch vom Friedhofsausschuss in seiner Ansprache, „sondern die Friedhofskultur, also all das, was Menschen auf dem Friedhof tun.“ Dazu gehöre das Trauern, Erinnern und Würdigen genauso wie das Gestalten, Pflegen und Weiterentwickeln.

„Der Friedhof ist vor allem auch ein Ort der Lebenden“, sagte Koch weiter, „der weit über die persönlichen Trauerrituale hinaus identitätsstiftende Bedeutung für unsere Gesellschaft hat.“ Hervorzuheben sei zum Beispiel die historische Dimension der Denkmäler. Der Kulturraum Friedhof bilde zudem den größten Skulpturenpark der Stadt und sei zugleich Inspirationsfläche für viele Kunstformen. Besonders bedeutsam sei seine soziale Funktion: Der Friedhof erweise sich als Treffpunkt für Familien oder Angehörige und wirke auch sozialer Vereinsamung von Hinterbliebenen entgegen. Das aktiv genutzte Friedhofsmobil leiste hierzu einen nicht mehr verzichtbaren Beitrag.

Nicht zuletzt, so Koch, zeige sich dieser Kulturraum über kulturelle und religiöse Unterschiede hinweg als ein Ort der Integration und des Friedens. Nicht zu vergessen sei die Bedeutung der Friedhöfe für den Naturschutz, zum Beispiel auch als Ort der Biodiversität.

Grundvoraussetzung für die Ernennung der Friedhofskultur in Deutschland zum immateriellen Kulturerbe war für die UNESCO „die Lebendigkeit der kulturellen Ausdrucksform“. „Es geht nicht um ein Mumifizieren unserer Friedhöfe, sagte Koch, sondern um deren zeitgerechte Weiterentwicklung“. So werde man auch in Zukunft Bestattungsformen anbieten, die den Wünschen der Menschen entsprechen wie z.B. naturnah gestaltete oder pflegeleichte oder pflegefreie Grabformen.

Die Auszeichnung des Friedhofes St. Nicolai hat das „Kuratorium Immaterielles Erbe Friedhofskultur“ initiiert, das sich der Pflege und Weiterentwicklung dieses Kulturerbes verschrieben hat. Auf seiner Seite www.kulturerbe-friedhof.de finden sich umfangreiche Informationen über die Friedhofskultur in Deutschland, die Ernennung zum immateriellen Kulturerbe und deren Bedeutung für die Gesellschaft.


Das neue Heft ist da!

Pünktlich zum kalendarischen Herbstanfang erscheint am Montag,  21.  September, das neue Calluna-Heft. Alle Abonnentinnen und Abonnenten werden das Heft in den nächsten Tagen in ihren Briefkästen finden. Die  Verteilung der Hefte an die mehr als 350 Auslagestellen in der Südheide hat ebenfalls begonnen. Wenn Sie nicht warten möchten, können Sie hier das Heft direkt bestellen, gerne auch in größerer Stückzahl, um vielleicht Ihren Nachbarn damit eine kleine Freude zu machen. Der Versand erfolgt umgehend nach Bestelleingang per Post.

Möchten Sie das Südheide-Magazin ab dem aktuellen Heft regelmäßig alle drei Monate druckfrisch ins Haus geliefert bekommen? Schicken Sie uns einfach eine E-Mail mit der gewünschten Lieferadresse an abo(at)calluna-magazin.de. Das Abo kostet 16 Euro pro Jahr (4 Hefte). Die Mindestbezugsdauer beträgt ein Jahr. Danach können Sie das Abo jederzeit formlos zum Quartalsende kündigen. Sie haben schon ein Abo? Gut, aber vielleicht möchten Sie noch eins oder mehrere verschenken – als kleine Aufmerksamkeit zum Geburtstag oder einfach nur als Dankeschön.
Noch ein Hinweis: Zum Jahreswechsel stellen wir aus Klimaschutzgründen unser Vertriebssystem um. Die Auslagestellen werden dann nicht mehr direkt beliefert. Stattdessen erfolgt die Lieferung mit DHL. Beliefert werden dann allerdings außer unseren Inserenten nur noch Auslagestellen, die zuvor Hefte bestellt haben. Bitten Sie also den Händler, von dem Sie Ihr Heft bislang geholt haben, rechtzeitig zu bestellen. Oder, noch einfacher: Abonnieren Sie das Südheide-Magazin. Dann kommt es per Post zu Ihnen ins Haus.

Montag, 14. September 2020

Waldtage: Kinder mit Hirschgeweihen

Das Waldpädagogikzentrum Ostheide hat sich erfolgreich am Konzept „LernRäume“ des Niedersächsischen Kultusministeriums beteiligt. Die „LernRäume“ wurden vom Kultusministerium als außerschulisches Bildungsangebot in den Sommerferien angeboten. Schülerinnen und Schüler, die in Zeiten der COVID-19-Pandemie besonderer Unterstützung bedurften, hatten dadurch die Möglichkeit, kostenfrei an verschiedenen Veranstaltungen teilzunehmen. Die Veranstaltungskosten wurden komplett vom Förderprogramm übernommen.

Das Waldpädagogikzentrum Ostheide hat gemeinsam mit Katrin Blumenbach und Ralf Frommhagen Waldtage für Grundschulkinder entwickelt und angeboten. Katrin Blumenbach ist zertifizierte Waldpädagogin aus Hermannsburg und seit neun Jahren für die Niedersächsischen Landesforsten aktiv. Sie wurde bei den Veranstaltungen von Ralf Frommhagen unterstützt, der als Waldpädagoge seit zwei Jahren mit dem Waldpädagogikzentrum zusammenarbeitet.

Veranstaltungsort war das Haus Siedenholz im Franzosengrund bei Unterlüß. Dort stand alles für die erlebnisreichen Tage zur Verfügung, damit die kleinen Waldentdecker auch bei Temperaturen über 30 Grad ihr Ferienprogramm genießen konnten.

Unter fachkundiger Anleitung haben die Kinder Fledermauskästen gebaut.                Foto: Katrin Blumenbach

Die Veranstaltungen fanden an fünf Tagen, jeweils vierstündig, verteilt über den ganzen August statt. Die kleinen Naturforscher begannen mit einer Wissensvermittlung um Grundlagen zu schaffen. Anschließend wurde das gelernte mit Spielen verfestigt. Katrin Blumenbach schmunzelt: „Ein echtes Aha-Erlebnis war für die Kinder immer, als sie mit einem Hirschgeweih durchs Unterholz gehen sollten. Die Frage, wie machen es die Hirsche, die im Wald leben und mit ihren riesigen Geweihen auch flüchten müssen, wurde intensiv diskutiert. Dabei zeigte sich, dass einige Teilnehmerinnen und Teilnehmerinnen schon sehr kundig waren“.

Nach dem Frühstück folgte ein Waldspaziergang mit weiteren Aktionen. Besonders viel Fantasie bewiesen die Kinder beim Bau eines Waldparcours, bei dem es galt, sich Aufgaben für die anderen auszudenken und die entsprechenden Hindernisse oder Zapfenweitwurfstationen nicht nur zu bauen, sondern auch zu erklären. „Das war nicht leicht, denn wir hatten auch insgesamt sieben Kinder dabei, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, es entstand Teamgeist“, freut sich die Waldpädagogin.

Die letzte Einheit des Vormittages bildete immer das Werken. „Wir haben Fledermauskästen zusammengesetzt, Wanderstäbe geschnitzt, Bilder aus Naturmaterialien geklebt und Insekten mit Tonkörpern und natürlich sechs Beinen gebastelt. Wunderbare Käfer, Libellen und sogar Fliegen sind auf diese Weise entstanden. So konnten die Kinder alle etwas mit nach Hause nehmen und von ihren Erlebnissen erzählen“, schwärmt Katrin Blumenbach.

Dienstag, 8. September 2020

Der Wald im Klimawandel

Zu einem informativen Waldspaziergang „Unser Wald im Klimawandel“ laden die Niedersächsischen Landesforsten anlässlich der Deutschen Waldtage in den Lüßwald ein. Die geführte Waldwanderung findet am Sonnabend, 19. September, statt. Treffpunkt ist um 15 Uhr am Haus Siedenholz, Siedenholz 1, 29345 Unterlüß. Veranstalter ist das Forstamt Unterlüß. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Die Teilnahme ist kostenfrei. An festes Schuhwerk und witterungsangepasste Kleidung sollte gedacht werden. Zur Corona-Prävention ist Mund-Nase-Schutz mitzubringen und im Wald sind die Sicherheitsabstände untereinander einzuhalten. Die Veranstaltung ist nicht barrierefrei.

„Der Lüßwald ist erst vor 150 Jahren aus verarmten Heideflächen neu aufgeforstet worden und hat seitdem eine wechselvolle Geschichte“, so Forstamtsleiter Arne Sengpiel. „Wir wollen den seit fünfzig Jahren stattfindenden Waldumbau, weg vom Kiefern-Reinbestand, genauso zeigen, wie die aktuellen Probleme durch die Stürme und Sommerdürren der letzten drei Jahre, die uns deutlich machen, dass der Klimawandel schneller als gedacht im Wald angekommen ist.“ Zusammen mit Jobst Böttger vom Waldpädagogikzentrum Haus Siedenholz wird Sengpiel auf einem Rundweg von gut zwei Kilometern fünf Waldbilder ansteuern. „Wir werden die Borkenkäfer, Baumarten für den Klimawandel, die Douglasie und die Entwicklung von Mischwäldern genauso ansprechen, wie die Wald-Wild-Thematik, den Schutz des Sperlingskauzes und die natürliche Verjüngung der Wälder“, erläutert Förster und Waldpädagoge Jobst Böttger den Rundweg.

Unter fachkundiger Anleitung eines Försters werden die Teilnehmenden durch den Wald geführt.
Foto: Niedersächsische Landesforsten

Hintergrund: Der gut 6.000 Hektar (60 km²) große Lüßwald ist eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete in der norddeutschen Tiefebene. Nach seiner Entwaldung im Mittelalter und anschließender Verarmung der Landschaft, wurden vor 150 Jahren in die riesigen Heideflächen wieder aufgeforstet. Die so entstandenen Kiefernwälder durchliefen eine wechselvolle Geschichte, wie die Waldverluste durch Reparationshiebe nach dem 2. Weltkrieg, der Jahrhundertsturm von 1972 und wenige Jahre später die großen Heidebrände. Der Lüßwald ist zum Schutz des Sperlingskauzes als Vogelschutzgebiet ausgewiesen, und bereits nach 1972 wurden die entstandenen Kahlflächen nicht nur mit Kiefern, sondern auch mit Douglasien wiederaufgeforstet. Der Waldumbau zu Mischwäldern mit Buchen, Douglasien, Kiefern und anderen Begleitbaumarten wurde mit dem Programm zur langfristigen ökologischen Waldentwicklung in den Landesforsten (LÖWE) vor zwanzig Jahren nochmal verstärkt.

Deutsche Waldtage: Initiiert vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und in Partnerschaft mit dem Deutschen Forstwirtschaftsrat e.V. (DFWR) finden vom 18. bis 20. September 2020 zum dritten Mal die Deutschen Waldtage statt. Unter dem Motto „Gemeinsam! Für den Wald“ stehen die diesjährigen Waldtage ganz im Zeichen gemeinsamer Verantwortung aller, denen der Wald am Herzen liegt. Denn die Zukunft unserer Wälder kann nur gemeinsam gestaltet werden.

Bundesweit laden Forstverwaltungen, Forstbetriebe, Waldbesitzende sowie Verbände und Organisationen, die sich für den Wald engagieren, zu vielfältigen Veranstaltungen und Mitmachaktionen in die Wälder ein. Bürgerinnen und Bürger haben die Möglichkeit, mit den Waldexperten ihrer Region ins Gespräch zu kommen. Im Mittelpunkt stehen dabei die vielfältigen Funktionen des Waldes, die zum Teil dramatischen Auswirkungen, die der Klimawandel auf die Wälder hat, und Maßnahmen zum Schutz und zur Stärkung der Wälder.

Freitag, 4. September 2020

Die Tansey-Miniaturen

Vortrag beim Montagstreff des Kunstvereins Uelzen

FOLKERT FRELS

Immer am ersten Montag im Monat trafen sich Kunstinteressierte zum Montagstreff des Kunstvereins Uelzen im Theaterkeller des Theater. Bis zum März. Dann kam zum einen die sanierungsbedingte Schließung des Theaters an der Ilmenau und zum anderen die Schutzmaßnahmen gegen die weitere Ausbreitung des Corona-Virus‘. Beides bereitete Claudia Krieghoff-Fraatz, der „Macherin“ des Montagstreffs, großes Kopfzerbrechen hinsichtlich der Planung  in diesem Jahr. Es galt, einen Ersatz-Raum für den Theaterkeller zu finden, in dem die Abstands- und Hygieneregelungen eingehalten werden können. Nun gibt es eine Lösung: Das Neue Schauspielhaus an der Rosenmauer in Uelzen wird der neue Veranstaltungsort für den Montagstreff. Claudia Krieghoff-Fraatz: „Das Schauspielhaus darf wegen Corona nicht voll ausgelastet werden, aber etwa 35 Gäste sind möglich. Natürlich müssen die Corona-Regeln im Hinblick auf Abstand und Maske eingehalten werden. Die Maske ist Pflicht bis zum Sitzplatz. Außerdem müssen die Kontaktdaten  hinterlegt werden.“ 

Nun also nach langer Pause das erste Treffen. Es findet am Montag, 7. September, im Neuen Schauspielhaus statt. Referentin ist Juliane Schmieglitz-Otten. Im Bomann-Museum in Celle ist sie die Ansprechpartnerin für die Themenbereiche Landesgeschichte, Residenzmuseum im Celler Schloss und die Stiftung Miniaturensammlung Tansey. Über Letzteres, die Tansey-Sammlung, wird sie am kommenden Montag berichten und den Teilnehmenden am Montagstreff mit Bildbeispielen die im Bomann-Museum gezeigte Sammlung der Miniaturen nahebringen. In den meisten Fällen wurden Miniaturportraits als Erinnerung an einen geliebten Menschen gemalt und sind daher die persönlichsten Zeugen der Kunstgeschichte. Seit Beginn des 16. Jahrhunderts hatten sich Künstler dahingehend spezialisiert. Als “Goldenes Zeitalter” der Miniaturmalerei gilt das ausgehende 18. und frühe 19. Jahrhundert. Die von dem Ehepaar Lieselotte und Ernest Tansey im Verlauf der vergangenen vierzig Jahre zusammengetragene Sammlung umfasst europäische Miniaturen aus der Zeit des späten 16. bis ins frühe 20. Jahrhundert. Fast ausnahmslos handelt es sich um Porträts, doch auch einige Stillleben und Landschaften sind darunter. Es ist eine der weltweit größten und bedeutendsten Kollektionen – sowohl im Hinblick auf ihren Umfang als auch bezüglich der Vielfalt der darin vertretenen Meister. 1997 wurde die Sammlung teilweise in eine Stiftung überführt.

Der Kunstverein und die Referentin würden sich über einen regen Besuch dieser Veranstaltung freuen. Der Beginn ist um 19 Uhr und der Eintritt wie immer frei. Spenden für die Arbeit des Montagstreffs werden gern entgegen genommen. Aufgrund der begrenzten Anzahl an Plätzen bittet Claudia Krieghoff-Fraatz Interessierte an diesem Vortrag, sich für den Montagstreff im Vorfeld anzumelden unter Telefon 05826 958436 oder mit einer E-Mail an kunstverein-uelzen-ckf@t-online.de.      

Freitag, 28. August 2020

Mit Dampfkraft in die Moderne

 Lokomobile im Museumsdorf Hösseringen wird repariert

Schlosser Michael Sehl repariert sonst Diesellokomotiven, schraubt aber auch gerne mal an Oldtimern.
Fotos: Christine Kohnke-Löbert

Gespannt blicken die drei Männer auf den runden Druckmesser, der an prominenter Stelle ganz vorn an der Lokomobile angebracht ist. Dann wandern ihre Blicke auf das Ventil. „Wir haben jetzt fünf Bar“, ruft Bernd Müller. Es zischt und dampft – und an mehreren Stellen tropft Wasser aus der Maschine. Bernd Müller schüttelt den Kopf. „Das darf nicht sein, wenn wir die Lokomobile an unseren Aktionstagen in Einsatz bringen möchten.“ Schon seit einigen Wochen sind Bernd Müller, Horst Meister und Ulrich Weißhaupt, ehrenamtliche Mitarbeiter des Museumsdorfes, mit der Reparatur der historischen Dampflokomobile beschäftigt. Nun haben sie sich fachliche Beratung geholt: Michael Sehl von der OHE in Celle. Der Schlosser repariert an seinen „normalen“ Arbeitstagen Diesellokomotiven und Schienenfahrzeuge. Nun soll er bei der Vorbereitung der Lokomobile für den TÜV helfen. „Ich habe schon als Azubi Dampfmaschinen repariert“, erzählt er. Und weil er auch privat gerne an historischen Motoren schraubt, kann er in Sachen Lokomobile wertvolle Tipps geben. „Wir haben an verschiedenen Stellen Undichtigkeiten und diese müssen in Ordnung gebracht werden. Wenn die Maschine im Einsatz ist, muss sie 10 Bar halten“, fasst er zusammen.

Bernd Müller beobachtet gespannt den Druckmesser der Lokomobile.

Während der Museumssaison ist die Lokomobile meist mehrmals im Einsatz, Besucherinnen und Besucher werden sie insbesondere vom Antrieb der Dreschmaschine beim Erntedankfest in Erinnerung haben. „Sie ist auch ein Dokument für die Veränderungen in der Landwirtschaft im Zuge der Industrialisierung seit dem Ende des 19. Jahrhunderts“, weiß Bernd Müller. Bereits im Jahr 1895 wurden im Regierungsbezirk Lüneburg 3496 Dampfmaschinen zum Dreschen eingesetzt. 1907 waren es schon 8644 und nur noch ein Drittel des Korns wurde auf althergebrachte Weise gedroschen. Die Hösseringer Lokomobile hat eine wechselvolle Geschichte: Im Jahr 1892 war sie von dem Kleinlandwirt Wilhelm Endeward aus Stadensen angeschafft worden. Er wollte als „Lohndrescher“ in der Region arbeiten – und hatte damit Erfolg. Die Nachfrage war so groß, dass er kurze Zeit später noch eine zweite „Dreschgarnitur“ anschaffte und zusätzlich saisonunabhängig eine Mühle und eine Säge betrieb. Das Unternehmen siedelte er nach Nettelkamp über. Hier in Nettelkamp wurde die 1913 von der Firma Lanz in Mannheim hergestellte Lokomobile letztmalig im Jahr 1929 eingesetzt. Danach wurde sie nach Brasilien verkauft und dort und in Paraguay in einem Sägewerk am Rande des Urwaldes eingesetzt. 1987 kam sie zurück nach Deutschland, zunächst nach München. Schließlich erwarb das Museumsdorf Hösseringen die gewaltige Maschine und ließ sie TÜV-fertig herrichten. Das ist nun schon wieder rund 30 Jahre her, kein Wunder, dass nun eine Generalüberholung fällig ist. „Wir hoffen, dass wir die Lokomobile bald wieder vorführen können“, sagt Bernd Müller, der die Maschine gemeinsam mit Horst Meister seit vielen Jahren betreut und 2002 sogar extra den Heizerschein gemacht hat. 

Der Oldtimer im Museumsdorf wird repariert und für den TÜV vorbereitet.

Mittwoch, 19. August 2020

Wunderbaum und Zauberwald

Märchenspaziergang im Arboretum Melzingen

Endlich kann in diesem so außergewöhnlichen Jahr wieder ein Märchenspaziergang im Arboretum Melzingen stattfinden. Am Sonnabend, 22. August, führt Petra Kallen von ab 16 Uhr an Gäste durch den Garten der Bäume der Christa von Winning und erzählt an dessen verwunschenen Orten Märchen aus längst vergangenen Zeiten. Schon seit 20 Jahren ist sie als Erzählerin im Wendland und Umgebung unterwegs und begeistert ihre Zuhörer*innen mit Märchen und manchmal auch mit Harfenklängen. Selbst leidenschaftliche Gärtnerin, erzählt sie am liebsten in der Natur, unter dem Blätterdach Schatten spendender Bäume, auf sonnigen Lichtungen und zwischen duftenden Blumen. Ihre Geschichten handeln von Baumgeistern und Waldfeen, von Zauberfrüchten und Himmelsleitern, von einer Zeit als Mensch und Natur noch innig verbunden waren.

Petra Kallen lädt zu einem Märchenspaziergang in den Garten der Bäume ein. Foto: privat

Der Eintritt beträgt 10 Euro für Erwachsene, Kinder zahlen die Hälfte (kein Vorverkauf).

Dienstag, 18. August 2020

Richtkranz krönt den Schafstall

 „Gesegnet sei das neue Haus und die da gehen ein und aus.“ Mit einem Spruch und dem traditionellen Zerbrechen eines Schnapsglases – nachdem dieses auf das Wohl der fleißigen Helfer geleert wurde – erklärte Zimmermann Matthias Kiemann mit seinen Mitarbeitern Aryan Otremba und Jonathan Ziemer aus Steinhorst den Rohbau des Schafstalles in der Ellerndorfer Wacholderheide als gerichtet. Nach langem organisatorischen Vorlauf war es mit dem Aufbau zügig vorangegangen, und nur wenige Wochen nach Baubeginn konnte die bunte Richtkrone aus blühender Besenheide auf das Dachgerüst gesetzt werden. „Ich danke unserem Auftraggeber, dem Verein zur Erhaltung der Ellerndorfer Wacholderheide, den Werdegang dieses Gebäudes begleiten dürfen. Denn es ist nicht alltäglich, ein altes Gebäude translozieren zu können“, so Kiemann. 

Coronabedingt in kleinem Kreis wurde das Richtfest in der Ellendorfer Wacholderheide gefeiert.
  Fotos: Christine Kohnke-Löbert

Bereits im Jahr 2017 hatte sich der Verein auf Anregung von Dr. Horst Löbert von der Interessengemeinschaft Bauernhaus dazu entschlossen, das „Projekt Schafstall“ in Angriff zu nehmen. „Drei Jahre Vorbereitung gingen ins Land, aber nun ist eine große Etappe auf den Weg gebracht“, so der Vorsitzende des Ellerndorf-Vereins, Götz Schimmack. „Wir sind dankbar, dass auf diese Weise ein heimattypisches Bauwerk erhalten bleiben kann.“

Außenschafställe wie der im Aufbau befindliche waren früher in der Lüneburger Heide so verbreitet, dass sie noch heute als identitätsstiftend gelten und touristisch vermarktet werden. Auch der Tourismusverein des Suderburger Landes trägt den Schafstall in seinem Logo. Mit dem Ende der Heidebauernwirtschaft vor etwa 150 Jahren nahm die Schafhaltung stark ab und die Schafställe verschwanden nach und nach aus dem Landschaftsbild. Der nun translozierte (versetzte) Stall stammt aus der Gemarkung Linden. Ein Spruchbalken über dem Tor zeigt das Baujahr 1756 und die Initialen seiner Erbauer. „Das ist ungewöhnlich für einen Schafstall“, so Löbert, der ein wenig aus deren Familiengeschichte plauderte. 

Das Richtfest fand wegen der Corona-Pandemie in kleinem Kreis statt. „Wir möchten an diesem Tag allen danken, die uns unterstützen. Ohne die vielen ehrenamtlichen Helfer wäre ein solches Projekt nicht umzusetzen“, so Schimmack. 

Montag, 17. August 2020

Daller Werkstätten eröffnen Online-Shop

Der Online-Handel wächst weiter und bekam durch die Coronakrise einen zusätzlichen Schub. Die Werk- und Lebensgemeinschaft Dalle, Wohn- und Arbeitsstätte für Menschen mit Behinderungen, hat auf diese Entwicklung reagiert und jetzt einen neuen Online-Shop in Betrieb genommen, der unter der Adresse www.shop-dalle.de  zu erreichen ist.

Die handgefertigten Produkte aus der Weberei und den anderen Werkstätten der WLG Dalle sind jetzt auch direkt im neuen Online-Shop der Einrichtung bestellbar. Foto: WLG Dalle

Die Nachricht, dass ein komplett neuer Onlineshop für die Daller Produkte entsteht, sorgte für freudige Aufregung in Dalle.  „Sind wir dann wie Amazon?“ fragte eine Bewohnerin. „Nicht ganz, aber es macht Spaß, als kleiner Betrieb große Pläne zu haben!“ sagt Daniel Bleß, Geschäftsführer der WLG Dalle, mit einem Lächeln. „Uns interessiert auch die Frage: Was wäre, wenn wir überregional langfristig Erfolg haben? Dies würde uns die Möglichkeit eröffnen, den Betreuten ein neues Beschäftigungsfeld anbieten zu können. Die Produkte zu verpacken und versandfertig machen, wäre eine Bereicherung der Angebote für Menschen mit Behinderung in Dalle. Hier wäre auch Kreativität gefragt. Möglich wäre zum Beispiel eine persönlich gestaltete Grußkarte in jedem Paket.“ 

Der neue Online-Shop soll das Offline-Angebot der WLG Dalle jetzt noch besser ergänzen. Auf das neu gestaltete Design, und auf den optimierten Bestellvorgang ist die WLG Dalle besonders stolz, vor allem da viele eigene Ideen und Arbeit darin stecken. Es sollen auch Kunden angesprochen werden, die keinen der Märkte oder die Werkstattläden besuchen können.

Das Besondere an dem nachhaltigen Shop-Konzept ist, dass zu 98 Prozent gebrauchte Versandmaterialien verwendet werden. Geölt wird in der Tischlerei mit kinderspielzeuggeeigneten Naturölen, und die Garne der Weberei sind Naturgarne. 
Ein besonderes Highlight ist das selbst gesponnene Garn aus Heidschnuckenwolle aus der Region! 
Auch werden die Werkstätten mit 100 Prozent Ökostrom betrieben. 

Dienstag, 11. August 2020

Neuzugang im Handwerksmuseum

 Alte Buchdruckmaschine aus Uelzen zieht nach Suhlendorf um

Am 1. August 1926 gründete der Buchdruckermeister Hermann Meyer in Uelzen in der Rademacherstraße 9 eine Druckerei. Am 10. Februar 1995 sah sich Enkel Folkert Frels als Betreiber der Druckerei in dritter Generation gezwungen, den Handwerksbetrieb aufzugeben. Die kleine Druckerei war, wie so viele andere, von der technischen Entwicklung überholt worden. „Jeder hatte seinen eigenen Drucker auf dem Schreibtisch und brauchte nicht mehr den Drucker nebenan“, erinnert er sich mit Wehmut an den Tag der Betriebsaufgabe. Nun, ein Vierteljahrhundert später, zeichnet sich ab, dass es für eine der einst vier Heidelberger Buchdrucktiegel im Betrieb eine Zukunft geben wird. 

Die unter Druckern "Windmühle" genannte Druckmaschine. Auf der Plakette "110 Jahre Heidelberger Druckmaschinen" (rechts im Bild) ist "Gott gruss' die Kunst" zu lesen – so grüßten sich die Buchdrucker.
  Foto: Folkert Frels 

Unter den 24 Werk- und Arbeitsstätten auf dem Gelände des Handwerksmuseums Suhlendorf, in denen zahlreiche Handwerksberufe und ihre Entwicklung in den vergangenen hundert Jahren gezeigt und dokumentiert werden, befindet sich seit einiger Zeit auch eine Buchdruckerwerkstatt. Diese erhält nun von Folkert Frels den einen aus Nostalgie-Gründen behaltenen Heidelberger Tiegel, der irgendwann um 1963/64 als Neuteil in der Druckerei Meyer aufgestellt worden war, als Dauer-Leihgabe. Dazu ein komplettes, mit Schriften in unterschiedlichen Größen gefülltes Schriftregal und eine Papier-Schneidemaschine. 

Das Farbwerk der alten Druckmaschine. Foto: Folkert Frels

Das Museum wurde 1974 gegründet mit dem Schwerpunkt „Mühlenhandwerk“. So ganz weit weg ist der Bezug zu den Mühlen nicht – verdankt der Original Heidelberger Tiegel (OHT) seinen propellerförmigen Greifern doch den Spitznamen „Windmühle“. 1921 ging der Tiegel bei der damaligen Schnellpressenfabrik AG Heidelberg in Serie, wurde ab 1926 am Fließband gefertigt. Keine andere Druckmaschine hat den industriellen Buchdruck des 20. Jahrhunderts so geprägt wie dieser Tiegeldruckautomat. Ein besonderes Merkmal der Maschine ist das charakteristische Schnaufen der pneumatischen Sauger, mit denen der Bogen im Anleger angehoben wird, an die windmühlenartigen Greifer übergeben und nach dem Druckvorgang wieder abgelegt wird. Interessierte Besucherinnen und Besucher werden nach dem Wieder-Aufbau der Maschinen im Handwerksmuseum den Drucker Norbert Knoblauch daran arbeiten sehen können. Derzeit allerdings ist er noch damit beschäftigt, zusammen mit Sven Frels, dem Urenkel des einstigen Druckereigründers, den Tiegel und die Schneidemaschine zu zerlegen und für den Transport aufzubereiten.

Druckmaschine
Am Zerlegen der Druckmaschine für den Transport ins Handwerksmuseum beteiligten sich (von links): Norbert Knoblauch, Klaus Friedrich, Tiedeke Heilmann und (hockend) Sven Frels. Foto: Folkert Frels

Mit Folkert Frels, dem daran gelegen ist, die Tradition des Buchdrucks zu bewahren, freut sich Tiedeke Heilmann vom Museumsverein Suhlendorf darüber, dass das Handwerksmuseum mit dem rund 55 Jahre alten Buchdrucktiegel demnächst einen weiteren Anziehungspunkt haben wird – auch wenn diese Maschine vom Alter her nicht mit der über 200 Jahre alten Bockwindmühle "Auguste" mithalten kann, die, für ihr Alter erstaunlich munter, nach wie vor Korn zu Mehl verarbeitet. 

Montag, 10. August 2020

Kultur auf Rädern

Mit Chanson, Märchen und Tanz: Künstler machen auf dem Weg von München nach Sylt Station in Müden an der Örtze 

Not macht erfinderisch: Wenn das Publikum aufgrund der Coronavirus-Pandemie nicht – oder nur mit Beschränkungen – in die Theater, Konzertsäle und Kleinkunstbühnen kommen kann, dann kommen die Künstlerinnen und Künstler zum Publikum. Vom 4. August an fahren drei Künstlerinnen und Künstler und ein Kameramann mit dem Fahrrad in Süd-Nord-Richtung von München nach Sylt durch Deutschland und zeigen unterwegs auf verschiedenen Bühnen ein spannendes Programm voller Märchen, Musik und Tanz.

Am Freitag, 28. August, machen die Kulturreisenden um Kim Mira Meyer gegen 17 Uhr mit ihrem rund einstündigen Programm Station auf dem Winkelhof in Müden an der Örtze. Die Tänzer und Schauspieler möchten sich der allgemein spürbaren Unsicherheit mit Liedern, Texten, Tanz und viel Lebensfreude entgegenstellen. Im Zentrum der Aufführungen stehen Chansons der Sängerin Mira, deren neues Album „Fernweh“ im August erscheint. Die Lieder erzählen von Erlebnissen und Begegnungen auf ihrer Reise durch ferne Länder im vergangenen Jahr. Im Winkelhof in Müden wird das Programm von Thomas Matschoss, Schauspieler aus der Lüneburger Region, gelesen und unterstützt. Außerdem gibt es Tanz, Musik und hoffentlich viele spannende Begegnungen mit kulturhungrigen Menschen jeden Alters.


Die Aufführung steht ganz im Sinne von Spontanität und ungewöhnlichen Momenten: Wie und wo die Aufführung auf dem Winkelhof realisiert wird, hängt ganz vom Wetter und der Anzahl der Zuschauer ab. Um die Hygieneauflagen zu Zeiten von Corona erfüllen zu können, ist es zwingend erforderlich, unter Angabe von Namen, Adresse und Telefonnummer einen Platz vorab zu reservieren. Bei schönem Wetter oder leichtem Regen (Regenschirme mitbringen) wird draußen gespielt. Bei Dauerregen können nur die ersten 40 Personen eingelassen werden, da dann die Aufführung im Hofcafé stattfinden wird, ansonsten warten 60 Stühle auf Kulturhungrige.


Der Eintritt ist frei, jedoch freut sich das junge Schauspielerteam auf einen prall gefüllten Hut am Ende der Aufführung, Flaschengetränke können erworben werden. Parkplätze für Autos stehen im Dorf zur Verfügung, Radfahrende können auf dem Hof parken. Platzreservierungen (zwingend erforderlich) sind ab sofort unter Telefon 0176 36582430 oder mit E-Mail an kimmirameyer@icloud.de möglich. Weitere Informationen unter www.momentbuehne.com 



Donnerstag, 6. August 2020

Blühende Blumen, dicke Bohnen und Altmärker Braunkohl

Blick in den Hausgarten des Brümmerhofes

Jarek Kosiello kümmert sich seit vielen Jahren um den Garten des Brümmerhofes. Er könnte noch Helfer gebrauchen.
Foto: Christine Kohnke-Löbert
Gelb und orange leuchtende Ringelblumen setzen fröhliche Farbtupfer. Verspielt ranken sich die Blüten der Kapuzinerkresse aus dem Beet heraus und die zartlila Rose hat einen Ehrenplatz: Sie ist in der Mitte eines kleinen, zentral gelegenen Rondells gepflanzt und nimmt damit im Hausgarten des Brümmerhofes im Museumsdorf Hösseringen einen besonderen Platz ein. Doch Museumsmitarbeiter Jarek Kosiello, der sich seit vielen Jahren um die Gärten und Außenanlagen des Freilichtmuseums kümmert, hat eine andere, weit weniger spektakulär aussehende Pflanze im Blick: „Diesen Braunkohl ziehen wir schon seit mehr als 30 Jahren im Museumsgarten“, erzählt er und weist auf die großblättrigen, jetzt aber ein wenig zerrupft wirkenden Pflanzen. Und dieser Kohl ist tatsächlich etwas ganz Besonderes, denn es handelt sich um eine alte Sorte aus der Altmark, die mit ihrem Anbau im Museumsdorf bewahrt und ansonsten kaum noch kultiviert wird. Deshalb muss der Museumswart den Samen auch selbst ziehen. „Der Braunkohl, in der Lüneburger Heide auch Grünkohl genannt, ist zweijährig“, erzählt er. Erst im zweiten Jahr nach der Aussaat können die Samenkörner geerntet werden, was in diesem Jahr bereits geschehen sei. „Der Altmärker Braunkohl wird bis zu zwei Meter hoch“, erklärt Jarek Kosiello, heutige Sorten kämen da bei weitem nicht mit.

Nicht nur die Besucherinnen und Besucher des Museumsdorfes, sondern auch die Schmetterlinge freuen sich über die Blütenpracht im Garten des Brümmerhofes. Foto: Christine Kohnke-Löbert
Der Hausgarten des Brümmerhofes ist nach Vorbildern aus der Zeit um 1900 angelegt, damals wurden mit dem Aufkommen des Jugendstils auch in ländlichen Gärten symmetrische Formen modern. So ist er in einzelne Areale gegliedert, die von Buchsbaumhecken begrenzt werden. Doch diese machen dem Gärtner Sorgen, denn auch sie bleiben von der grassierenden Pilzkrankheit nicht verschont. Jarek Kosiello hat es durch starkes Zurückschneiden versucht und hier und da schlagen tatsächlich frische grüne Triebe aus. Nun muss abgewartet werden.

Die Kapuzinerkresse wuchert üppig, während die vom Pilz befallenen Buchsbaumhecken kümmern. 
Foto: Christine Kohnke-Löbert
Vorn im Garten sind die Kräuterbeete angelegt, denn auf ihre Küchenkräuter musste die Hausfrau ja schnell Zugriff haben. Basilikum, Thymian, Kresse und Koriander wechseln sich mit Bohnenkraut und Dill ab, bei den Mehrjährigen punkten Lavendel und Rosmarin. Poree, Sellerie, Spinat und Mangold werden ebenfalls angebaut, und hinter Radieschen und Steckzwiebeln leuchten Studentenblumen. Besonders interessant aber sind die „Dicken Bohnen“, denn diese können durch Knöllchenbakterien Stickstoff aus der Luft binden und damit den Boden aufwerten. „Bohnen gehören zu den Leguminosen und wurden wegen ihres hohen Proteingehaltes früher viel angebaut. Heute sieht man die Dicken Bohnen in der Heide nicht mehr oft“, weiß der Museumswart, der von Besucherinnen und Besuchern oft gefragt wird, was denn mit der Ernte passiere. Abgeerntet wird der Garten niemals ganz, denn es ist ja ein Schaugarten für die Museumsgäste. Doch den einen oder anderen Kohlkopf nehmen sich die Gartenhelfer mit. Einen solchen könnte Jarek Kosiello als Unterstützung gerade gut gebrauchen. „Ein lebendiger Garten muss täglich bewirtschaftet werden“, erzählt er, „da sind helfende Hände immer willkommen.“

Bohnen ranken zwischen den Blumenbeeten. Foto: Christine Kohnke-Löbert
Der Besitzer des Brümmerhofs war ein Heidebauer. Mehr über die Heide können die Besucherinnen und Besucher des Museumsdorfes nicht nur in der Dauerausstellung zu dem Thema erfahren, sondern auch bei der Heideführung am Freitag, 21. August. 
Das Museumsdorf Hösseringen hat dienstags bis sonntags von 10:30 Uhr bis 17:30 Uhr geöffnet. Das aktuelle Veranstaltungsprogramm ist auf der Internetseite www.museumsdorf-hoesseringen.de zu finden.

Dienstag, 28. Juli 2020

Raus in den Wald!

Ferienprogramm für Kinder im August

Raus in den Wald! Das ist das Motto der diesjährigen Waldtage im Waldpädagogikzentrum Ostheide im ehemaligen Forsthaus Siedenholz bei Unterlüß. Für interessierte Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren bietet Waldpädagogin Katrin Blumenbach an fünf Tagen im August ein halbtägiges Waldentdeckerprogramm an.

Im Wald gibt es viel zu entdecken.                                                               Foto: Niedersächsische Landesforsten

„Die Idee ist, Grundzüge der Ökologie des Waldes am Beispiel beliebter Tiere zu erforschen“, so Blumenbach zu ihrem Ferienprogramm. „Dabei kommen aber auch Bewegung im Wald, Spielen und gemeinsames Bauen von Waldhütten oder Fledermauskästen oder Schnitzen und Basteln nicht zu kurz.“ Die Waldentdeckertouren beginnen am 6. August mit dem Thema Fledermäuse, am 10. August geht es um Greifvögel und Eulen und am 14. August wird die Lebensweise von Dachs und Fuchs erforscht. Auf die Pirsch nach Reh und Hirsch kann man am 18. August gehen und am 25. August geht es um Insekten im Lebensraum Wald. Die Veranstaltungen finden in Zusammenarbeit mit dem Waldpädagogikzentrum Ostheide der Niedersächsischen Landesforsten statt. 

Katrin Blumenbach.
Foto: privat

Katrin Blumenbach ist zertifizierte Waldpädagogin aus Hermannsburg und seit neun Jahren für die Landesforsten aktiv. Sie wird bei den Veranstaltungen von Ralf Frommhagen unterstützt, der als Waldpädagoge seit zwei Jahren mit dem Waldpädagogikzentrum zusammenarbeitet.
„Wir können die Veranstaltungen in diesem Jahr kostenfrei anbieten, dank eines Förderprogrammes aus dem Kultusministeriums“, freut sich Katrin Blumenbach, die darauf hinweist, dass auch mehre Themen gebucht werden können.

INFO
Treffpunkt Waldpädagogikzentrum Ostheide, Siedenholz 1, 29345 Unterlüß
Dauer: von 9 bis 13 Uhr
Zielgruppe: Kinder der Klassenstufen 1–6 (6 bis 12 Jahre)
Teilnahme kostenlos. Trinkflasche und Frühstück sind mitzubringen
Notwendig ist zweckmäßige dem Wetter angepasste Kleidung und festes Schuhwerk
Anmeldung: Katrin Blumenbach, Telefon 05052/5429411 oder per Mail: info@wald-events.de

Mehr Forstpersonal gefordert

13 Millionen Kubikmeter Schadholz in Niedersachsens Wäldern 

Klimanotstand im Wald: Immer mehr heimische Bäume könnten Dürren, Stürmen und Schädlingen zum Opfer fallen – wenn nicht deutlich mehr für den klimagerechten Umbau der Wälder getan wird. Davor warnt die Gewerkschaft IG BAU und fordert zusätzliches Forstpersonal – besonders auch für die waldreiche Südheide. „Seit Jahren erleben wir einen besorgniserregenden Personalabbau im Forst. Zur Borkenkäferbekämpfung haben die niedersächsischen Landesforsten bislang lediglich einige befristete Förster eingesetzt. Qualifizierte Forstwirtstellen wollen sie weiterhin abbauen. Dem Ausmaß der Schäden wird mit diesen personalpolitischen Maßnahmen in keiner Weise Rechnung getragen“, kritisiert der Bezirksvorsitzende der IG BAU Nord-Ost-Niedersachsen, Dieter Großmann.

Dürre, Hitze und Stürme setzen dem Wald zu. Besonders stark geschädigt sind die nicht mehr zeitgemäßen Monokulturen. Die IG BAU fordert mehr Forstpersonal, um den klimagerechten Umbau heimischer Wälder voranzubringen. Foto: IG BAU

Nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums dürften in Niedersachsen 2018 bis 2020 insgesamt rund 13 Millionen Kubikmeter Schadholz anfallen. Extreme Wetterlagen und Schädlinge wie der Borkenkäfer werden demnach bis Jahresende eine Waldfläche von 26.300 Hektar vernichtet haben.
„Auch wenn zuletzt mehr Regen fiel als in den Vorjahren, bleibt die Lage für die Bäume dramatisch. Neben den besonders anfälligen Reinbeständen aus Fichten und Kiefern trifft es mittlerweile sogar die Buche“, so Großmann. Diese seit Jahrtausenden in Deutschland heimische Art leide zunehmend unter ausgetrockneten Böden und Pilzbefall. Um die Wälder für den Klimawandel zu wappnen, müssten weiter Mischwälder angelegt und klimabeständige Baumarten angepflanzt werden.
Bei solchen klimastabilen Wäldern gehe es darum, weiterhin den heimischen Rohstoff Holz zu produzieren, an dessen Pflege, Nutzung und Weiterverarbeitung viele Arbeitsplätze in der Region hängen „Der Waldumbau ist jedoch eine Mammutaufgabe, für die es viel mehr Förster und Forstwirte braucht als bislang. Betriebe sollten deshalb auch mehr ausbilden und Azubis übernehmen“, betont der Gewerkschafter.

Donnerstag, 16. Juli 2020

Traumjob für Arne Sengpiel

Der 45-jährige Lüneburger ist neuer Leiter des Forstamtes Unterlüß

Der bisherige Leiter des Forstamtes Unterlüß, Hans-Martin Hauskeller, ist als Abteilungsleiter für Wald und Umwelt in die Betriebsleitung der Niedersächsischen Landesforsten nach Braunschweig gewechselt. Zum 1. Juli hat sein Nachfolger, Arne Sengpiel (45) die Leitung des Forstamtes Unterlüß übernommen. Auch die beiden anderen Stellen in der Forstamtsleitung sind neu besetzt:
Georg Deeken (61), bisher Verwaltungsdezernent im Forstamt Unterlüß, wechselt auf den Posten des Betriebsdezernenten, den die bisherige Inhaberin Lena Maack mit ihrem Wechsel als neue Leiterin des Forstamtes Rotenburg freigemacht hat. Christina Wolgast (55) ist die Nachfolgerin von Georg Deeken als neue Verwaltungsdezernentin.

Das neue Leitungsteam im Forstam Unterlüß (von rechts): Arne Sengpiel, Georg Deeken und Christina Wolgast.
Foto: Knut Sierk / Niedersächsische Landesforsten
Arne Sengpiel wechselte aus der Betriebsleitung der Niedersächsischen Landesforsten in Braunschweig, wo er Controlling und Rechnungswesen verantwortete, ins Forstamt Unterlüß. Arne Sengpiel stammt aus einer Försterfamilie. Geboren in Südniedersachsen, wuchs er in Lüneburg auf, wo er bis heute mit seiner Familie lebt. Er studierte Forstwissenschaften in Göttingen und Schweden und beendete sein Studium mit dem Diplom in Freiburg. Nach seinem Referendariat bei den Niedersächsischen Landesforsten arbeitete er zunächst als freiberuflicher Forsteinrichter, als Holzeinkäufer für den japanischen Markt sowie als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Göttinger Institut für forstliche Arbeitswissenschaften. Seit 2010 ist er bei den Niedersächsischen Landesforsten angestellt. Nach Stationen in Wolfenbüttel und Braunschweig freut er sich jetzt auf seine neue Aufgabe als Forstamtsleiter im Forstamt Unterlüß: „Ich hatte bereits durch die berufliche Tätigkeit meines Vaters schon früh erste Kontakte ins Forstamt Unterlüß, später als Forsteinrichter war ich unter anderem für die Inventur und Planung der heute zum Forstamt gehörenden Revierförsterei Ringelah zuständig. Dass ich jetzt dieses mir schon in Teilen vertraute Forstamt leiten darf, ist ein Traum. Kaum ein anderes Forstamt der Niedersächsischen Landesforsten verfügt über eine solche waldbauliche Vielfalt und Mannigfaltigkeit an Aufgaben wie das Forstamt Unterlüß.“

Die Waldflächen des Forstamtes Unterlüß umfassen 18.500 Hektar, davon sind 7.250 Hektar Naturschutz- und Natura-2000-Gebiete. Sie verteilen sich auf acht Revierförstereien in den Landkreisen Celle, Gifhorn und Uelzen. Zudem betreibt das Forstamt einen modernen Maschinenbetrieb und ist als ein Standort des Waldpädagogikzentrums Ostheide ein wichtiger Ort für praktisch erlebbare Umweltbildung.  

Georg Deeken wechselt innerhalb des Forstamtes lediglich seinen Dienstposten; seit 2005 war er Büroleiter des Forstamtes Unterlüß, jetzt übernimmt er Aufgaben als Betriebsdezernent und stellvertretender Forstamtsleiter. Georg Deeken ist in Hankensbüttel aufgewachsen. Nach seinem Forstwirtschaftsstudium in Göttingen hat er verschiedene berufliche Stationen und Funktionen in unterschiedlichen Dienststellen u. a. in Knesebeck sowie dem Elm durchlaufen. Sein Interesse an der Forstpolitik und seine hohe soziale Kompetenz haben dazu geführt, dass er 15 Jahre lang dem Gesamtpersonalrat der Niedersächsischen Landesforsten angehörte. In dieser Funktion setzte er sich sehr für die Belange seiner Berufskollegen ein. Georg Deeken resümiert: „Durch die verschiedenen Funktionen konnte ich vielfältige Erfahrungen in den unterschiedlichsten Aufgabenbereichen bekommen, das hilft mir jetzt. Ich bin in Unterlüß nun schwerpunktmäßig für den Forst- und Jagdbetrieb zuständig. Das sind zwei Kernaufgaben, die im Wald zusammengehören. Ein standort- und klimaangepasster Waldumbau funktioniert nur, wenn wir auch angepasste Wildbestände im Blick haben“.

Christina Wolgast hat seit dem 1. Juni dieses Jahres die Aufgaben der Verwaltungsdezernentin im Forstamt Unterlüß inne. Die in Gartow beheimatete Expertin bringt für ihre neue Aufgabe viel Erfahrung mit. Nach ihrem Forstwirtschaftsstudium in Göttingen und dem anschließenden Vorbereitungsdienst war sie von 1991 bis 2004 in den ehemaligen Forstämtern Bleckede und Dannenberg tätig. Seit Gründung der Niedersächsischen Landesforsten im Jahr 2005 war sie in der Betriebsleitung in Braunschweig zunächst als Sachbearbeiterin im Controlling tätig, übernahm dann die Leitung der Internen Revision und leitete zuletzt das Sachgebiet Finanzmanagement. Christina Wolgast fasst zusammen: „Die Arbeit in der Betriebsleitung hat mir immer sehr viel Freude gemacht, aber ich wollte gerne zurück ins operative Geschäft eines Forstamtes. Ich freue mich über die besonderen Herausforderungen dieser neuen Aufgabe und über die Themenvielfalt. Mit der erfolgreichen Bewerbung bot sich mir außerdem die Gelegenheit einen etwas heimatnäheren Arbeitsplatz zu übernehmen. Zurzeit ist jeder Tag neu und spannend. Die größte Herausforderung werden die zahlreichen Grundstücksangelegenheiten sein. Aber erst einmal möchte ich das Forstamt kennenlernen, dazu möchte ich die jetzt anstehenden Planbereisungen nutzen, um mir einen Überblick über die Reviere zu verschaffen“. 

Freitag, 26. Juni 2020

Kleine Raupen, große Sorgen

Niedersächsische Landesforsten warnen vor dem Eichenprozessionsspinner im Bobenwald

Der Eichenprozessionsspinner breitet sich immer weiter aus. Das Insekt hat sich in den vergangenen 15 Jahren in vielen Bereichen in Niedersachsen stark in den Eichenwäldern vermehrt.
Der Eichenprozessionsspinner profitiert von den hohen Temperaturen der vergangenen Jahre und vermehrt sich weiter – auch, weil er kaum natürliche Gegenspieler hat. Insbesondere bei hohen Dichten und wenn die Raupen mehrere Jahre in Folge fressen, werden die Eichen stark geschwächt und können dann sogar absterben.

Die Raupen des Eichenprozessionsspinners leben gesellig. Auf Nahrungssuche wandern sie in Gruppen im "Gänsemarsch" oder wie bei einer Prozession hintereinander her. Die älteren Raupen ziehen sich tagsüber zur Häutung in Raupennester zurück. Diese sogenannten Gespinste können bis zu einem Meter lang werden. Sie sitzen am Stamm oder in Astgabelungen von Eichen. Foto: Niedersächsische Landesforsten
In den vergangenen Tagen sind auch im Bobenwald bei Ebstorf einige Nester dieser Raupen entdeckt worden. Das betroffene Waldstück Tannenworth wird von Waldbesuchern intensiv genutzt, auch viele Kinder spielen dort. Das Niedersächsische Forstamt Oerrel warnt jetzt vor den Raupen des Eichenprozessionsspinners,  da diese giftige Brennhaare besitzen, die bei empfindlichen Personen zu Hautrötungen und Atembeschwerden führen können. Auch Tiere (Hunde, Pferde) können stark betroffen sein, wenn sie mit Brennhaaren in Kontakt kommen.
 „Im Bobenwald ist der Eichenprozessionsspinner nun auch angekommen. Die jetzt erkannte Population ist allerdings noch sehr klein“ erklärt Forstamtsleiter Dr. Michael Habermann vom Niedersächsischen Forstamt Oerrel.
Der zuständige Förster Malte Dicke und das Forstamt wissen um die Vorkommen und bitten von weiteren Meldungen besorgter Bürger abzusehen. Auch Bürgermeister und Gemeinde sind bereits informiert. Im betroffenen Gebiet werden in Kürze entsprechende Warnschilder aufgestellt. Waldbesucher sollten den Kontakt mit den Raupen oder Nestern des Prozessionsspinners meiden, auf den Wegen bleiben und zu erkannten Nestern oder Raupenprozessionen unbedingt einen ausreichenden Sicherheitsabstand einhalten.
 „Anders als in Parks oder entlang von Straßen können wir die Nester und Raupen im Wald nicht vom Boden aus absaugen“ so Michael Habermann weiter. „Wir bitten alle Waldbesuchenden von den Raupen des Eichenprozessionsspinners respektvollen Abstand zu halten.“

Die feinen Brennhaare der Raupe enthalten ein Eiweißgift, das bei Menschen Hautrötungen und Atemnot auslösen kann. Foto: Niedersächsische Landesforsten 

Dienstag, 23. Juni 2020

Volksbegehren Artenvielfalt

Aktionsbündnis Celle sammelt ab sofort Unterschriften für mehr Artenschutz in Niedersachsen

„Ab sofort kann unterschreiben, wer Tier- und Pflanzenarten in Niedersachsen besser schützen will!“, sagt Andrea Pohlen von der Aktionsgruppe zum Volksbegehren aus dem Landkreis Celle. „Wir müssen jetzt handeln, um das Artensterben in Niedersachsen zu stoppen. Klimakrise und Artensterben machen keine Pause“, so Andrea Pohlen. „Die Hälfte von 11.000 Tier- und Pflanzenarten in Niedersachsen sind bedroht. Das Bienen- und Insektensterben ist dramatisch, es fehlt ihnen in unserer ausgeräumten Landschaft an ausreichend Lebensraum. Um die Artenvielfalt in Niedersachsen zu sichern, brauchen wir bessere gesetzliche Regelungen. Die legen wir mit dem Volksbegehren vor.“ Insgesamt braucht es rund 610.000 gültige Unterschriften für ein erfolgreiches Volksbegehren.

Der Kaisermantel (Argymnis paphia) ist noch recht häufig, aber die Artenvielfalt nicht nur bei den Schmetterlingen nimmt dramatisch ab.  Foto: W. Könecke / NABU
In den vergangenen Wochen seien bereits über 200.000 Unterschriftenbögen in Niedersachsen verschickt worden, und die Nachfrage sei ungebrochen groß.
Auch im Landkreis Celle gibt es einige feste Anlaufstellen, bei denen man unterschreiben und auch Listen erhalten kann. Hierzu zählen das "Kurzweil" in Hermannsburg, der Hofladen Hilke Kruse und der Schreibwarenladen Lüchau in Eschede, der Habighorster Saftladen in Habighorst, NABU Gut Sunder in Winsen/Meißendorf, das NABU Büro und das Grüne Büro in der Stadt Celle. Weitere Informationen hierzu sind auch unter Telefon 05141 2996284 erhältlich. Listen können auch direkt per Mail unter material@artenvielfalt-niedersachsen.jetzt bestellt werden, sie werden dann kostenlos zugeschickt.
Wichtig: Das Unterschreiben ist nur auf den Original-Unterschriftenbögen gültig. Online kann man nicht unterschreiben, auch Kopien sind nicht zugelassen. Pro Bogen sind nur Unterschriften aus der gleichen Gemeinde gültig. Das Abtrennen der Deckblätter macht die Unterschriften ungültig. 
Ausgefüllte Listen sind bei den jeweils zuständigen Einwohnermeldeämtern der Gemeinden abzugeben oder können direkt an das Volksbegehren geschickt werden (Volksbegehren Artenvielfalt.Jetzt!, Alleestr. 36, 30167 Hannover). Auch viele Ortsgruppen der Grünen oder des NABU nehmen die Listen entgegen.
Hintergrund: 
Als InitiatorInnen haben das Volksbegehren Artenvielfalt unterschrieben: Klaus Ahrens, Vizepräsident des Deutschen Berufs- und Erwerbs-Imkerbundes, Dr. Nick Büscher und Dr. Holger Buschmann vom NABU sowie Hans-Joachim Janßen und Anne Kura von den niedersächsischen GRÜNEN. Weitere über 130 Bündnispartner, darunter der BUND, der WWF, Die Linke, die ÖDP sowie Imkerverbände, Vereine und Unternehmen unterstützen das Volksbegehren. Aufgrund der coronabedingten Einschränkungen war der Start des Volksbegehrens im März zunächst verschoben worden. Unter Beachtung der coronabedingten Abstands- und Hygieneregeln sammelt das Bündnis jetzt seit Anfang Juni Unterschriften. Alle Informationen rund um das Volksbegehren gibt es auch online unter www.artenvielfalt-niedersachsen.jetzt

Freitag, 19. Juni 2020

Das neue Heft ist da

Pünktlich zum kalendarischen Sommeranfang erscheint am Sonnabend, 20. Juni, das neue Calluna-Heft. Alle Abonnentinnen und Abonnenten werden das Heft in den nächsten Tagen in ihren Briefkästen finden. Ebenfalls am Sonnabend beginnt die Verteilung der Hefte an die mehr als 350 Auslagestellen in der Südheide. Wenn Sie nicht warten möchten, können Sie hier das Heft direkt bestellen, gerne auch in größerer Stückzahl, um vielleicht Ihren Nachbarn damit eine kleine Freude zu machen. Der Versand erfolgt umgehend nach Bestelleingang per Post.

Möchten Sie das Südheide-Magazin ab dem aktuellen Heft regelmäßig alle drei Monate druckfrisch ins Haus geliefert bekommen? Schicken Sie uns einfach eine E-Mail mit der gewünschten Lieferadresse an abo(at)calluna-magazin.de. Das Abo kostet 10 Euro pro Jahr (4 Hefte). Die Mindestbezugsdauer beträgt ein Jahr. Danach können Sie das Abo jederzeit formlos zum Quartalsende kündigen. Sie haben schon ein Abo? Gut, aber vielleicht möchten Sie noch eins oder mehrere verschenken – als kleine Aufmerksamkeit zum Geburtstag oder einfach nur als Dankeschön.
Übrigens: Abonnentinnen und Abonnenten können bereits vor Erscheinen des gedruckten Heftes online über ihren Zugang zum CallunaPlus-Bereich darin blättern und lesen. 

Donnerstag, 18. Juni 2020

Jazz unter alten Eichen

Jahrmarkttheatersommer beginnt mit Konzert

Die Open Air-Theater Saison startet in Bostelwiebeck bei Altenmedingeng mit großer Musik im kleinen Dorf. Coronabedingt musste der Jahrmarkttheatersommers 2020 zwar etwas umgestaltet werden, dafür aber beginnt er früher als geplant. Am Freitag, 3. Juli, spielt von 19:30 Uhr an das Hans Anselm Quintetts aus Berlin auf dem Theaterhof. Die fünf Musiker*innen waren schon öfter beim Jahrmarkttheater zu Gast, aber vor dem abendlichen Himmel unter den alten Eichen haben Sie noch nie gespielt. Mit Klavier, Trompete, Schlagzeug, Bass und Gitarre präsentieren Sie ihren abwechslungsreichen Jazz, mal euphorisch energetisch, mal melancholisch dunkel oder zerbrechlich zart. Hochemotionale Musik mit Blick auf die langsam untergehende Sonne! Damit eröffnet das Jahrmarkttheater seinen ersten Theatersommer in Bostelwiebeck, bevor es dann mit den Proben zu “Das Gute-Jahrmarkttheater im Ausnahmezustand” weitergeht. Acht Schauspieler*innen und Musiker*innen feiern zusammen mit dem Publikum ab dem 30. Juli vier Abende lang das Gute in all seinen Erscheinungsformen.

Das Hans Anselm Quintett spielt in Bostelwiebeck. Foto: Bert Brüggemann
Der Eintritt für das Konzert ist frei, aber das Jahrmarkttheater stellt einen Hut für einen solidarischen Unterstützungsbeitrag für die Musiker*innen auf. Eine Anmeldung unter 05807 97 99 71 oder mit E-Mail an karten@jahrmarkttheater.de ist erforderlich.
 Selbstverständlich findet das Konzert unter den geltenden Hygiene- und Abstandsregeln statt. Bei schlechtem Wetter fällt es aus.

Mittwoch, 17. Juni 2020

Revitalisierung im Unterlauf der Wietze

Naturschutzmaßnahmen im Rahmen des Barben-Projektes
 
Die Aktion Fischotterschutz hat gemeinsam mit dem Unterhaltungsverband 46 Wietze (UHV Wietze), mit Unterstützung der Wintershall Dea Deutschland und des Zweckverbands Abfallwirtschaft Celle eine Maßnahme zur Erhöhung der Lebensraumvielfalt in der Wietze umgesetzt. Das geschah im Rahmen des Projektes Artenvielfalt in der Aller – Neue Lebensräume für die Barbe.

Es rauscht und strömt wieder an der Wietze. Der Einbau von Lenkbuhnen hat die Strömungs- und Tiefenvielfalt deutlich erhöht. Foto: Aktion Fischotterschutz e.V.

Einst floss die Wietze durch das produktivste Erdölfördergebiet Deutschlands. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte sich hier eine Industrie aus Bohrtürmen, Raffinerie, Bahnhof und Hafen, um das hier vorkommende Rohöl zu fördern, zu verarbeiten und abzutransportieren. Heute sind oberflächlich nur noch Spuren dieser Industrie zu finden. So ist es auch nicht verwunderlich, dass die Wietze in diesem Gebiet stark zu Gunsten der menschlichen Nutzung verändert wurde und sie sich in keinem natürlichen Zustand mehr befindet. Das stellenweise viel zu breite Profil des ausgebauten Gewässers führte dazu, dass die Wasserstände bei Niedrigwasser so gering waren, dass größere Fische die Wietze stellenweise nicht mehr passieren konnten. Hinzu kam, dass die Gewässersohle aus sehr feinem und mobilem Sand bestand. Dieser Treibsand überlagert wichtige Hartsubstrate wie Kies und Totholz, aber auch im Gewässer wachsende Pflanzen. Die Entstehung wichtiger Strukturen für Kleinlebewesen und Fische wurde dadurch stark reduziert.
Dennoch konnte im Unterlauf der Wietze in den vergangenen Jahren eine Vielzahl von Fischarten, darunter auch die anspruchsvolle Barbe, nachgewiesen werden. In Kooperation mit dem Unterhaltungsverband 46 „Wietze“ und in enger Zusammenarbeit mit der Wintershall Dea wurde mit Einwilligung der Gewässer- und Flächeneigentümer nun auf einer Gewässerstrecke von über 150 Metern die Lebensraumvielfalt und die für die Wanderung von Wasserorganismen so wichtige Durchgängigkeit im Unterlauf der Wietze verbessert.
Ziel der Maßnahme war es, durch den gezielten Einbau von Lenkbuhnen aus Stammhölzern, Kiesbänken und Wurzelstöcken das Gewässer stellenweise einzuengen, vertiefte Niedrigwasserrinnen zu schaffen und eine pendelnde Bewegung des Gewässers zu initiieren, welche zu der so wichtigen Strömungs- und Tiefenvielfalt eines natürlichen Flussverlaufes führt. Die so genannten Hartsubstrate, Kies und Totholz, dienen zusätzlich als Lebensraum für Kleinlebewesen und Jungfische. Eine etwa 50m² große Kiesbank bietet den aus der Aller aufsteigenden Kieslaichern wie Barbe, Bachforelle oder Neunauge ein gutes Laichhabitat. Durch die Genehmigung des Zweckverbands Abfallwirtschaft Celle konnte die Böschung durch Abtragungen an mehreren Stellen, leicht geöffnet werden. Der Fluss wurde an diesen Stellen quasi entfesselt und eine eigendynamische Entwicklung des Flussbettes ermöglicht. Insgesamt wurden 13 Baumstämme, 9 Wurzelstöcke, über 130 Tonnen Kies und elf Tonnen Stein in das Gewässer gebracht. Die Baumstämme wurden vom Niedersächsischen Forstamt Fuhrberg kostenlos zur Verfügung gestellt.
Um das gegenüberliegende Ufer vor Unterspülung zu schützen wurden aus den Kronen von Weiden sogenannte Faschinen gebunden, welche parallel zum Ufer mit Holzpfählen befestigt wurden. Das Geflecht aus Weidenzweigen vermindert nicht nur die Strömung am Ufer, sondern dient zusätzlich einer Vielzahl von aquatischen Organismen als Lebensraum. Eine Ölbarriere wurde vor Beginn der Baumaßnahme errichtet, um potenziell austretendes Öl aufzufangen. „Wir haben hier auf kleinem Raum eine Vielzahl von Habitaten geschaffen, die der Artenvielfalt in der Wietze zugutekommen werden. Die Flutrinnen, die jetzt auch bei Niedrigwasser gut durchströmt sein werden, sind für die Vernetzung der Aller mit ihrem Nebengewässer, der Wietze, unheimlich wichtig,“ merkte Sören Brose, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Aktion Fischotterschutz e.V., an.
Seitens Wintershall Dea Deutschland unterstützten Tim Müller, Anna Ruschitzka und Lutz Senning die Revitalisierungsmaßnahme: „Es freut uns, dass wir uns an dieser erfolgreichen Naturschutzmaßnahme beteiligen konnten. Damit haben wir einen natürlichen Lebensraum geschaffen, der hoffentlich schon bald von Flora und Fauna angenommen wird. Wir hoffen sehr, dass auch die Barbe wieder heimisch wird. Zum Schutz unserer Natur haben alle Beteiligten an einem Strang gezogen und ich möchte mich herzlich für die reibungslose ökologisch wertvolle Umgestaltung bedanken,“ so Senning.
Die Umsetzung eines etwa 50 Meter langen Teilstücks der Maßnahme wurde vom UHV Wietze finanziert.  Gerald Roloff, Geschäftsführer des UHV Wietze fügte hinzu: „Die Tatsache, dass das Maßnahmengebiet dem Bergrecht unterliegt und bei der Umsetzung tatsächlich mit der Freisetzung von Altlasten oder Rohöl gerechnet werden musste hat von allen Beteiligten auch viel Mut verlangt. Mit viel Engagement und guter Zusammenarbeit haben wir hier für die ökologische Entwicklung der Wietze und auch der Aller einen großen Schritt nach vorn gemacht.“

Trotz Maskenpflicht und Sicherheitsabstand konnten bei der Bauabnahme alle Beteiligten einen guten Eindruck von der gelungenen Maßnahme gewinnen. Foto: Aktion Fischotterschutz e.V.

Das Projekt Artenvielfalt in der Aller – Neue Lebensräume für die Barbe ist ein Naturschutzprojekt der Aktion Fischotterschutz e.V. Ziel des Projektes ist es, durch die Verbesserung der Gewässerstrukturen neue Lebensräume für die selten gewordene Fischart Barbe im Einzugsgebiet der Aller zu entwickeln und die biologische Vielfalt insgesamt im Gewässer zu fördern. Die Umsetzung der Naturschutzmaßnahmen erfolgt in Zusammenarbeit mit den lokalen Akteuren. Begleitet wird die Umsetzung der Naturschutzmaßnahmen durch Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung mit dem Fluss-Fisch-Mobil, das im gesamten Projektgebiet im Einsatz ist. Hiermit sollen Menschen für die heimischen Fischarten und für die Bedeutung naturnaher Fließgewässer sensibilisiert werden. Das Barben-Projekt wird über das Bundesamt für Naturschutz im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt mit Mitteln des Bundesumweltministeriums und des Landes Niedersachsen bis zum Jahr 2024 gefördert.

Dienstag, 16. Juni 2020

Eine Torflore als "stilles Örtchen"

Aus dem Schweimker Moor ins Museumsdorf Hösseringen


Das Museumsdorf Hösseringen würde gerne den Torfabbau thematisieren. "Doch bislang mangelt es an Sammlungsgegenständen“, bedauert der Dokumentar des Museumsdorfes Marten Thomsen. Nun ist die Sammlung zur Geschichte des Torfabbaus um ein stattliches Exponat bereichert worden: Eine alte Lore, stehengeblieben aus Zeiten des Torfabbaus im Schweimker Moor, wurde vor einigen Tagen in das Museumsdepot transportiert, dazu die originalen Schienen, auf denen der kleine Transportwagen einst mit seiner wertvollen Fracht unterwegs war. 

Die zuletzt als Toilettenhäuschen genutzte Torflore hängt am Haken, bereit für den Abtransport
vom stillgelegten Torfwerk ins Museumsdorf Hösseringen.
Der Torfabbau im Schweimker Moor und im Lüderbruch hat eine lange Tradition. Noch nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges stachen die Einwohner der umliegenden Dörfer an den Randbereichen des Moores in Handarbeit Soden ab, die sie trockneten und auf den Höfen als Brennmaterial verwendeten. Im Jahr 1966 begann der industrielle Abbau in größerem Stil. Zunächst wurde der maschinell gestochene Torf zur Bodenverbesserung an Privatgärten geliefert, später entwickelte sich die Herstellung von gemischten Erden als Düngemittel für den gewerblichen Gartenbau.
In den 1980er-Jahren erwarben das Land Niedersachsen und der Landkreis Uelzen die Hochmoorregion, die seither renaturiert, also wieder vernässt, wird und seit 1989 unter Naturschutz steht.
Heute erinnert nur noch das 1993 stillgelegte Torfwerk an die Zeit des Torfabbaus. Eine Schautafel am Weg zum Aussichtsturm informiert über seine Geschichte. Nun wurden die letzten beiden Loren vom Gelände des Torfwerks geholt. Eine von beiden wird in der Gemeinde Lüder bleiben und an die Zeit der Torfabbau erinnern. Die andere Lore, die ins Museumsdorf gebracht worden ist, war in den letzten Jahren des Torfabbaus nicht mehr zum Torftransport genutzt worden, sondern war von den Torfarbeitern zum mobilen Toilettenhäuschen umfunktioniert worden. „Auch das Herzchen an der Tür fehlt nicht“, schmunzelt der Restaurator des Museumsdorfes, Philipp Ramünke.
Die Lore soll vorerst nicht ausgestellt werden, sondern im Museumsdepot aufbewahrt werden. "Wie es damit weitergeht, werden wir in Zukunft entscheiden“, so Marten Thomsen.

Mittwoch, 6. Mai 2020

Verspäteter Saisonstart

Museumsdorf Hösseringen ab 9. Mai geöffnet

Ab Sonnabend, 9. Mai wird das Museumsdorf Hösseringen wieder für Besucher geöffnet sein. „Wir freuen uns, dass wir auch in dieser schwierigen Zeit wieder für unsere Gäste da sein dürfen“, sagte Museumsleiter Dr. Ulrich Brohm. Man habe Vorkehrungen getroffen, um die Besucher vor der Ansteckungsgefahr durch das Corona-Virus zu schützen. So wird das Begehen von drei kleinen Gebäuden nicht erlaubt sein. Aus diesem Grund wird der Eintrittspreis während dieser Zeit auf drei Euro reduziert. In den großen Gebäuden werden Rundgänge für die Besucher vorgegeben. Hier ist Mund-Nasen-Schutz Pflicht. Im Freigelände ist das Tragen von Mund-Nasen-Masken freigestellt, auf ausreichenden Abstand ist von jedem Besucher selbstständig zu achten.
Der für den 17. Mai geplante „Tag der Tiere“, der in diesem Jahr mit einem Markttag kombiniert werden sollte, fällt aus. „Großveranstaltungen sind nach wie vor nicht erlaubt und daran halten wir uns. Es ist für eine Kultureinrichtung wie das Museumsdorf eine schwere Entscheidung, den Besucherverkehr so stark einzugrenzen. Aber die Gesundheit ist selbstverständlich wichtiger“, so Brohm. Man richte sich auf eine reduzierte Saison ein, wolle jedoch das Beste daraus machen. „Wir richten unseren Blick nach vorne, die Arbeiten an den Gebäuden und im Freigelände gehen weiter. Auch die Sonderausstellung „Genug Wasser für die Landwirtschaft“ ist noch zu besichtigen.

Dienstag, 5. Mai 2020

Neuer Name, neues Konzept und dennoch der Tradition verpflichtet

Der Gifhorner Kreiskalender erscheint künftig im Calluna-Verlag


Um den Kreiskalender, das jährlich erscheinendes Heimatbuch, noch attraktiver zu machen und den Kreis der interessierten Leserinnen und Leser zu vergrößern, hat sich der Landkreis Gifhorn  entschlossen, künftig mit einem professionellen Partner zusammenzuarbeiten. Von der nächsten Ausgabe an wird der Kreiskalender unter dem Titel "1885" im Calluna-Verlag erscheinen. Der Landkreis Gifhorn bleibt Herausgeber.
Der Untertitel "Geschichten aus der Geschichte des Landkreises Gifhorn" macht deutlich, wohin die (Zeit-)Reise geht: Das Historische wird künftig den Themenschwerpunkt bilden.
Nachdem der ursprüngliche Zweck des Kreiskalenders, amtliche Bekanntmachungen, statistische Daten und Markttermine zu veröffentlichen und nebenbei mit Beiträgen zu gemischten Themen die Heimatliebe zu stärken und die Volksbildung zu heben, im Laufe der Zeit weitgehend weggefallen war, wurde der bisherige Titel bei Teilen des potenziellen Publikums missverstanden, sodass er seit 2017 den erklärenden Zusatz „Das Heimatbuch der Region“ trug. "Jetzt ist die Zeit reif, das Profil des Jahrbuchs weiter zu schärfen und eine solide Grundlage zu schaffen für eine gute Entwicklung in der Zukunft, ohne dabei mit der Tradition zu brechen", erklärte heute Inka Lykka Korth, die bei Calluna den Verlagsbereich betreut.
Der neue Titel „1885“ steht für das Jahr der Gründung der Landkreise Gifhorn und Isenhagen. Eine Zeitleiste auf dem Buchtitel weist weiter zurück in die Vergangenheit, reicht auf der anderen Seite aber auch bis in die Gegenwart. Der vertraute Name Kreiskalender rückt nach unten in den Fuß des Buchtitels, wo er deutlich macht, dass 2021 lückenlos an die bald 100-jährige Tradition der Heimatbücher angeknüpft wird.
Erhalten bleiben auch das Format und vorerst der für ein gebundenes Buch sehr günstige Preis von 10,90 Euro. Die Seitenzahl wird der neuen, gestrafften Konzeption entsprechend angepasst.
Wichtigste Voraussetzung für den Erfolg auch des neuen „Kreiskalenders“  bleibt die ehrenamtliche Tätigkeit der Autorinnen und Autoren. Die einzelnen Beiträge sollen großzügiger dargestellt werden, Bilder mehr Raum erhalten. Beiträge, die über die Tagespresse kommuniziert werden können, entfallen zugunsten der Fokussierung auf geschichtliche Themen, die aber gerne auch einen aktuellen Bezug haben dürfen.
Alle Autorinnen und Autoren, die sich in der Heimatforschung engagieren, sind aufgerufen,  ihre lesenswerten „Geschichten aus der Geschichte des Landkreises Gifhorn“ einzureichen, allerdings nicht mehr beim Landkreis, sondern direkt beim Calluna-Verlag,
Weitere Informationen gibt es auf der neuen Internetseite Gifhorn 1885.