Dienstag, 5. Juli 2016

Uelzen und die Weimarer Republik

Ausstellung im Schloss Holdenstedt eröffnet

FOLKERT FRELS / Text / Fotos
Otto Lukat, Vorsitzener des
Museums- und Heimatvereins,
begrüßte die Gäste.
„Allein die große Zahl der Anwesenden“ – Otto Lukat macht eine weit ausholende Armbewegung – „bringt zum Ausdruck, dass diese Stadt ihr Heimatmuseum braucht.“ Großer Applaus der weit über 100 Gäste der Eröffnung der Ausstellung „Uelzen zur Zeit der Weimarer Republik“ am Sonntagvormittag im Schloss Holdenstedt bestärkt ihn, den ehemaligen Bürgermeister Uelzens und langjährigen Vorsitzenden des Museums- und Heimatmuseums des Kreises Uelzen, in dieser Ansicht. Und, ja, dies Schloss ist in der Tat wunderbar geeignet, Ausstellungen zu präsentieren. Sei es die zeitgleich gezeigte Bildersammlung „Uelzen ins Gesicht geschaut“ oder die jetzt gerade zur Eröffnung anstehende.
In seiner Begrüßung greift Lukat weit zurück in die Geschichte: Nach Ende des Ersten Weltkrieges kam es überall in Deutschland – auch in Uelzen – zur Bildung von Arbeiter- und Soldatenräten. Bereits am 8. November 1918 lud der Arbeiterrat zu einer öffentlichen Versammlung ins „Central-Hotel“ in der Bahnhofstraße (heute Sparkasse) und mahnte zu Ruhe und Ordnung. Einen Tag später dankte Kaiser Wilhelm I ab, und die Republik wurde ausgerufen. Als besondere republikanische Errungenschaft erwähnt Lukat das allgemeine Wahlrecht auch der Frauen.

Ein altes Fahrrad veranschaulicht das Thema Mobiliät in der Zeit der Weimarer Republik.
Was sich in dieser Zeitspanne bis zur Machtübernahme durch die NSdAP 1933 in Uelzen tat, wie sich hier der Wechsel von der Monarchie zur späteren, nach dem Ort der ersten verfassungsgebenden Nationalversammlung genannten „Weimarer Republik“ auswirkte, darüber berichtet mit umfassendem Sachverstand und Fachwissen der Projektbearbeiter Tilman Grottian. Er geht auf die vom untergegangenen Kaiserreich geerbten, kaum zu bewältigenden Probleme ein und klärt anhand der Ausgangssituation in Auszügen darüber auf, was in den wenigen Jahren der Weimarer Republik alles geschaffen wurde.
Besucher der Ausstellungseröffnung beim
Studium der Schautafeln.
Die sorgsam zusammengetragene und anschaulich gestaltete Ausstellung verstärkt mit ihrer Fülle an Informationen das von Grottian Gesagte. Der Besucher erfährt etwas über gesellschaftliche Zusammenhänge beim Bau neuer Wohnquartiere, begreift die Modernisierung bestehender und die Gründung neuer Unternehmen in Uelzen wie auch den Bau der Kanalisation als Verbindung technischer Innovation mit zivilisatorischem Fortschritt. „Wichtig war es uns,“ so Grottian, „durch die Ausstellung mit der üblichen Erzählung einer gescheiterten Republik zu brechen“. Denn „Weimar“ sei nicht an seiner Demokratie gescheitert, sondern an den Feinden der Demokratie. Und deshalb „… lassen wir zugleich diejenigen zu ihrem Recht kommen, die vor jetzt bald 100 Jahren für Demokratie gestritten haben – und nicht selten dafür in den Jahren der Nazi-Diktatur büßen mussten.“
Elke Beyer, Gesang, und Erika Iwanow liefern die musikalische Umrahmung, und da Dr. Ulrich Brohm schon die Eingangsworte gesprochen hat,  bleibt es auch bei ihm, die Ausstellung für eröffnet zu erklären. Bis zum 30. Oktober 2016 sind die Dokumente und Infotafeln während der Öffnungszeiten des Museums Schloss Holdenstedt zu sehen: dienstags bis sonnabends von 14:30 bis 18 Uhr, sonn- und feiertags von 11 bis 18 Uhr.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen