Montag, 14. November 2016

Erinnerungen an gestern und morgen

Ulrich Schröder stellt seinen Gedichtband „Meines Landes Mitte" vor

Ulrich Schröder beim Signieren seines Gedichtbandes "Meines Landes Mitte".
FOLKERT FRELS / Text / Foto
Alle 14 Tage treffen sie sich, um sich ihre Gedichte vorzulesen und auch zu kritisieren und zu diskutieren, was besser sein könnte: Uwe Krol, Jürgen Trumann und Dr. Ulrich Schröder. Alle drei haben unter dem Oberbegriff „Uelzener Mosaiken“ ihre Gedichte im Horst Hoffmann Verlag veröffentlicht. Als vorerst letzter nun liegt unter dem Titel „Meines Landes Mitte“ die Reime-Sammlung von Dr. Ulrich Schröder vor.
Der Titel – so der Autor in seinem Vorwort – drückt mehr aus, als nur ein Zufluchtsort in der Stille des weltabgeschiedenen Idylls zu sein: „Es ist ein Ort zum Innehalten, zum Durchatmen, zum klärenden Nachdenken über die Dinge, denen der Gedichteschreiber nur scheinbar fern ist.“
Am Sonnabend stellte er diesen Gedichtband in der Bücherei für Stadt und Kreis Uelzen vor.  Doch las er nicht nur aus diesem Büchlein, auch aus den vorher bereits veröffentlichten Bänden trug er vor. Darüber hinaus hatte er seine Gitarre dabei und hängte sie sich immer mal wieder um, begleitete seine im Stile eines Reinhard Mey gehaltenen Lieder über die Liebe, über das Erwachsen-werden und das Alter. Auch seine Gedichte pendeln zwischen den Generationen, schlagen Brücken wie beispielsweise der „Gereimtheiten“ betitelte Vierzeiler:
Mach ich mir einen Reim auf Tugend,
denk ich an Sünden meiner Jugend
und weiß auf manche Jugendsünden
noch immer einen Reim zu finden.
1943 ist Schröders Geburtsjahr, er wuchs in Uelzen auf – so mancher seiner Zuhörer mag die Orte wiedererkannt haben, die er in Gedichtform festhält. Doch auch in der Geographie seiner späteren Heimat, dem Wendland, ist er zu Hause. Dem Gauß-Stein auf dem Pugelatz z. B. hat er ein literarisches Denkmal gesetzt. Carl-Friedrich Gauß, der große deutsche Mathematiker, hatte zwischen 1818 und 1826 den Auftrag, zwar nicht die Welt, aber das Königreich Hannover zu vermessen. Und dazu ließ er damals weithin sichtbare Peilpunkte setzen. Einer davon steht  auf dem Pugelatz im Wendland, im „Dreiländereck“, das dort von Wendland, Altmark und Ostheide gebildet wird. Ulrich Schröder fand folgende Worte dazu: „Eckstein zur Vermessung eines Königreichs auf einem Heidehügel, jetzt waldumdrängt …“. Und er wünscht sich ein paar Zeilen weiter „ … so viel Weitblick auch dann, wenn freie Aussicht einmal zugewachsen ist.“
Dr. Ulrich Schröder ist ein genauer Betrachter der Natur und der Menschen. Neben anderen notiert er seine Beobachtungen über die Buche, die Erle, den Holunder, das Espenlaub, auch über das Weidenröschen („Ach Weidenröschen, wenn du beginnst zu fruchten – wo bleibt mein Sommer?“). Aber auch zwischenmenschlichen Beziehungen werden von ihm in Zeilen gefasst. Besonders anrührend das Gedicht, das er seiner Frau Ute zugedacht hat – das aber ebenso gut jeder in langjähriger Beziehung stehende Mann seiner Partnerin aufsagen sollte:
Auch im Sommerabendschimmer, ob du lacht und ob du weinst, tief im Herzen bist du immer doch das Mädchen noch von einst. Klopft der Herbst schon an die Türen, ist der Winter doch noch weit, will ich dich doch nicht verlieren noch für eine lange Zeit.
Ist das nicht eine wunderschöne Liebeserklärung?

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