Sonntag, 30. November 2014

60 Jahre Heideregion Uelzen

CHRISTINE KOHNKE / Text / Fotos
Die Tourismusorganisation Heide-Region Uelzen besteht seit 60 Jahren. Dieses Jubiläum stand im Mittelpunkt des Tourismusgespräches mit Vertretern der Tourismus- und Fremdenverkehrsverbände, des Landkreises sowie der Räte, das kürzlich im Haus am Landtagsplatz in Hösseringen stattfand. Jürgen Clauß, Geschäftsführer der HeideRegion Uelzen, unternahm eine kurzweilige Zeitreise durch 60 Jahre Tourismusgeschichte und -geschichten im Landkreis Uelzen, der Lüneburger Heide, Deutschland und der Welt.

Am Anfang war die Heide – hier die Ellendorfer Wacholderheide – das alleinige touristische Zugpferd der Heideregion Uelzen. Inzwischen ist die vor 60 Jahren gegründete Tourismusorganisation breiter aufgestellt und lockt mit einem vielfältigen touristischen Angebot.
Die landkreisweite Tourismusorganisation ist 1954 in der Wirtschaftswunderzeit als Arbeitsgemeinschaft der hiesigen Verkehrsvereine gegründet worden, um Uelzen mehr Gewicht innerhalb der Vemarktung der Lüneburger Heide zu verleihen – eine Konstellation, die in veränderter Form bis heute gültig ist. Schon damals war die Lüneburger Heide ein begehrtes Urlausbziel, die Region Uelzen warb damals insbesondere mit den beiden Klöstern und der Ilmenau. „Kreis Uelzen - Grünes Herz der Heide“ war der Slogan des noch jungen Wirtschaftszweiges.
In den Urlaub zu fahren, das wurde für viele Menschen erst nach dem Zweiten Weltkrieg möglich. 24 Prozent der Bevölkerung fuhren Mitte der 1950er Jahre in die Ferien, 15 Prozent auch schon ins Ausland. Der weit überwiegende Teil von ihnen nutzte die Bahn. Seither konnten sich die Touristiker der Region viele Jahre lang über steigende Besucherzahlen freuen. Gleichzeitig veränderten sich die Vermarkungsstrategien rasant. Typisch für die 1960er Jahre wurde der „Kaufhaustourismus“, man konnte seine Reise nun bequem beim Einkauf buchen. Die Einführung des Mindesturlaubs sollte die Reisefreudigkeit der Deutschen noch befördern. Erstmals reisen mehr Deutsche ins Ausland, doch auch für den Landkreis Uelzen sind die 1960er Jahre Aufschwungjahre, in denen reichlich investiert wird. In Uelzen wird das neue Heimatmuseum eröffnet und das Wildgatter eingerichtet, das Hallenbad Ebstorf entsteht und die Ellerndorfer Heide wird der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Entdeckung der Jod-Sole-Quelle in Bad Bevensen soll dem Tourismus der Region bald eine neue Dimension verleihen.
In den 1970er Jahren kommt es trotz Ölkrise nicht zum Einbruch der Gästezahlen, im Gegenteil. Es ist die Zeit des Massentourismus und auch Uelzen boomt mit Zuwachsraten von jährlich zehn Prozent. Es entstehen der Seepark in Bodenteich und das Museum Suhlendorf. 1975 wird das Museumsdorf Hösseringen gegründet, das sich seither zu einem der großen deutschen Freilichtmuseen entwickelt hat. Und es ist kein Ende abzusehen.
Reservierungssysteme machen den Tourimus seit den 1980er Jahren noch effektiver. Uelzen wirbt nun mit dem Slogan „Quelle zur Gesundheit - Grüne Lunge Uelzen“, was die Bedeutung Bad Bevensens im kreisweiten Kontext unterstreicht.
Die 1990er Jahre sind von Professionalisierung und Erlebnis geprägt, 1996 findet das erste Burgspektakel in Bad Bodenteich statt. Die touristische Infrastruktur wird intensiv ausgebaut, es entstehen Rad- und Wanderwegenetze. Im Rahmen des Projektes „Zeitspuren“ wird ein Führer zu den archäologischen Denkmalen des Landkreises herausgegeben. Die Urlauberzahlen können allerdings nicht gesteigert werden.
Mit dem 21. Jahrhundert zieht das Internet endgültig in den Tourismus ein, man reist nun virtuell, bevor es tatsächlich in die Ferne geht. Die internationale politische Lage führt jedoch zu Unsicherheit im Reiseverhalten und zur Rückbesinnung auf Ziele in Deutschland.
Jürgen Clauß (hinten, stehend) blickte vor Vertretern der Tourismusverbände und Kommunalpolitikern im Haus am Landtagsplatz in Hösseringen auf 60 Jahre Heidetourismus im Landkreis Uelzen zurück.
Die Heideregion Uelzen ist inzwischen zur Tagestourismus- und Naherholungsregion geworden, neues touristisches Highlight wird der Hundertwasserbahnhof. Und wieder einmal strukturiert man sich neu. Mit der Gründung der „Vitalheide“ 2013 soll mehr inhaltliche Zusammenarbeit und eine Straffung der Abläufe im Landkreis erreicht werden. Gesundheit für Körper und Seele sind nun im Trend. Es entstehen die Ebstorfer Besinnungswege sowie Nordic Walking- und Fitnessangebote. Der Radtourismus bekommt, nicht zuletzt dank der Pedelecs genannten Elektrofahrräder, eine neue Dimension.
Endlich können auch wieder steigende Besucherzahlen konstatiert werden. Darauf soll in den kommenden Jahren, insbesondere durch den weiteren Ausbau von Gesundheitsangeboten, gesetzt werden. „Wir werden noch zielgruppenorientierter arbeiten und eine klare Marksegmentierung vornehmen“, kündigte Jürgen Clauß an.

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